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Heisser Tipp: Deutschland trifft im WM-Final auf Brasilien

Die Fussball-Weltmeisterschaft geht in die entscheidende Phase. «a-z.ch» sagt, welche Teams die Viertelfinals gewinnen und wer bis in den Final vorstösst.

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Luis Fabiano

Luis Fabiano

Keystone

Vasilije Mustur

Die Gruppenphase und Achtelfinal-Paarungen sind abgeschlossen. Damit steht der Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika mit den Viertelfinal-Begegnungen die heisse Phase des Turniers bevor.

Im Vorfeld dieser Spiele nimmt «a-z.ch» die einzelnen Paarungen unter die Lupe und zeigt zudem, welche Teams die aussichtsreichsten Kandidaten auf den WM-Titel sind.

Spiel 1 - Brasilien gegen Holland:
Die Niederlande hat mit dem fünffachen Weltmeister eine offene Rechnung zu begleichen. Bereits 1998 an der Weltmeisterschaft in Frankreich trafen die Holländer auf Brasilien - damals im Halbfinal. Dort lieferten sich die beiden Teams ein Spiel auf höchstem Niveau. Als nach 120 Minuten immer noch kein Sieger feststeht, muss im Stade de Velodrome zu Marseille das Elfmeterschiessen über Triumph und Niederlage entscheiden. Die Lotterie entschied Brasilien für sich und stiess daraufhin in den Final vor.

Auch heute steht die Final-Tür für den Rekordweltmeister offen. Das hat einerseits mit der desolaten Vorstellung einiger Favoriten zu tun. So hat in der Gruppe F Italien auf klägliche Art und Weise versagt.

Nachdem sich der Weltmeister von 2006 mit einem 1:1 unentschieden gegen Neuseeland bis auf die Knochen blamiert, scheidet das Team von Marcello Lippi nach der 2:3 Niederlage gegen die Slowakei aus dem Turnier aus. Damit kommt es in dieser Tableau-Hälfte weder im Achtelfinal zum Knaller zwischen Holland und Italien, noch zum Giganten-Duell Italien gegen Brasilien.

Andererseits hat auch Italien der «Selecao» von Trainer Carlos Dunga das Leben erleichtert. Obwohl die «Equipe Tricolore» mit einem 0:0 gegen Uruguay solid ins Turnier gestartet ist, eskaliert die Lage danach vollends. Erst geht die zweite Vorrundenpartie gegen Mexiko mit 0:2 verloren. Daraufhin schickt Trainer Raymond Domenech den Stürmer Nicolas Anelka wegen Beleidigung nach Hause, was wiederum zu einem Trainingsstreik der Mannschaft gegen ihren Trainer führt.

Der Tiefpunkt folgt im letzten Gruppenspiel als Frankreich gegen Gastgeber Südafrika mit 1:2 unter geht. Die Folge: Uruguay und Mexiko qualifizieren sich für die K.O.-Phase und Brasilien kann in der oberen Tableau-Hälfte einer weiteren Top-Nation aus dem Weg gehen.

Brasilien spielt humorlos, aber effizient
Trotz dieser Geschenke soll das die bisherigen Leistungen der Brasilianer nicht schmälern - im Gegenteil: Wer die Todesgruppe G mit Brasilien, Portugal und Elfenbeinküste als Tabellenerster abschliesst, steigt automatisch zum Topfavoriten auf.

Derweil wird der Erfolg der Südamerikaner nicht so gewürdigt, wie er sollte. Der Grund: Brasilien praktiziert unter ihrem Trainer Carlos keinen «Hurra-Fussball», sondern ein abgeklärtes, defensiveres - beinahe humorloses - System. Das führt dazu, dass es aus der Heimat Kritik nur so hagelt und Trainer Dunga die mediale Schelte mit Liebesentzug - also einem faktischen Medienboykott - kontert.

