FC St. Gallen: «Wir ziehen unser Ding durch»

Der St. Galler Stürmer Moreno Merenda fühlt seinem Trainer Uli Forte auf den Zahn. Natürlich interessiert es ihn sehr, ob Uli Forte nun auch in der Super League mit zwei Stürmern spielen lässt.

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Aargauer Zeitung

Aufzeichnung: Markus Brütsch

Ligaerhalt ist möglich

Mit lediglich zwei Niederlagen in 30 Partien und acht Punkten Vorsprung auf den FC Lugano hat der FC St. Gallen den unverzüglichen Wiederaufstieg in die höchste Spielklasse geschafft. Am 12. Juli startet er nun mit einem Budget von 7,5 Millionen Franken in seine erste Super-League-Saison im neuen Stadion. Und dieses könnte für die Ostschweizer auch so etwas wie eine Versicherung im Abstiegskampf darstellen. Noch sind sie nämlich seit der Eröffnung der AFG Arena in Meisterschaftsspielen zu Hause ungeschlagen. Allerdings hat die Cupniederlage gegen Sion gezeigt, dass nun ein anderer Wind wehen dürfte.

Mit Mario Frick und Kristian Nushi sind St. Gallen zwei vielversprechende Transfers gelungen. Und gelingt nun auch noch die Verpflichtung eines Spielmachers, darf sich das eingespielte Team des erfolgreichen Trainers Uli Forte gute Hoffnungen auf den Ligaerhalt machen. Die letzte Woche von Präsident Michael Hüppi eingefrorenen Querelen zwischen dem Jungtrainer und der medizinischen Abteilung zeigen indes, wie schnell es in St. Gallen rumoren kann. (br)

TIPP FÜR DIE SAISON 2009/2010: RANG 8

Trainer, bei uns in der Mannschaftskabine sind die ersten drei Spiele gegen Basel, YB und Meister Zürich das grosse Thema. Haben wir damit nun eigentlich Losglück oder Lospech gehabt?
Uli Forte: Dieses Auftaktprogramm ist perfekt! Als Aufsteiger kann man sich nichts Besseres wünschen. Wir haben nichts zu verlieren. Wenn wir dreimal geschlagen werden, ist dies als Aufsteiger nichts als normal. Aber jeder Punkt ist ein gewonnener Punkt. Wir haben vor unseren Gegnern Respekt, aber sicher keine Angst. Wir müssen doch diesen Grossen den Gummi etwas schleifen.

Aber wie lange bleibt das Umfeld ruhig, sollte der Start nicht wie erhofft gelingen?
Forte: Ich hoffe schon, dass die Leute vernünftig genug sind einzusehen, dass wir jetzt auch mal Punkte liegen lassen werden und Siege keine Selbstverständlichkeit mehr sind.

Aber was liegt denn für uns überhaupt drin?
Forte: Für einen Aufsteiger kann das Ziel nur Ligaerhalt heissen. Und zwar wollen wir dies so schnell wie möglich erreichen und mit dem Abstiegskampf am besten nichts zu tun haben.

Auf welchen Positionen müssen wir uns noch verstärken, damit wir diese Vorgaben erfüllen können?
Forte: Im zentralen Mittelfeld. fehlt uns noch eine dominante Figur (im Gespräch ist der 28-jährige tunesische Nationalspieler Selim Benachour von Al Qadsia Kuwait; die Red.). Vorne haben wir uns mit Mario Frick bereits verstärkt. Und verbessern müssen wir uns im Umfeld der ersten Mannschaft, müssen hier noch professioneller aufgestellt sein.

A propos Mario Frick: Was können wir von ihm erwarten?
Forte: Du kennst ihn ja bereits etwas, er ist ein sehr schneller Spieler. Ohne dir nahetreten zu wollen: Er hat noch etwas mehr Speed als du. Ich denke, dass ihr beiden euch gut ergänzt. Und natürlich erwarte ich mir auch viel von seiner Erfahrung, die er in neun Jahren in Italien gesammelt hat.

