Radsporttage

Gippingen wieder Radsport-Mekka

Das wichtige Eintagesrennen in der Schweiz

Marco Canonica verabschiedet sich vom GP Gippingen

Während viele Grippe-Viren neu sind, grassierte übers Wochenende in Gippingen ein Fieber-Virus, das inzwischen 46 Jahre alt ist.

August Widmer

Die Gippinger durften einmal mehr Lobesworte von überall entgegennehmen. Der Stellenwert des Anlasses zeigte sich darin, dass bereits am Samstag eine hochkarätige Gästeschar anwesend war. Angesagt war das Fest zum 20-Jahr-Jubiläum des Behinderten-Rennens. 1989 war es, als in Gippingen erstmals ein Rennen für die Sehbehinderten-Tandemfahrer in Szene ging. «Dieses Rennen war eigentlich nicht unsere Idee. Wir wurden von den Veranstaltern der damals ausgetragenen Europameisterschaften für Sehbehinderte angefragt, ob wir das Strassenrennen organisieren könnten», erzählt Leo Erne, der damals OK-Präsident der Gippinger Radsporttage war.

Seit etwas mehr als zehn Jahren gehören auch die andern körperbehinderten Radsportler dazu. Inzwischen gehört das Behindertenrennen zum Europacup der «Paracyclings». Seit zwei Jahren wird auch das zum Europacup zählende Zeitfahren in Gippingen ausgetragen. Für Daniel Huwyler, der im OK für die Behinderten-Rennen zuständig ist, liegen die Vorteile auf der Hand: «Hier steht die ganze Infrastruktur, und da können für die Paracyclings problemlos zwei Rennen stattfinden. Für die aus dem Ausland angereisten Radsportler ist dies natürlich eine gute Sache.»
Toller Einsatz

Die Behinderten-Radsportler zeigten grossartige Leistungen. Vom Start weg wurde um jede Position gekämpft. Ein französisches Tandem ging mit so viel Kraft ins Rennen, dass die Kette bereits 100 Meter nach dem Start gerissen und das Rennen gelaufen war. Ein Fahrer aus Slowenien macht es auch nicht besser, stürzte beim Start und konnte das Rennen nicht mehr fortsetzen, da der Reifen des Vorderrades platt war. Da das Zeitfahren am Sonntagmorgen noch anstand, kamen die Pechvögel nochmals zu einem Einsatz und waren nicht völlig vergebens nach Gippingen gereist. Höhepunkt des Behinderten-Rennens war der Schlussspurt im Tandemrennen. In einem packenden Finale vermochten die Polen Andrzey Zajac und Dariusz Flak auf den letzten Metern die lange allein führenden Holländer Richard Bonhof/Jeroen Lute abzufangen und zu überspurten.

Hagelschlag

Nicht mit gerissenen Ketten, sondern mit Hagelkörnern mussten sich die Teilnehmer des Volksrennens am Samstagnachmittag herumschlagen. Während die Fahrerinnen und Fahrer der beiden über die Strickrunde führenden Rennen es gerade noch ins Ziel schafften, war das Rennen über das Loorholz noch im Gange, als die kräftigen Regenschauer einsetzten. Die für eine Radfahrt nicht idealen Wetteraussichten hielten sicher etliche «Volksmänner» und «Volksfrauen» von einem Start in Gippingen ab. Mit 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern blieb der Aufmarsch etwas hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück.

Nicht auf ein Hagel-Rennen einlassen wollten sich die Promis. Sie liessen die Flyers, mit deren elektrischer Unterstützung sie zwei Strick-Runden drehten, unter Dach, bis sich das Wetter wieder besserte. Der verspätete Start führte allerdings dazu, dass die Einfahrt auf die Zielgerade just in dem Moment stattfand, als zum Behinderten-Rennen gestartet wurde. So gab es keinen Endspurt. Unterwegs schenkten sich die Promis allerdings nichts, wie die mitradelnde Judith Meier, CEO der Reha Clinic Bad Zurzach, verriet: «Auf der ersten Runde liessen die Herren uns beiden Frauen im Feld noch den Vortritt. Auf der zweiten Runde schenkten sie uns nichts mehr und sie kämpften wie die Löwen um jeden Platz.»

Abgeschlossen wurden die Gippinger Radsporttage am Sonntag mit dem Profi-Rennen. Dort wurden nicht nur einige aktive Rad-Stars, wie zum Beispiel der wegen einer Erkrankung indisponierte Martin Elmiger, vermisst. Auch Rad-Legende Ferdy Kübler, der eigentlich auf Lebzeiten als Ehrenstarter gesetzt ist, fehlte in Gippingen bereits zum zweiten Mal. Dies ist allerdings keine Überraschung: Kübler ist inzwischen 90 Jahre alt und muss, wie er es zu seiner Aktivzeit tat, die Kräfte einteilen. Die beiden Regierungsräte Roland Brogli und Alex Hürzeler waren gute Vertreter von «Ferdy national» und schickten die Profis gekonnt und magistral geschickt auf ihre 46. Reise rund um Gippingen.

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