Trotzdem bleibt das Faktum, dass die Südamerikaner mit ihrem implementierten System erfolgreich sind. Während Lucio, Maicon und Juan in der Verteidigung den Schaden zusammen mit Gilberto Silva und Bastos in Grenzen halten, sorgen Kaka und vor allem Luis Fabiano für das offensive Spektakel. Der Stürmerstar vom FC Sevilla hat im bisherigen Turnierverlauf drei Tore erzielt und liegt damit in der Skorerwertung hinter dem Spanier Villa auf Rang 2.

Holland wurde noch nicht getestet
Die Holländer haben sich im Windschatten der Favoriten souverän in ihrer Gruppe gegen Japan, Dänemark und Kamerun durchgesetzt und besiegen auch im Achtelfinal den Underdog Slowenien. Überzeugt haben die «Oranje» noch nicht, vor allem weil die Mannschaft um Superstar Arjen Robben noch nicht getestet wurde.

Zudem zeigt sich bei Holland bei Grossanlässen stets das gleiche Muster. Die Mannschaft überzeugt mit Offensiv-Fussball, in der K.O-Phase scheidet Holland aber sang- und klanglos aus.
Tipp: Holland wird Brasilien im Viertelfinal nicht gefährlich. Dafür ist das von Carlos Dunga implementierte Defensiv-System zu ausgereift. Und im Zuge der mangelnden Konkurrenz wird Brasilien bis in den Final vorstossen.

Spiel 2 - Uruguay gegen Ghana:
Uruguay ist der grosse Profiteur der Gruppe A. Das ist umso erstaunlicher, da die Südamerikaner sich nur mit Müh und Not in der «Barrage» gegen Costa Rica durchsetzen konnten. Eine der Stärken von Uruguay ist das Spiel aus der gesicherten Defensive heraus.

Die Statistik zeigt denn auch, wie solid die «Urus» aus der Abwehr heraus operieren. Die Mannschaft verfügt über das mit Abstand beste Abwehrverhalten des Turniers. Kein Wunder: In der Vorrunde kassiert Uruguay kein einziges Tor und auch im Achtelfinal muss der Torwart Fernando Muslera nur einmal hinter sich greifen.

Das Problem der Uruguayaner ist, dass sie in der Offensive von der Kreativität eines Diego Forlans abhängig sind. Der Superstar tritt beinahe jeden Freistoss und Eckball. Zwar erzielt der Stürmer Suarez für Uruguay drei Tore, doch ohne Forlan ist Suarez nur halb so viel Wert.
Tipp: Uruguay wird dank der besseren Defensive in den Halbfinal vorstossen und dort ehrenvoll an Brasilien scheitern.

Spiel 3 - Klassiker Argentinien gegen Deutschland:
Die untere Tableau-Hälfte ist für die Favoriten ein Albtraum. Zuerst kommt es im Nachmittagsspiel zum Kracher zwischen Deutschland und Argentinien und danach duellieren sich Spanien und Paraguay.

In der ersten Partie gibt es auf den ersten Blick keinen Favoriten. Argentinien setzt sich in der Vorrunde ohne Probleme gegen Südkorea, Griechenland und Nigeria durch. Auch im Achtelfinal gegen die Mexikaner geben sich die «Gauchos» keine Blösse und ziehen mit einem 3:1 Sieg in die nächste Runde ein. Damit nicht genug: Argentinien ist mit zehn Treffern die gefährlichste Mannschaft der Weltmeisterschaft. Ausserdem führt Stürmer Gonzalo Higuain die Skorerwertung gemeinsam mit dem Spanier David Villa mit vier Toren an.

Doch gibt Argentinien aus zwei Gründen Anlass zur Sorge. Lionel Messi - der grosse Star der Mannschaft - bleibt bisher blass. Gerade in der entscheidenden Phase des Turniers, bei dem Einzelaktionen oder Standard-Situation über Sieg oder Ausscheiden entscheiden können, braucht das Team um Maradona den Superstar dringender denn je.

Liebkosungen reicht nicht als Taktik

Darüber hinaus verfügen die Südamerikaner nicht über einen Weltklasse-Trainer wie die Schweiz mit Ottmar Hitzfeld. Übermotiviert an seiner Seitenlinie herum zu tanzen und seine Stars nach jedem Tor zu umarmen, wird gegen Deutschland als Taktik nicht reichen. Auch in der Vorrunde musste die Fussball-Legende seine Trainer-Fähigkeiten nicht unter Beweis stellen, weil die Mannschaft nicht gefordert wurde.

