"Ich habe viel Erfahrung in diesem Bereich. Ich bin einer, der sich nicht mehr so schnell verrückt machen lässt", glaubt sich Didier Cuche auf mentaler Ebene gerüstet. Als inzwischen 35-Jähriger hat er ja schliesslich schon genug erlebt, als dass er sich durch eine Programm-Änderung irritieren liesse.

Wer sich zu sehr über verschobene Rennen aufregt, hat schon vor dem Start verloren. Didier Cuche versucht locker zu bleiben und gewinnt selbst Verschiebungen Positives ab: "Wenn nichts geht, weiss ich zumindest, dass ich gesund ins Hotel zurückkehren kann." Und am Samstag konnte er dank der Absage den unverhofft freien Tag zusammen mit seinen Abfahrer-Kollegen zu einem Abstecher an die Skisprung-Schanze nutzen. Dort durfte er live miterleben, wie Simon Ammann die Nerven bewahrte und der Schweiz im ersten Wettbewerb dieser Spiele eine erste Goldmedaille bescherte. Jetzt weiss Cuche schon einmal, wie es geht. Heute ist nun er an der Reihe.

Wer als Schweizer die Olympia-Abfahrt gewinnt, macht sich in unserem Land zum Volkshelden. Erst zwei Athleten ist dies geglückt: 1972 Bernhard Russi und 1988 Pirmin Zurbriggen. Nun aber stehen die Chancen gut, dass dieses Duo zum Trio erweitert wird. Didier Cuche und Carlo Janka haben mit je zwei Erfolgen vier der sechs Weltcup-Abfahrten dieser Saison für sich entschieden, zudem stand immer zumindest ein Schweizer auf dem Podest. Doch aufgepasst: Olympia scheint die grossen Abfahrts-Cracks nicht zu mögen. Seit 1988 gewann nie mehr einer aus dem unmittelbaren Favoritenkreis die Abfahrt der Männer.