Federer
Federer ist nur noch die Nummer 3

Der Spanier Raffael Nadal gewinnt zum zweiten Mal Wimbledon. Sein Vorsprung in der ATP-Weltrangliste auf Roger Federer wächst und wächst. Der Schweizer ist jetzt nur noch die Nummer 3.

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Roger Federer

Roger Federer

Keystone

Jörg Allmeroth, london

Anfang Saison hatten ihn Profikollegen und Beobachtern des Tenniszirkus noch mehr oder weniger heimlich abgeschrieben. Jetzt ist Raffael Nadal die unumstrittene Führungsfigur der Tour.

Nach seinem achten Grand-Slam-Titel ging Gipfelbewohner Nadal (10745 Punkte) in der Weltrangliste mit fast 4800 Punkten Vorsprung auf den Serben Novak Djokovic in die Sommerferien, ein fast deckungsgleicher Abstand trennte ihn von der neuen, ungewohnten Nummer 3, von Roger Federer.

Murray, der Schotte, kam schon als Nummer 4 mit 5155 Punkten nicht mal auf die Hälfte der Zähler Nadals, dieses unverwüstlichen und unwiderstehlichen Kämpfertyps.

Technisch und taktisch stark verbessert

Im langjährigen Garten Eden für Federer, auf den manikürten Tennisgrüns des All England Club, fand auch eine beispiellose Erfolgsserie Nadals in diesem Frühling und Sommer ihren letzten, alles überragenden Höhepunkt: Nicht nur, dass Nadal im April und Mai alle drei Masters-Sandplatzturniere in Rom, Monte Carlo und Madrid für sich entschieden hatte und dann auch ohne Satzverlust zum fünften French-Open-Sieg geprescht war.

Nun hatte der technisch und taktisch noch einmal stark verbesserte Kraftprotz auch seinen zweiten Wimbledon-Skalp eingesammelt, mit dem 14. Sieg hintereinander seit seinem Auftaktmatch 2008. «Für mich ist das wie eine Titelverteidigung, da ich ja letzte Saison nicht spielen konnte», sagte Nadal später, «es ist einfach ein grossartiges Gefühl, hier wieder mit dem Pokal zu stehen.»

Nervenstärke und Willenskraft

Die Nummer 2 und Nummer 3 der Tennis-Hitparade hatte Berdych bei seinem Überraschungslauf durch dieses abenteuerreiche Turnier ausgeschaltet, erst Federer, der wie Superman ohne Kryptonit wirkte, dann auch den matten, maladen Djokovic. Aber an einem fitten, frischen und ausgeruhten Nadal biss sich der baumlange Tscheche von vornherein die Zähne aus – an einen nächsten rebellischen Akt des Aussenseiters war gar nicht zu denken, selbst nicht in einigen umkämpfteren Passagen des wenig spektakulären Finals.

Was die meisten seiner Top- Ten-Kollegen vermissen liessen bei diesem Turnier der wankenden Tennisriesen, jene unverzichtbare Nervenstärke und Willenskraft bei den Big Points, die spielte Nadal im Final offenbar ganz entspannt aus – wann immer der 24-jährige Mallorquiner aufgefordert war, wirklich zu punkten, dann tat er es auch.

Bei den Breaks zum 4:3 und 6:3 im ersten Satz. Und, vorentscheidend, beim Break zum 7:5-Gewinn des zweiten von nur drei Tennisakten auf dem Centre- Court. «Er hat grossartige Entschlossenheit gezeigt», sagte hinterher Nadals Trainer und Onkel Toni über seinen Schützling.

Nur einmal in Rücklage

Seine eigentlichen Herausforderungen hatte Nadal im Nachhinein schon hinter sich gelassen, als er zum Endspiel den Centre-Court betrat. Gegen den Holländer Robin Haase lag er in der zweiten Turnierrunde mit 1:2-Sätzen zurück, wendete dann aber noch einmal sein Grand-Slam-Blatt. Am ersten Turniersamstag, gegen Philipp Petzschner, war die Bedrohung noch weitaus grösser, wieder lag Nadal 1:2 hinten, kämpfte sich zurück, siegte dank eines einzigen Breaks im fünften Satz noch hauchdünn.

Doch einmal in der zweiten, alles entscheidenden Turnierwoche angekommen, zeigte er jene einsamen Qualitäten grosser Champions – noch einmal richtig und spektakulär Tempo aufzunehmen, wenn die echten Spitzenspiele anstehen.

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