Wandersmann Merenda

Vor knapp13 Jahren gab der heute 31-jährige Zuger Moreno Merenda im Trikot des FC Luzern seinen Einstand in der Nationalliga A. Es war der Beginn einer unsteten Wanderung des gelernten Sanitärmonteurs durch die beiden höchsten Spielklassen der Schweiz. Von Luzern gings zu Xamax, weiter nach Locarno und zu YB. Nach einem Abstecher bei Wohlen in der 1.Liga folgten die Engagements bei Baden und Vaduz. Von Liechtenstein war es nicht weit bis nach St.Gallen, wo Merenda dreieinhalb Jahre blieb. Nach einer Saison bei Schaffhausen schoss er Xamax mit 22 Toren in die Super League. Mit derselben Quote - plus 15 Assists! - verhalf er nun auch St.Gallen zum Aufstieg. «Er ist bei uns eine Leaderfigur und sehr beliebt bei den Fans», sagt sein Trainer Uli Forte. (BR)

In der vergangenen Saison haben wir immer im 4-4-2 gespielt. Bleiben wir auch in der Super League bei diesem Sys- tem mit den zwei Stürmern, oder spielen wir vorsichtiger?
Forte: Tendenziell spielen wir so wie bis anhin. Aber natürlich muss man immer wieder die Formation der gegnerischen Mannschaft in Betracht ziehen. Und einiges hängt auch noch davon ab, welche Verpflichtungen uns noch gelingen. Wenn zum Beispiel die gewünschte klassische Nummer 10 gefunden wird, müssen wir vielleicht auch noch die eine oder andere Retusche am System anbringen. Aber: Wir ziehen unser Ding durch, egal ob Basel, La Chaux-de-Fond oder YB der Gegner ist. Ohne arrogant zu klingen: Wir bleiben unserer Philosophie treu.

Wir setzen auf unser Kollektiv.
Forte: Natürlich, unsere Stärken sind ja der Teamgeist, die Homogenität, die Charaktere, die Kompaktheit, die Leidenschaft und vor allem die Solidarität untereinander. Das war ganz entscheidend in der letzten Saison. Und eine ganz grosse Stärke ist das, was wir hinter uns sehen: Dieses Stadion mit den Fans, den Stehplatzfans. Auch in der Super League müssen wir diesen Trumpf ausspielen.

Jeder Trainer wünscht sich Verstärkungen, aber natürlich lässt sich nicht jeder Wunschspieler verpflichten. Wie gehst du damit um?
Forte: Ich bin mir bewusst, dass uns finanzielle Grenzen gesetzt sind. Wir müssen mit den vorhandenen Mitteln das Optimum herausholen. Dies ist uns bisher ganz ordentlich gelungen, und wenn dies weiterhin der Fall ist, dann kommt es gut.

In der letzten Saison gab das Thema Finanzen beim FC St. Gallen immer wieder zu reden. Dies beschäftigte uns Spieler sehr, schliesslich geht es um unseren Job. Wie gehen wir damit um, wenn das Thema wieder aktuell werden sollte?
Forte: So lange die Löhne pünktlich kommen - und dies ist bisher immer der Fall gewesen - darf keine Unruhe aufkommen. Ob das Budget ein paar hundert- tausend Franken höher oder tiefer ist, das spielt doch für die Mannschaft auf dem Platz keine Rolle.

MZ-Serie

Am 11. Juli beginnt die Super-League-Saison. In unserer Serie schlüpft je ein Spieler jedes Klubs in die Rolle des Reporters und interviewt seinen Trainer, Sportchef oder Präsidenten.
Den Anfang machen Moreno Merenda und Trainer Uli Forte von Aufsteiger St. Gallen.

Worauf müssen wir uns Spieler in der Vorbereitungsphase noch gefasst machen?
Forte: Dass es kein Verschnaufen mehr gibt. Wir trainieren täglich zweimal hart. Wir müssen die Basis legen für die Super League. Für euch ist es hart, da müssen wir nicht um den heissen Brei herum reden.

Du stehst als Trainer vor deiner ersten Super-League-Saison. Holst du dir noch ein paar Tipps von anderen Trainerkollegen?
Forte: Nein ich glaube nicht, dass dies geht. Du musst als Trainer deinen eigenen Weg gehen. Wichtig ist, dass ich authentisch bleibe. Wenn ich vor euch stehe und jemanden kopieren wollte, dann merkt ihr dies sofort - und dies würde nicht gut herauskommen.

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