Diese Meisterprüfung hat Deutschland hinter sich - schon zweimal. Nach der Niederlage gegen Serbien sieht sich Trainer Jogi Löw einem Trommelfeuer der Kritik konfrontiert und bei einer weiteren Niederlage gegen Ghana droht gar das Aus.

Die Mannschaft lässt sich von diesem Schreckenszenario nicht beeindrucken, erfüllt gegen Ghana seine Pflicht und fegt die Engländer mit 4:1 vom Feld. Einziger Abstrich dieser überzeugenden Leistung ist das aberkannte Tor der Engländer, denn die Partie nimmt einen ganz anderen Verlauf, wenn England zum 2:2 ausgleicht.

Özil und Müller beleben das Deutsche Spiel
Deutschland gehört auch deshalb zu den Favoriten weil Löw bei diesem Turnier auf ein Spielermaterial zurückgreifen kann, welches Potential auf den Titel hat. Bastian Schweinsteiger ist als Mittelfeld-Spieler für die Deutsche Mannschaft inzwischen unverzichtbar geworden und im Sturm hat der Trainer mit Klose, Podolski, Kako und Mario Gomez die Qual der Wahl.

Selbst die Mischung zwischen Erfahrung und Jugend stimmt. Die jungen Wilden Mesut Özil und Thomas Müller vereinen Selbstvertrauen, Technik und physische Präsenz.
Tipp: Deutschland wird bis in den Final vorstossen. Jogi Löw ist im Viertelfinal dem argentinischen Trainer Maradona in allen Belangen überlegen und Löw kann von der Schweiz und Portugal lernen, wie Deutschland den Europameister Spanien im Halbfinal aus dem Turnier werfen kann.

Spiel 4 - Spanien-Paraguay:
Spanien ist in dieser Begegnung faktisch als Halbfinalist gesetzt. Nach der bescheidenen Vorstellung von Paraguay gegen Japan im Achtelfinal ist schwer vorstellbar, wie die Südamerikaner mit Iniesta, Xavi, Busquets und Fabregas das beste Mittelfeld der Welt stoppen können.

Abgesehen davon hat die Niederlage gegen die Schweiz den Europameister wach gerüttelt. Im Spiel gegen Portugal war deutlich zu sehen, dass der Europameister nach der 0:1 Klatsche nicht mehr so schnell in Panik gerät.

Portugal kopierten gegen Spanien zwar die «Reduit-Taktik» der Schweiz zogen diese aber nicht konsequent durch, weil Ronaldo seinen Offensivdrang nicht unterbinden konnte.

«Reduit-Taktik» bringt Spanien in Nöte
Nichtsdestotrotz hat der Sieg von Spanien gegen Portugal die Schwäche des Europameisters einmal mehr aufgedeckt. Wenn sich der Gegner weit in seine eigene Platzhälfte zurückzieht und mit vier oder fünf Mann auf einer Linie verteidigt, hat Spanien grösste Schwierigkeiten sein gefürchtetes Kombinationsspiel aufzuziehen.

Zudem spricht auch die Geschichte gegen Spanien. Nur gerade einmal konnte der Europameister zwei Jahre später auch Weltmeister werden. Die einzige Mannschaft, welche das Double geschafft hat, war Frankreich. Nach dem WM-Titel vor eigenem Publikum holt sich Frankreich den Europameisterschafts-Titel zwei Jahre später in Holland im Final gegen Italien nach der Verlängerung.
Tipp: Spanien wird Paraguay besiegen und im Halbfinal auf Deutschland treffen. Dort wird der Europameister allerdings am Taktik-Fuchs Jöw scheitern und ausscheiden.

Somit kommt es im WM-Final zur Neuauflage des Endspiels von 2002 in Yokohama zwischen Brasilien und Deutschland. Dort wird die Tagesform über den Titel entscheiden.

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