FC Aarau: Wenn man sich Hochmut leisten kann

Der Berner Henri Bienvenu, rechts, kaempft um den Ball mit dem Aarauer Michele Polverino.

FC Aarau gegen YB ohne Chance

Der Berner Henri Bienvenu, rechts, kaempft um den Ball mit dem Aarauer Michele Polverino.

Leader YB gewinnt gegen Aarau 3:1 und liegt nun sechs Punkte vor Basel. Nach einem verschossenen Penalty wurde die Partie gegen Aarau zum Geduldsspiel für die Young Boys. Henri Bienvenu bereitete alle drei YB-Tore vor.

François Schmid-Bechtel

Trainer Vladimir Petkovic hat diverse Rollen in seinem Repertoire. Mal gibt er sich kumpelhaft, mal charmant, mal unnahbar, mal humorvoll, mal sogar arrogant. Zuletzt, als sich das Titelduell mit dem FC Basel zugespitzt hatte, zog er häufig die Schublade mit der Rolle des streitbaren, unerschütterlichen Machos auf, um den Lautsprechern vom FC Basel beim Halali Paroli zu bieten.

Seine Spieler wandeln derzeit zwischen leichtfüssig und leichtsinnig. Leichtsinnig war, wie Seydou Doumbia in der 12. Minute einen Penalty an die Lattenoberkante schoss. Oder wie sich YB in der Schlussviertelstunde bei den zahlreichen Kontermöglichkeiten anstellte. Da ging es nicht mehr darum, mit letzter Konsequenz und Überzeugung den Torerfolg anzustreben, sondern den bedauernswerten FC Aarau vorzuführen. Was Petkovic prompt monierte: «Leider haben wir zu viele Torchancen nicht genutzt. Aber positiv war, wie die Mannschaft auf den verschossenen Penalty reagiert hat.»

«Kein einfaches Spiel»

Und zwar mit Geduld. Es war klar, dass YB kein Spektakel bieten wird, solange die Partie 0:0 steht. Denn die Aarauer spielten äusserst diszipliniert, meist mit neun Feldspielern hinter dem Ball. Und weil die Gäste kaum Fehler machten, wurde es für den Leader ungemein schwierig, aus dem Spiel heraus Chancen zu kreieren. Kam dazu, dass die Berner bei den wenigen Möglichkeiten, mit schnellem Umschalten Überzahlsituationen zu schaffen, die nötige Präzision vermissen liessen.

«Es war kein einfaches Spiel für uns», resümierte Petkovic. «Denn es ist immer schwierig, einen Tag nach dem FC Basel zu spielen. Das erhöht den Druck auf uns. Erst recht, wenn die Basler Punkte liegen lassen wie gegen Sion.»

Der FC Aarau indes gewann nach dem Fehlschuss von Doumbia an Sicherheit und kam sogar zu zwei Möglichkeiten. Doch Burki scheiterte beide Male. Erst an Wölfli, danach schoss er Dudar an. YB aber benötigte im Spiel gegen die eigene Ungeduld einen Geniestreich, um Fahrt aufzunehmen. Der Kameruner Henri Bienvenu, unmittelbar vor der Pause von Sutter lanciert, spielte den Ball perfekt in den Rücken der Aarauer Abwehr und in den Lauf des bis anhin enttäuschenden Christian Schneuwly, der eiskalt zum 1:0 abschloss.

Gala der Stürmer

Von da an spielte eigentlich nur noch eine Mannschaft: YB. Einzig Torhüter Ivan Benito zögerte die Entscheidung etwas hinaus. Wie er zweimal gegen Bienvenu (50. und 56.) parierte, verdient Anerkennung. Doch es war bloss eine Frage der Zeit, ehe die nun leichtfüssigen Berner Benitos Arbeitstag definitiv vermiesen würden.

Insbesondere Bienvenu und Liga-Topskorer Doumbia liefen zur Gala auf. In der 65. Minute traf Doumbia nach Flanke von Bienvenu per Kopf zum 2:0. Zwei Minuten später markierte der Ivorer, wieder nach Vorarbeit von Bienvenu, seinen 26. Treffer in der laufenden Meisterschaft. Der in der Winterpause verpflichtete Kameruner hat nun die letzten fünf YB-Treffer vorbereitet. Ist damit alles im grünen Bereich? Trainer Petkovic hält den Ball flach: «Langsam findet er sich in der Mannschaft zurecht. Doch er muss und kann noch Fortschritte machen.»

Meistgesehen

Artboard 1