Von Fabian Kern

«Es sollen ruhig alle sehen, wie stark wir sind.» Mit diesem Satz hatte am Freitag Thorsten Fink die Frage beantwortet, ob das Abschlusstraining öffentlich sei oder nicht. Und sie kamen. Vielleicht nicht gerade «alle», aber immerhin ein paar hundert Schaulustige.

Eine Stunde liess Fink seine Spieler auf dem Kunstrasen St. Jakob das künstliche Grün erproben. Die Stimmung war hervorragend, auch wenn die Jungen wie Xherdan Shaqiri und Samuel Inkoom sehr in sich gekehrt und konzentriert wirkten. «Wir machen uns gegenseitig nervös», gestand Vizepräsident Bernhard Heusler, der das Team vor der Finalissima hautnah unterstützt. Die grosse Chance, die sich dem FC Basel bietet, ist allen bewusst. Nachdem der FCB im Spätsommer 2009 von vielen bereits abgeschrieben worden war, kann Rot-Blau morgen in Bern den ganz grossen Coup schaffen. Den 13. Meistertitel der Klubgeschichte wollen sich die Basler, nachdem sie einen Rückstand von 13 Punkten aufgeholt haben, nicht mehr nehmen lassen.

Vollends wollte sich Fink dann aber doch nicht in die Karten blicken lassen. Die berühmten Überzieher im Abschlusstraining liessen keine Details zur Aufstellung erkennen. Eines wurde den Zuschauern aber auch bei der lockeren Trainingseinheit klar: Marco Strellers Oberschenkel hält. Noch am Freitag
hatte Fink ernsthafte Zweifel geäussert, ob der 28-Jährige rechtzeitig fit wird für den grossen Auftritt in Bern.

Es bringe niemandem etwas, wenn Streller nach einer Viertelstunde mit einem Muskelabriss ausfallen würde - im Gegenteil. «Wenn er am Samstag schmerzfrei trainieren kann, ist er einsatzbereit», meinte der Cheftrainer. So wie der Nationalstürmer mit seinem lädierten linken Bein volley Flanken versenkte, kann man davon ausgehen, dass die Vorgaben erfüllt sind. Auf den Zuruf, er renne wieder wie ein junges Reh herum, meinte Streller trocken: «Ja, aber wie ein angeschossenes.» Auch er wollte noch nicht zu viel über seinen Gesundheitszustand verraten, gestand aber ein, dass es «einigermassen gehe» und er einfach auf die Zähne beissen müsse.

Ist das nun geblufft oder nicht? Fink ist mit allen Wassern gewaschen, verlässt sich zuletzt aber immer auf sein Gefühl. Ist ein Spieler nicht hundertprozentig fit, lässt er ihn draussen. Schon Inkoom musste er einen Einsatz am Donnerstag gegen Xamax verbieten. «Er wollte unbedingt spielen. Ich habe ihm angesehen, dass er Schmerzen hatte», erzählte Fink. Dennoch, auf seinen besten Torschützen wird er in der Finalissima wenn immer möglich zählen wollen. «Marco ist alt genug, um die richtige Entscheidung zu treffen», so Fink.

Heute ist also die Zeit des Taktierens vorbei. High Noon mitten im Nachmittag. Nerven sind gefragt. Bei aller Nervosität sagte Vizepräsident Heusler aber, seine Gemütslage sei in keinster Weise mit jener vor dem Cupfinal gegen Lausanne zu vergleichen. «Damals wusste ich, wir können es wirklich versemmeln», erzählte Heusler lächelnd. Heute aber, nur eine Woche später, kann der FCB, der in der 36. Runde erst zum zweiten Mal als Leader antritt, seiner tollen ersten Saison unter Trainer Fink die Krone aufsetzen - ohne Druck von aussen. «Eigentlich können wir nur gewinnen», sagte Heusler und fügte spitzbübisch an: «Und wir gewinnen auch bei einem Unentschieden.»