Finanzielle Frischzellen für den Aarauer Turfsport

Der Stadtrat will dem Aargauischen Rennverein (ARV) ein Darlehen aus dem Jahre 1993 mit einer Restschuld von 460 000 Franken erlassen

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Der Aargauische Rennverein (ARV), der für die Durchführung der Aarauer Pferderennen im Schachen sorgt, ist nicht auf Rosen gebettet. Vor ein paar Jahren drohte gar der Kollaps und damit das Ende des Turfsportes in der Kantonshauptstadt. Inzwischen hat es der Verein unter dem Präsidium von Rechtsanwalt Beat Ries immerhin geschafft, das Schlimmste abzuwenden. Von einer nachhaltigen finanziellen Erholung kann aber noch keine Rede sein.

Konkret geht es um ein Darlehen von 500 000 Franken, das bereits 1993 für die umfassende Bahnsanierung im Reiterstadion gewährt worden war. Die ersten zehn Jahre sollten zinsfrei sein, ab 2004 ist eine Amortisation von 50 000 Franken pro Jahr und eine Verzinsung fällig geworden.

Bereits 2005 meldete sich der Verein mit einem Gesuch, die finanziellen Auflagen zu erlassen oder zu lockern. Stadt- und Einwohnerrat kamen dem Ersuchen nach und beschlossen, die Abzahlungen von jeweils 20 000 Franken für die Jahre 2007 und 2008 zu erlassen und das Darlehen auf 460 000 Franken zu reduzieren.

Der ARV erhöhte seinerseits die Mitgliederbeiträge. Dies hat sich allerdings als Tropfen auf den heissen Stein erwiesen. In einem Brief vom 25. Mai dieses Jahres weist der Rennverein die Behörde erneut auf die knappe Liquidität und die finanzielle Lage des ARV hin. Der Abschluss für das Rechnungsjahr 2008 sei zwar «leicht positiv», doch das Budget 2009 spiegle «die prekäre Situation» nach wie vor wider. Der Unterhalt von Bahn und Anlagen sei «sehr aufwändig» und das Sponsoring im momentanen wirtschaftlichen Umfeld «sehr schwierig» geworden.

Für den Stadtrat ist nach Konsultation der eingereichten Bilanz und Erfolgsrechnung des ARV klar, dass das Eis wieder dünner geworden und eine Beruhigung nicht in Sicht ist. Ein erneuter Erlass für die Jahre 2009 und 2010 wäre aus Sicht der Behörde «nur eine kurzfristige Lösung». Gefragt sei aber eine «nachhaltige Sanierung» des Rennvereins, indem die Stadt Aarau künftig auf die Verzinsung und Amortisation des Darlehens von 1993 verzichtet.

Diese Geste würde zudem der Gleichbehandlung der Vereine entsprechen, wurde doch dem Kavallerie- und Reitverein Aarau und Umgebung ebenfalls ein unverzinsliches und rückzahlungsfreies Darlehen von 850 000 Franken für den Bau der neuen Reithalle gewährt.

Die Behörde betont, dass der Rennverein mit dem Turf im Schachen «ohne Zweifel eine gesamtschweizerische Ausstrahlung Aaraus» fördere und «einen nicht unbedeutenden Beitrag zur Erhöhung des Bekanntheitsgrades der Aargauer Kantonshauptstadt» leiste. Deshalb stellt er dem Einwohnerrat den Antrag, auf die Verzinsung und Amortisation des bestehenden Darlehens von 460 000 Franken zu verzichten respektive dieses per Ende 2009 abzuschreiben und mit 1 Franken zu bilanzieren. (hr)

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