Federer-Gegner Tsonga: «Ich will ganz nach oben»

France's Jo-Wilfried Tsonga celebrates his quarter-final win over Novak Djokovic of Serbia at the Australian Open tennis tournament in Melbourne January 27, 2010.   REUTERS/Daniel Munoz (AUSTRALIA - Tags: SPORT TENNIS)

«Ganz nach oben zu kommen, das ist mein Ziel»

France's Jo-Wilfried Tsonga celebrates his quarter-final win over Novak Djokovic of Serbia at the Australian Open tennis tournament in Melbourne January 27, 2010. REUTERS/Daniel Munoz (AUSTRALIA - Tags: SPORT TENNIS)

Roger Federer spielt jetzt im Halbfinal den Australian Open auf den aufstrebenden Franzosen Jo-Wilfried Tsonga. Und der hat grosses vor. Er will ganz nach oben und ist bereit für einen Marathonmatch gegen die Schweizer Weltnummer 1.

Jörg Allmeroth, Melbourne

In einer magischen Australian- Open-Nacht vor zwei Jahren hatte er sich als neuer Superstar des Tennis angekündigt. In einer Nacht, in der er Rafael Nadal mit Traumschlägen in Serie 6:2, 6:3, 6:2 im Halbfinal demontierte. Jo-Wilfried Tsonga kam, sah und imponierte. Ein Typ, den alle Welt als «Tennis-Ali» kennen und lieben lernte. Einer, der so aussah wie der Box-Champion als junger Bursche – und der dessen poetische Formel wie ein Erbfolger in einem anderen Sport in Szene setzte: «Schweben wie ein Schmetterling, stechen wie eine Biene.»

24 Monate nach seinen beinahe irrealen Auftritten in der Rod-Laver-Arena steht Jo-Wilfried Tsonga nun vor einer neuen Wegscheide in seiner Karriere: Heute kämpft der explosive Puncher und geschmeidige Bewegungskünstler gegen Roger Federer nicht nur um den zweiten Einzug ins Melbourne-Endspiel, sondern auch um die Selbstbestätigung, zu den wirklich Grossen der Branche zu gehören.

Tsonga, der Star mit dem Seite- 1-Appeal, will seinen Angriff auf die etablierte Hackordnung schon in Melbourne mit voller Wucht und Leidenschaft eröffnen, eine Attacke, die das Quartett an der Spitze auseinandersprengen soll. «Ich will nicht nur vorne dabei sein, ich will ganz nach oben», sagt der 24-jährige Publikumsliebling, den die Australier bei seinem Endspielvorstoss 2008 (er verlor gegen Djokovic in vier Sätzen) als einen der Ihren adoptiert haben.

«Bereit für den langen Weg»

Und endlich kann Tsonga auch einmal rückhaltlos auf seinen eigenen Körper vertrauen. So sehr, dass ihm selbst die ersten beiden Fünf-Satz-Siege seiner Karriere im Achtelfinal gegen den Spanier Nicolas Almagro (9:7 im fünften Satz) und gegen Novak Djokovic im Viertelfinal nicht die geringste Mühe machten. «Ich bin bereit, auch den ganz langen Weg zu gehen. Ich bin topfit. Von mir aus kann es noch mal über die volle Distanz gehen», sagt Tsonga.

Die leidige Verletzungsanfälligkeit, die Rückenprobleme und Handgelenkblessuren, hatten den kraftvollen Fighter aus Le Mans in den letzten beiden Jahren immer wieder den Anschluss an den kleinen Elitekreis um Federer, Nadal und Co. gekostet, umso bemerkenswerter, dass sich der Sohn eines kongolesischen Handballers und einer französischen Lehrerin 2008 trotz aller Malaisen sogar noch in einem fulminanten Endspurt für die Tennis-WM in Schanghai qualifiziert hatte.

Der Modellathlet ist auch die Vorzeigefigur der französischen Tennis-Streitmacht, die mit dem grössten Reservoir an Top-100-Spielern zu den Turnieren des Wanderzirkus schreitet. «Er reisst alle französischen Spieler mit. Sein Kampfgeist, seine Ausstrahlung sind unvergleichlich», sagt Richard Gasquet, eigentlich der Talentierteste unter den «Musketieren» der Grande Nation. Tsonga ist robuster, abgebrühter, nervenstärker – in der Hitze des Duells zuckt er nie zurück und setzt auf volles Risiko. «Er geht lieber auch mal mit fliegenden Fahnen unter, als Angstschläge zu produzieren», sagt Frankreichs Davis-Cup-Teamchef Guy Forget.

In dieser Saison könnte sich weisen, ob Tsonga die Besten der Besten in Bestform gefährden kann – oder ob Federer und Co. in der Gipfelregion unter sich bleiben. «Tsonga ist ein gefährlicher Bursche. Er hat jetzt auch die Erfahrung, um grosse Spiele zu gewinnen», sagt Federer. Aber auch schon in Melbourne, gegen Federer selbst? Das ist die Frage.

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