Waltenschwil

Freiämter fördert Seilzieh-Junioren

«Ich freue mich vor allem für den Seilziehsport. Natürlich bin ich aber auch für mich ein wenig stolz», sagt der Nachwuchstrainer 2008, Daniel Strebel. (Bild: aw)

Daniel Strebel

«Ich freue mich vor allem für den Seilziehsport. Natürlich bin ich aber auch für mich ein wenig stolz», sagt der Nachwuchstrainer 2008, Daniel Strebel. (Bild: aw)

Sechs erfolgreiche Trainer sind von der Sporthilfe zum «Nachwuchstrainer des Jahres 2008» gewählt worden. Mit Daniel Strebel aus Waltenschwil ist auch ein Freiämter darunter. Er trainiert die U23-Nationalmannschaft der Tauzieher.

Andrea Weibel

«Am Anfang dachte ich, der will mich verarschen», erinnert sich Daniel Strebel lachend an den Anruf des ehemaligen Bob-Weltmeisters Reto Götschi. «Ich war gerade in den Skiferien, da gratulierte er mir zu meinem Titel.» Doch es war kein Scherz. Reto Götschi ist Mitarbeiter der Sporthilfe und informierte die sechs Gewinner persönlich darüber, dass sie zum «Nachwuchstrainer des Jahres 2008» gewählt worden sind.

Vier EM- und vier WM-Titel

Seit 32 Jahren ist der Waltenschwiler Daniel Strebel mit Leib und Seele dem Seilziehen verpflichtet. 15 Jahre lang hat er aktiv am Strick gezogen und gibt sein Wissen nun bereits seit 17 Jahren an die Junioren weiter. Noch immer hat die Sportart für ihn nichts von ihrer Faszination eingebüsst.

Die Auszeichnung zum Nachwuchstrainer des Jahres sieht er als Anerkennung für den Seilziehsport, darüber freut er sich sehr. «Es ist immer schwierig, als Randsportart überhaupt wahrgenommen zu werden. Diese Auszeichnung bedeutet mir deshalb sehr viel», erklärt Strebel.

Warum er den Titel bekommen hat, ist leicht nachvollziehbar: Aus den 13 internationalen Wettkämpfen, an denen das Schweizer Juniorenteam unter der Leitung von Strebel teilgenommen hat, hat es jedes Mal eine Medaille mit nach Hause gebracht. «Wir haben je vier EM- und WM-Titel geholt. Dazu kommen zwei Silber- und drei Bronzemedaillen», ist der 47-Jährige stolz.

Neben einem Diplom hat die Sporthilfe jeden der sechs Preisträger, die am 24. April im Schloss Lenzburg ausgezeichnet wurden, mit 5000 Franken Preisgeld belohnt. Strebel weiss bereits genau, wofür er dieses einsetzen wird. «Nächstes Jahr findet die WM in Südafrika statt. Es gibt immer junge Sportler, die sich solche Reisen finanziell nicht leisten können. Ich möchte niemanden wegen des Geldes zu Hause lassen. Darum werde ich einen kleinen Fonds einrichten, der diesen Athleten zugute kommen soll», erklärt der Freiämter.

Teamgeist als Faszination

Für Strebel liegt die Faszination am Seilziehsport im Teamgeist. «Es gibt bei uns kaum einzelne Stars wie in anderen Sportarten. Das Team insgesamt ist der Star», schwärmt er. So sei er auch mit Medaillenplätzen weniger zufrieden, wenn das Team nicht harmoniere. «Ich muss bereits heute die jungen Talente für die WM 2011, die in der Schweiz stattfindet, sichten und fördern», erklärt er, «da schaue ich sicher auf Kraft, Ausdauer, Technik und Taktik. Wenn aber einer all das mitbringt und nicht teamfähig ist, hat er dennoch wenig Chancen.»

Familie kommt zu kurz

Für den Sport ist Daniel Strebel rund 200 Stunden pro Jahr unterwegs. Das sind neben den monatlichen (Nebensaison) und wöchentlichen Trainings (Saison) der Juniorennati auch Sichtungsturniere, Trainingslager und Wettkämpfe, die der Geschäftsführer der Landi Freiamt mit Job und Familie unter einen Hut bringt. «Am Job geht das gut vorbei, da der Sport meist abends und am Wochenende stattfindet», erklärt er.

Doch er ist sich bewusst: «Die Familie kommt ab und zu etwas zu kurz.» Seine 20- und 18-jährigen Söhne spielen beide Unihockey im U21- und NLB-Team in Reinach. «Sie hätten Talent zum Seilziehen, aber sie mögen Spielsport eben lieber», sagt Strebel schulterzuckend. Seine Frau Martha leidet eher darunter, dass ihr Mann häufig für den Sport unterwegs ist. «Vor allem, dass ich dafür auch Ferien opfern muss, gefällt ihr nicht», weiss Strebel.

Umso glücklicher ist er, dass auch sie sich anscheinend über seine Auszeichnung freut: «Alle meine Medaillen sind im Keller, denn im Wohnzimmer will Martha nichts mehr sehen, was mit Seilziehen zu tun hat. Das Diplom hat sie jetzt aber im Flur aufgehängt. Ich glaube, sie ist schon auch ein wenig stolz, und das freut mich riesig.»

Die WM 2011 in der Schweiz möchte Daniel Strebel sicher noch als Trainer der U23-Nati mitbestreiten. «Danach möchte ich weitersehen», sagt er. Ob er sich dann allerdings von seinem geliebten Sport trennen kann, wird er sehen.

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