François Schmid-Bechtel, Klagenfurt

Zwischen Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld und Hakan Yakin besteht wohl kein Verhältnis des bedingungslosen Vertrauens. 10 Minuten gegen Spanien, um mit seiner Ballsicherheit das 1:0 über die Spielzeit zu retten. 90 Minuten gegen Chile auf der Ersatzbank. 45 Minuten gegen Honduras auf der Bank, obwohl man auf Offensivaktionen angewiesen war. Yakin beteuert zwar, sich mit der Rolle des Ergänzungsspielers arrangiert zu haben.

Aber andere Spieler hätten nach einer solch ernüchternden WM-Bilanz über einen Rücktritt zumindest nachgedacht. Erst recht, wenn sie schon 33 Jahre alt sind und sich langjährige Kumpels wie Benjamin Huggel und Christoph Spycher zu diesem Schritt entschlossen haben.

Doch Yakin, der schon 83 Länderspiele bestritten hat, sagt: «Für mich war schon vor der WM klar, dass ich in der Nationalmannschaft weitermachen werde. Der Rücktritt war nie ein Thema. Dafür liebe ich den Fussball noch immer zu sehr. Meine Lust und mein Wille sind ungebrochen. Ausserdem fühle ich mich körperlich noch immer in der Lage, auf höchstem Level mithalten zu können.»

Das ewige Thema Fitness

Die Fitness ist der polarisierende Punkt in der Causa Yakin. Und das schon beinahe so lange, wie Yakin in der Nationalmannschaft spielt – seit dem 19. Februar 2000. Yakin mag das Thema nicht mehr hören. Und Hitzfeld antwortet auf die Frage, ob der Luzerner 90 Minuten durchhalten könne, lakonisch mit «Wir werden sehen». Trotzdem war für Hitzfeld klar, dass Yakin ein Bestandteil seines Teams bleiben wird, «solange er die treibende Kraft beim FC Luzern ist».

Aber wie lange noch? Yakin sagt, dass man sich ab 30 zwangsläufig Gedanken über die Zeit nach der Karriere machen müsse. «Natürlich frage ich mich, ob ich noch die nötige Power habe. Aber ich lebe schon 15 Jahre in diesem Geschäft. Ich weiss also gar nicht, was auf mich zukommen wird, falls ich mal zurücktreten sollte.»

Raum für Experimente

Hitzfeld spricht vor dem Testspiel vom Mittwoch gegen Österreich von einem Neustart. Aber wie viel ist ein Test überhaupt wert, wenn fünf Spieler verletzungsbedingt eine Absage erteilen? «Test ist Test. Es geht auch darum, zu experimentieren», sagt der Nationaltrainer.

Eggimann wurde für Senderos, Padalino für Barnetta, Margairaz für Dzemaili nachnominiert. Und als YB-Mittelfeldspieler Moreno Costanzo gestern Morgen auf dem Weg zur U21 war, erhielt er per Telefon den Auftrag, ins A-Team einzurücken, weil sich Margairaz wegen Adduktorenproblemen abgemeldet hat. Ausserdem fehlen Streller, von Bergen und Djourou.

Zu Diskussionen Anlass gibt das Forfait von Alex Frei. Vor einer Woche wurde die Abmachung getroffen, in Klagenfurt auf den Captain zu verzichten, weil dieser an einer Absplitterung im Sprunggelenk leidet. Die Therapie soll nun eine Oparation verhindern. Doch am Samstag spielte Frei mit dem FC Basel 90 Minuten in Bellinzona.

Das wirft Fragen auf. Hitzfeld sagt: «Ich bin kein Arzt. Aber Frei hat letzte Woche eine Spritze erhalten. Für mich hat es keinen Sinn, Frei mitzunehmen, wenn er nicht spielen kann.» Frei für seine Absage zu rügen, wäre kleingeistig. Was bringt es, wenn er in einem relativ bedeutungslosen Testspiel drei Tore schiesst und diesen Effort mit dem Ausfall gegen England (7. September) zum Start in die EM-Qualifikation bezahlt?