Gygax’ sensationelles Comeback

Der FC Luzern deklassiert den FC St. Gallen vor 8000 begeisterten Zuschauern mit 4:0. Die letzten drei Spiele hatten die Luzerner gegen St. Gallen allesamt verloren. Beim Meisterschaftsstart aber drehten sie den Spiess um. Der von Nürnberg gekommene Daniel Gygax war dabei die grosse Figur.

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Markus Brütsch

Mit einer 5:1-Gala gegen YB hatte sich der FC Luzern am Ende der letzten Saison im Emmenbrücker Gersagstadion von seinem Heimpublikum verabschiedet. Mit einer an Effizienz kaum zu überbietenden Vorstellung und einem 4:0-Sieg über den FC St.Gallen knüpfte er in der neuen Spielzeit nahtlos an die so erfolgreiche alte an. Und was die Angelegenheit noch garnierte: Mit dem neu verpflichteten Daniel Gygax hatten die Luzerner einen Spieler in ihren Reihen, der einen Traumeinstand feierte und das Zeug hat, mit Hakan Yakin zusammen zum Publikumsliebling zu werden.

«Ich will jetzt mal ganz bescheiden bleiben», sagte Gygax, «wichtig ist doch, dass wir drei Punkte gewonnen und ein erstes Ausrufezeichen gesetzt haben.» Gygax hatte das 2:0 (33.) und 4:0 (68.) geschossen und den Assist zu Nelson Ferreiras 3:0 (65.) geliefert. Nur bei Yakins Führungstor (30.) hatte der Aargauer den Fuss nicht im Spiel gehabt.

Letztmals in der Super League getroffen hatte Gygax am 21. Mai 2005, als ihm in seinem zweitletzten Spiel für den FC Zürich beim 2:1 gegen Xamax ein Tor gelungen war. Trotz des persönlichen Traumeinstandes und makellosen Saisondebüts der Mannschaft hob Gygax bereits wenige Minuten nach Spielschluss den Warnfinger: «Schon am Samstag wird es in Bern gegen die Young Boys ein ganz anderes Spiel geben.»

Die Luzerner hatten vor 8013 Zuschauern nur schwer ins Spiel gefunden. Die erste Chance der Partie hatte der St. Galler Adrian Winter mit einem guten Schlenzer gehabt. Dann aber, nach einer halben Stunde zähflüssigen Spiels, nickte Yakin einen Cornerball von Michel Renggli zum 1:0 (30.) ein. Der Torschütze hatte die WM-Enttäuschungen offensichtlich gut verarbeitet und sprühte vor Tatendrang und Spielfreude, obwohl er erst seit einer Woche wieder im Training stand. Vom einen Moment auf den anderen hatten die Gastgeber zur Form der letzten Spielzeit gefunden.

Nach einem wunderbaren Angriff über Yakin und Ferreira hatte Gygax drei Minuten nach dem Führungstor nachgedoppelt. «Bis zum Zeitpunkt des ersten Tores hatten wir das Spiel im Griff», sagte hinterher der neue St. Galler Captain Philipp Muntwiler. «Es war ganz bitter, durch eine Standardsituation in Rückstand zu geraten», sagte Trainer Uli Forte, «aus dieser Situation müssen wir schnell lernen.»

Die St. Galler tun gut daran, schon am nächsten Sonntag gegen Bellinzona zu punkten, wenn sie nicht von Anfang an in eine ungemütliche Situation geraten wollen. Ihr Pech war es gewesen, dass die beiden aus Holland geholten Verstärkungen Tim Bakens und Sandro Calabro wegen Verletzungen noch nicht zur Verfügung standen und Offensivspieler Fabian Frei noch eine Sperre hatte absitzen müssen. Forte hofft, dass die drei im nächsten Spiel eingesetzt werden können.

Die Luzerner dagegen, die vor dem Spiel durch ihren Präsidenten Walter Stierli einen Check über 70 000 Franken als Gewinner der Fair Play Trophy eingesackt hatten, konnten personell aus dem Vollen schöpfen. Für den österreichischen Nationalspieler und Neuzugang Thomas Prager war gar nur der Platz auf der Ersatzbank geblieben. Kann Gygax das Niveau halten, wird in Luzern bald niemand mehr vom abgewanderten Davide Chiumiento sprechen.

Noch unbeantwortet ist die Frage, wie stark die mit Dusan Veskovac und Benjamin Kibebe neu gebildete Innenverteidigung ist. Der Schwede hatte ein, zwei Unsicherheiten in seinem Spiel, insgesamt aber waren die Zentralschweizer defensiv wenig gefordert. «Der Sieg ist zu hoch, wir dürfen ihn nicht überbewerten», sagte Luzerns Trainer Rolf Fringer nach dem Spiel warnend, aber glücklich.

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