«Wir brauchen Polizei im Stadion»
Hooligans kosten Millionen: Zürcher Vereine reagieren

Am Dienstag präsentierten die Grossclubs Grasshopper, FC Zürich und ZSC Lions ihre Strategie gegen Gewalt bei Sportanlässen. Zeitgleich publizierte die Stadt die neuen Regeln zur Verrechnung der Kosten von Polizeieinsätzen.

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Fussballfans

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Limmattaler Zeitung

Martin Reichlin

In Zukunft, das hatte der Zürcher Stadtrat im vergangenen Sommer beschlossen, müssen sich die Sportvereine an den Kosten von gut vier Millionen Franken beteiligen, die der Öffentlichkeit pro Jahr durch die Polizeieinsätze im Umfeld von Fussball- und Eishockeyspielen entstehen. Gestern nun wurden die Grundregeln publiziert, nach denen die Umwälzung der Kosten auf die Vereine ab sofort stattfindet.
Demnach gilt: Von der erfassten Gesamtleistung, das heisst der Anzahl Einsatzstunden der Stadtpolizei Zürich während eines Sportanlasses, werden pro Spiel 200 Stunden im Sinne einer «polizeilichen Grundversorgung» abgezogen, wie das Polizeidepartement schreibt. Damit ist die Polizeiarbeit, die bei einem normalen Match ohne Ausschreitungen geleistet wird, in der Regel gedeckt und für die Sportclubs also gratis.

Stufenweise Kostenteilung

Der restliche Einsatz wird den Vereinen künftig grundsätzlich verrechnet. Bei einem Hochrisikospiel mit Ausschreitungen können das über 1000 Arbeitsstunden der Stadtpolizisten sein. Da jede Stunde 110,50 Franken kostet, plus einen Zuschlag von fünf Prozent für die Einsatzmittel der Polizeibeamten, käme auf den Sportverein somit ein Rechnung von gut 116000 Franken zu. Allerdings können die Clubs die Kosten reduzieren, indem sie einen Katalog von Massnahmen zur Verhinderung von Gewalt umsetzen. Themen darin sind unter anderem Einschränkungen des Alkoholausschanks im Stadion, der Einsatz von Videoüberwachung im Stadion, die Kommunikation der Clubs mit Fangruppierungen, die Eingangskontrollen oder die Zusammenarbeit mit der Polizei.

Werden die Massnahmen zu 100 Prozent umgesetzt, reduziert sich der Kostenanteil des Clubs auf 50 Prozent der verbleibenden Kosten. Bei Erfüllung der Massnahmen zur Hälfte beträgt der Rabatt entsprechend 25 Prozent der Restkosten. Ziel der neuen Verrechnungsregeln, so das Polizeidepartement, sei nicht, den Clubs möglichst hohe Kosten aufzubrummen. Die notwendigen Polizeieinsätze rund um die Fussball- und Hockeyspiele sollen jedoch verringert werden, sodass die Stadtpolizisten künftig wieder vermehrt der Bevölkerung im Alltag zur Verfügung stehen. Es stehe den Clubs offen, weitere Massnahmen zu realisieren, um dieses Ziel zu erreichen und damit die Kosten für Polizeieinsätze zu reduzieren.

Clubs agieren gemeinsam

Und genau das haben sich die grossen Stadtclubs FC Zürich, Grasshoppers Zürich und ZSC Lions vorgenommen. Zeitgleich mit der Publikation der neuen Verrechnungs-Ordnung informierten die
drei Vereine die Medien im Zürcher Hallenstadion über ihre gemeinsame Strategie für einen «Sport ohne Gewalt».

Die Überwälzung der Polizeikosten von bis zu drei Millionen Franken pro Jahr, könne die Clubs existenziell gefährden, erklärte Franz Kälin, Leiter Spielbetrieb beim ZSC. Dabei würde vergesssen, dass die Proficlubs auch soziale und gesellschaftliche Aufgaben erfüllen. Dennoch wolle man künftig alle Mittel wie Videoüberwachung, die Hooligan-Datenbank «Gamma« oder strengere Stadionverbote ausschöpfen.