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FC Aarau: «Wir können positiv überraschen»

Dauerwelle oder Naturlocken? FC-Aarau-Captain Sandro Burki (r.) entlockt seinem Trainer Jeff Saibene im Interview die intimsten Geheimnisse.

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Dauerwelle oder Naturlocken? FC-Aarau-Captain Sandro Burki (r.) entlockt seinem Trainer Jeff Saibene im Interview die intimsten Geheimnisse.

Sandro Burki (23) scheut sich nicht vor provokativen Fragen. Sein Trainer Jeff Saibene (40) reagiert mit Gelassenheit.

Aufgezeichnet:
François Schmid-Bechtel

Jeff, wie siehts aus zum Saisonstart? Ist die Mannschaft bereit? Bist du mit der Vorbereitung zufrieden?
Jeff Saibene: Wir haben eine gute Vorbereitung absolviert. Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert. Insbesondere die erste Halbzeit gegen Uefa-Cup-Sieger Schachtjor Donezk war schon sehr positiv. In der Breite ist das Kader zwar noch nicht so besetzt, wie ich mir das vorstelle. Ich hoffe aber, dass wir noch den einen oder anderen Transfer machen werden.

Welche Ziele verfolgst du in dieser Saison?
Saibene: Der Ligaerhalt ist ein realistisches Ziel. Denn wir haben sehr viele und vor allem sehr gewichtige Abgänge zu verzeichnen. Von den neun Spielern, die uns verlassen haben, zählten sieben zum Stamm des Teams. Bis jetzt ist es uns nicht gelungen, die Abgänge adäquat zu ersetzen. Denn von den Neuen sehe ich einzig Stoll und Polverino als Stammspieler.

Die Medien prophezeien uns eine schwierige Saison. Vielerorts werden wir bereits abgeschrieben und als Abstiegskandidat Nummer 1 gehandelt. Motiviert dich das zusätzlich?
Saibene: Klar, aber es ist aufgrund unserer bisherigen Transfertätigkeiten auch eine realistische Einschätzung. Wenn man die Abgänge und Zuzüge vergleicht, muss man sich nicht wundern, wenn wir als Abstiegskandidat Nummer 1 gehandelt werden. Es liegt an uns, das Gegenteil zu beweisen. Mit einer guten Organisation auf dem Platz und einem guten Teamgeist kann man einiges erreichen. Wenn wir das hinkriegen, können wir wieder positiv überraschen.

Beim FC Aarau wars trotz guten Resultaten zuletzt etwas turbulent. Wackelt dein Stuhl bereits nach der 1:3-Niederlage im Testspiel gegen Donezk?
Saibene (lacht): Ich bin froh, dass ich am Samstag zum Auftakt gegen GC sicher auf der Trainerbank sitzen darf.

Zwischen deinem Vorgänger Ryszard Komornicki und Sportchef Fritz Hächler herrschten atmosphärische Störungen. Wie ist das Verhältnis zwischen dir und deinen Vorgesetzten?
Saibene: Im Moment sehr positiv. Ich denke, dass sie nicht mehr eine ähnliche Situation erleben wollen wie letzte Saison. Ich denke, dass sie aus dieser Situation die richtigen Lehren gezogen haben. Ich habe täglich Kontakt mit Fritz Hächler. Und im Moment bin ich sehr zufrieden, wie es läuft. Ich denke sogar, dass ich selbst in einer schwächeren Phase die Unterstützung meiner Chefs haben werde.

Du warst schon als Spieler viele Jahre im Brügglifeld. Fühlst du dich noch als Luxemburger oder bist du einer von uns?
Saibene: Ich bin mehr Schweizer als Luxemburger, vor allem bin ich Aargauer. Ich bin jetztdas zehnte Jahr beim FC Aarau.

Neid und Missgunst - für dich zwei typische Eigenschaften der Schweizer?
Saibene: Da muss ich voll dagegenhalten. In Luxemburg ist das alles zehnmal schlimmer als hier. Deshalb schätze ich die Schweiz so sehr. In Luxemburg mit seinen 450000 Einwohnern ist jeder der Teufel des Nachbarn.

Fussballer gilt allgemein als Traumberuf. Trainer indes sitzen häufig auf einem Schleudersitz.
Saibene: Mir gefällt beides sehr gut. Als Trainer hat man mehr Druck und Verantwortung. Für dich ist der Arbeitstag nach dem Training meist gelaufen. Für mich aber ist nach dem Training nicht Schluss. Ich mache mir ständig Gedanken, wie wir uns verbessern können; wie wir am Samstag gegen GC spielen sollen. Ich stehe am Morgen mit Fussball auf und gehe am Abend mit Fussball ins Bett. Das ist der grosse Unterschied zwischen Trainer und Spieler. Ich sage den Spielern immer: Nutzt eure Zeit als Profi. Ihr müsst alles unternehmen, um so erfolgreich wie möglich zu sein. Die Zeit vergeht so schnell. Die Karriere ist kurz. Und viele bedauern im Nachhinein, nicht alles für den Erfolg gemacht zu haben.

Welche Spielertypen sind dir lieber: das divenhafte Genie oder der unterwürfige Teamspieler?
Saibene: Ich komme mit jedem klar. Wichtig ist für mich die Disziplin auf dem Platz; dass sich jeder daran hält, was ich vorgebe. Ich muss neben dem Platz nicht «gut Freund» sein mit jedem Spieler. Aber ich schätze es natürlich, dass wir untereinander einen guten Umgang pflegen. Entscheidend ist für mich jedoch das Verhalten auf dem Platz.

Sollte ich je einen Sohn haben, will ich nicht, dass er Fussballer wird. Denn nirgends wird so viel gelogen wie im Fussballgeschäft. Du hast zwei Söhne. Willst du, dass sie Fussballer werden?
Saibene: Das ist sicher kein Ziel. Aber wenn sich eine Fussballer-Karriere abzeichnete, würde ich sie sicher unterstützen. Ich finde, dass das Positive im Fussball überwiegt.

Du bist meist sehr trendy angezogen (eine ironische Anspielung, Red.). Ausserdem habe ich gehört, dass die Dauerwelle wieder in Mode kommen soll. Ist das nun eine Dauerwelle oder hast du Naturlocken?
Saibene (lacht): Das ist Natur pur. Ich habe seit zwanzig Jahren mehr oder weniger dieselbe Frisur.

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