Obama
Fussball im Weissen Haus – Obama jongliert vor den Augen Sepp Blatters

Fifa-Präsident Joseph Blatter ist zu Wochenbeginn von Präsident Barack Obama zu einem Gespräch im Weissen Haus empfangen worden - eine seltene Ehre für einen Schweizer. Inhalt der Unterhaltung im Oval Office: die WM in Südafrika und eine erneute WM-Kandidatur der USA.

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Obama Blatter

Obama Blatter

Keystone

Renzo Ruf, Washington

Auch David Beckhams (bisweilen halbherziges) Gastspiel in der obersten amerikanischen Liga hat daran wenig geändert: In den USA geniesst Fussball – immer noch – ein Schattendasein; die Kicker der 15 Top-Teams in der obersten Liga, Major League Soccer (MLS), stehen im Schatten der Football-, Baseball- und Basketball-Superstars. Und das auf dem Fussballfeld Gebotene ist häufig schlicht und einfach deplorabel – auch weil die besten amerikanischen Talente ihr Können lieber in den europäischen Ligen unter Beweis stellen und den hiesigen Teams deshalb häufig der Kitt fehlt.

Immerhin scheinen die Fussballer nun einen Fürsprecher im Weissen Haus zu haben. Jedenfalls wurde Joseph Blatter, der Präsident des Internationalen Fussballverbandes (Fifa), am Montag die seltene Ehre zuteil, vom US-Präsidenten Barack Obama zu einer persönlichen Unterredung empfangen zu werden.

Obamas Kunststückchen und Finten

Blatter hatte bei seinem dritten Besuch im Weissen Haus das passende Geschenk mit im Gepäck: Fussbälle für die beiden Töchter des Präsidenten, die wie viele andere amerikanische Kinder begeisterte Kickerinnen sind. Auch Obama, dessen Enthusiasmus für Basketball mittlerweile hinreichend bekannt ist, scheint im Umgang mit dem Fussball nicht unbegabt zu sein: Er habe sich im Oval Office an zwei, drei Kunststückchen und Finten versucht, berichtete Blatter nach dem halbstündigen Treffen. Dabei setzte er gar seinen Kopf ein. «Aber für die Nationalmannschaft reicht das noch nicht», meinte Blatter - immerhin schlug das US-Team jüngst beim Confed-Cup Spanien, um dann im Final an Brasilien zu scheitern.

Die Visite von Blatter hatte selbstverständlich auch einen ernsthaften Hintergrund. Zum einen lud der Fifa-Präsident den Präsidenten offiziell zur Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika ein. Obama scheint sich einen Besuch ernsthaft zu überlegen. «Ich würde liebend gern gehen», wenn es sein Terminkalender zulasse, sagte er am Montag. Die WM wird vom 11. Juni bis zum 11. Juli 2010 stattfinden.

Zum andern brachte Obama im Oval Office aber auch die erneute Kandidatur der USA um die Austragung einer Weltmeisterschaft zur Sprache. Er habe Blatter darum gebeten, dem Land nach 1994 eine zweite Chance zu geben - entweder 2018 oder 2022. Die Fifa wird über den Austragungsort für die Endrunde 2018 im Dezember 2010 entscheiden. Derzeit scheint England der Favorit in einem Feld mit elf deklarierten Kandidaten zu sein; denn es gibt einflussreiche Stimmen, die sagen, nach Afrika (2010) und Südamerika (Brasilien 2014) soll der wichtigste Fussball-Wettbewerb wieder in Europa stattfinden. Blatter sagte: Er nehme dazu eine neutrale Haltung ein. Womit er wohl für das amerikanische Publikum ein vorherrschendes Klischee über die Schweizer bestätigte.

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