FC Aarau: «Wir mussten ein Zeichen setzen»

Am Montag leitete Martin Andermatt noch das Training beim FC Aarau. Kurz darauf wurde er entlassen. Ranko Jakovljevic soll nun die Wende schaffen.

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François Schmid-Bechtel

Montag 10 Uhr: Martin Andermatt leitet das Training des FC Aarau. 90 Minuten später trottet er Richtung Garderobe. Haben Sie kurz Zeit? «Nein, nicht für euch. Ihr wisst ja eh schon alles.» Andermatt geht weiter, dreht sich nach zirka 100 Metern abrupt um und sagt: «Also, nun habe ich Zeit.» Einzelne Spieler haben gesagt, dass mit Ihnen als Trainer der Ligaerhalt nicht möglich sei. Haben Sie vor dem Training die Vertrauensfrage gestellt? Andermatt: «Es geht nur um Leistung.» Prallt die Kritik der Spieler an Ihnen ab? «Sie machen einen guten Job. Sonst würden Sie nicht mehr über den FC Aarau schreiben. Aber vielleicht kommt ja irgendwann Ihr Chef vorbei. Den kenne ich gut», poltert Andermatt und läuft davon. Quasi direkt auf die Anklagebank. Denn zum gleichen Zeitpunkt, wie Andermatt die Garderobe im Brügglifeld erreicht, tritt Sport-Koordinator Urs Bachmann in Szene. Dieser informiert den Zuger, dass er und sein Assistent Alex Weiss fristlos entlassen sind.

Kapitales Spiel gegen Xamax

«Die Analyse der letzten Spiele hat uns wenig Zuversicht gegeben», sagt Bachmann. «Ausserdem stehen wir vor einem kapitalen Spiel gegen Xamax. Deshalb mussten wir jetzt ein Zeichen setzen.» Warum hat man Andermatt nicht vor dem Training seiner Aufgabe enthoben? Warum hat er den Tabellenletzten auf die heutige Partie gegen Xamax noch vorbereitet? Bachmann sagt: «Wir haben uns um 9 Uhr zu einer Verwaltungsratssitzung getroffen, sind relativ schnell zum Schluss gekommen, dass wir Andermatt entlassen. Doch wir wollten dann nicht das Training unterbrechen.»

Heute, im Heimspiel gegen Xamax, wird der FC Aarau von U21-Trainer Ranko Jakovljevic gecoacht. Der Serbe aus Bosnien kann aber keine langfristige Lösung sein. Weil ihm das nötige Diplom (Uefa-Pro-Lizenz) fehlt, darf er maximal 21 Tage auf dem Chefsessel Platz nehmen. Doch es ist nicht auszuschliessen, dass Jakovljevic auch am Samstag im Auswärtsspiel gegen den FC Zürich noch auf der Bank sitzt. «Wir hoffen, innert Wochenfrist einen neuen Trainer präsentieren zu können. Im optimalen Fall haben wir den neuen Trainer schon vor dem Spiel gegen
den FC Zürich verpflichtet», sagt Bachmann, bei dem sich in den ersten zwei Stunden nach Andermatts Entlassung bereits vier Kandidaten telefonisch gemeldet haben. Wie sieht diese Lösung aus? Sucht der FC Aarau einen Trainer bis Saisonende oder darüber hinaus? Bachmann: «Das ist noch offen.»

Nach dem 0:4 in Sion haben einzelne Spieler moniert, dass die Rettung mit Andermatt ein Ding der Unmöglichkeit sei. Hat sich der Verwaltungsrat des FC Aarau von den Spielern beeinfluss lassen? Bachmann sagt: «Keinesfalls. Wenn man Letzter ist, gibt es immer Spieler, die sich über den Trainer beschweren. Nein, nein. Sie können mir glauben, dass wir die Spieler nun in die Pflicht nehmen. Alfred Schmid hat am Montag vor der versammelten Mannschaft deutliche Worte gesprochen.» Der Präsident habe jene Spieler, die nicht mehr gewillt seien, mitzuziehen, aufgefordert, die Kabine zu verlassen. Doch aufgestanden sei keiner.

Apropos Spieler: Die wollten sich nach dem Trainerwechsel nicht zur Situation äussern. Es scheint, als hätten sie nun den Ernst der Lage erkannt. Giuseppe Aquaro sagte bloss: «Wir haben lange genug nur geredet. Jetzt müssen Taten her.»

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