Sport

Hubi und die italienischen Nächte

Der langjährige Präsident und Patron des FC Wettingen ist tot. Mit ihm spielte der grosse FC Wettingen international gegen Maradonas Napoli. Unter ihm ging der Club Pleite. AZ-Sportchef Felix Bingesser erinnert sich.

Erinnerst Du dich noch an die italienischen Nächte? Damals, als wir mit Deinem FC Wettingen in Neapel im Trainingslager weilten? Damals, als wir mit Trainer Udo Klug bis morgens um drei Uhr über die Taktik gesprochen haben und die leeren Weinflaschen und leeren Gläser auf dem Tisch umhergeschoben haben, um einen perfekten Angriff zu simulieren? Da hast Du jeweils mit der dicken Zigarre in der Hand gestrahlt wie ein Maikäfer.

Nur wenig später warst Du am Zenit Deiner fussballerischen Funktionärskarriere. Der kleine FC Wettingen hat den damals grosse SSC Neapel mit Diego Maradona im Europacup an den Rand des Ausscheidens gedrängt. Du, der damalige Spielautomatenkönig, hast den kleinen Provinzverein auf die ganz grosse Bühne geführt.

Es war eine Zeit, als die Fussballklubs noch keine Aktiengesellschaften waren. Es war die Zeit der Patrons und Mäzene, die mit Herzblut und riesigem finanziellem Aufwand ihren Klub führten. Sven Hotz in Zürich, Gilbert Facchinetti in Neuenburg, Hubi Stöckli in Wettingen. Du hast europäische Topspieler nach Wettingen gelotst, Dein Ehrgeiz wurde immer grösser, Du hast die grosse Bühne gesucht.

Du hast hoch gepokert, vielleicht zu hoch. Der Fussball ist eine Geldvernichtungsmaschine, und der Fussball hat auch Dein Vermögen aufgefressen. Wer weiss, wie es herausgekommen wäre, wenn der FC Wettingen nicht betrogen worden wäre und das grosse Neapel aus dem Europacup geworfen hätte.

Der Schiedsrichter aus Malta hat damals aber beim Spiel in Neapel einen ungerechtfertigen Penalty gepfiffen. «Betrug an Allerheiligen», habe ich damals als junger Redaktor empört in dieser Zeitung geschrieben. Geholfen hat es nichts mehr.

Am Ende war der Preis, den Du für den fussballerischen Höhenflug bezahlen musstest, gross. Vielleicht zu gross. Du hast Dein Vermögen verloren und wurdest von all den vielen Schlaumeiern, die in solchen Fällen auftauchen, noch zum Buhmann gestempelt.

Schnell hat man vergessen, was Du für den Fussball in diesem Kanton geleistet hast. Du hast Dich in den letzten Jahren aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Es wurde ruhig um den Mann, der früher das Rampenlicht genossen hat. Aber Du wirst einen prominenten Platz in der Geschichte des Aargauer Fussballs behalten. Du hast diesen Platz verdient.

Lieber Hubi, nun kannst Du diese Zeilen nicht mehr lesen. Ich schicke sie Dir trotzdem hinterher. Weil wir wunderbare Stunden hatten, weil wir erbitterte Diskussionen geführt haben. Und weil ich weiss, dass Du den damals jungen giftigen Schreiberling trotz aller Auseinandersetzungen gemocht hast. Der Preis, den Du als leidenschaftlicher Fussballfan für den Höhenflug des FC Wettingen gezahlt hast, der war hoch. Ich glaube aber, dass es für Dich gestimmt hat.

Ich glaube, Du hast damals im Fussball gefunden, was Du gesucht hast. Nicht zuletzt war das auch eine gewisse gesellschaftliche Anerkennung, die Dir als Automatenkönig verwehrt geblieben ist. Ich werde Dich in Erinnerung behalten mit einer Zigarre im Mund. Und wie Du Flaschen und Gläser umherschiebst und mir den Fussball erklärst. Machs gut.

Felix Bingesser

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