Wimbledon

Federer: «Ich hätte verlieren müssen»

Roger Federer kämpfte um jeden Ball

Roger Federer kämpfte um jeden Ball

Auf solch eine Nervenschlacht war Roger Federer nicht vorbereitet. Schon in der ersten Runde in Wimbledon stand der Titelverteidiger gegen den Kolumbianer Alejandro Falla vor dem Aus. Er zog nur knapp seinen Kopf aus der Schlinge.

Michael Wehrle, Wimbledon

Bewusst hatte Federer vor der Partie gegen Alejandro Falla vermieden, das Thema Fussball am Fernsehen zu erwähnen. Dabei schien es doch durchaus möglich, dass der Schweizer, der zwei Stunden vor Schweiz - Chile auf dem Centre-Court das Turnier eröffnete, rechtzeitig zum Anpfiff vor dem Fernseher sitzen könnte.

Schliesslich hatte er seinen Gegner bei ihrem ersten Treffen vor sechs Jahren in Wimbledon noch in weniger als einer Stunde vom Platz gefegt. Diesmal war er einfach nur glücklich, dass er nach 3 Stunden und 18 Minuten überhaupt den letzten Punkt machte. Mit 5:7, 4:6, 6:4, 7:6 (7:1) und 6:0 zog der Baselbieter gerade noch einmal den Kopf aus der Schlinge. Mutter Lynette und Vater Robert, als Gäste in der ersten Reihe der Royal Box, litten sichtlich mit.

«Ich habe in diesem Jahr einige Partien verloren, die ich hätte gewinnen müssen, aber diesmal hätte ich verlieren müssen», gab er offen zu. Die Niederlage sei hart für seinen Gegner, er sei der bessere Mann gewesen. «Ich profitierte von meiner Erfahrung und meiner Fitness», erklärte er.
Dabei begann er gut, schien der Chef auf dem Platz zu sein. Doch Falla kam immer besser ins Spiel, gewann die meisten Ballwechsel von der Grundlinie. «Er spielte super, dank zwei tollen Returnspielen gewann er die ersten beiden Sätze», lobte Federer. Darauf sei er nicht vorbereitet gewesen.

Und der Kolumbianer liess keineswegs nach. 0:40 stand es bei 4:4 und Aufschlag Federer im dritten Satz, wenig später hatte Falla noch eine Breakchance. Kurz darauf gewann Federer einen spektakulären Ballwechsel. «Vielleicht war das der Ball, der Federer im Turnier hält», überlegte John McEnroe bei seinem Kommentar. Tatsächlich schaffte nun Federer sein erstes Break. Doch schon wenig später rannte er erneut einem Rückstand hinterher. Bei 5:4 schlug Falla zum Match auf, doch näher als drei Punkte an den grossen Triumph kam der 26-Jährige nicht. Als es dann ins Tiebreak ging, war die Sache schnell gelaufen. Nun gings schnell zu Ende.

Niederlage im Kopf

Zum sechsten Mal in seiner Karriere holte Federer nun einen 0:2-Rückstand auf. Zuletzt war ihm das vor gut einem Jahr bei seinem Triumph in Paris im Achtelfinal gegen Tommy Haas gelungen. «Natürlich gingen mir Gedanken an eine Niederlage durch den Kopf», sagte Federer. Besonders bei 0:40 Ende des dritten Satzes. Bis dahin habe er kaum ein Rezept gegen den Aufschlag seines Gegners gefunden, obwohl der ja kein Riese sei. Das habe ihn doch überrascht, denn solche Schwierigkeiten habe er gegen ihn zuvor nicht gehabt. «Dazu war mein eigener Aufschlag auch nicht der Beste», betonte er. Immer wieder habe er die einzelnen Games schlecht angefangen, das habe ihn unter Druck gesetzt.

Mental müde

Körperlich sei der Match keine Belastung gewesen, aber mental habe er Kraft gekostet. «Bis zum fünften Satz hatte ich ja immer den Kopf unter Wasser, war im Rückstand, das macht müde», erklärte er. So habe er nach der Partie erst einmal fünf Minuten über sein eigenes Spiel nachdenken müssen, bevor er doch noch die Schlussphase der Schweizer Fussballer verfolgte. Ein ganz anderes Spiel morgen. Der Serbe Ilija Bozojac ist 1,93 Meter gross, ein Mann mit einem starken Aufschlag.

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