Vasilije Mustur und Dino Nodari

Die Fussball-Saison in der Schweiz ist gerade einmal vier Runden jung und statt über Fussball spricht die halbe Liga über die Leistungen der Schiedsrichter. Dabei werden der Ton und das Verhalten einiger Klub-Verantwortlichen gegenüber den Unparteiischen zunehmend aggressiver.

Letzter Höhepunkt war die Partie zwischen Luzern und dem FC Sion. Dabei mogelte sich Sion-Präsident Christian Constantin während der Partie an den Sicherheitskräften vorbei, stellte sich zwischen die Spielerbank von Luzern und seiner eigenen Mannschaft und schrie auf den Rasen. Die Folge: Der vierte Unparteiische war fortan damit beschäftigt, den umstrittenen Präsidenten im Zaum zu halten. Für den ehemaligen FIFA-Schiedsrichter Peter Röthlisberger ein unhaltbarer Zustand. «Dieser Mann ist unkontrollierbar und muss gestoppt werden.»

Fussballverband schützt Schiedsrichter zu wenig

Doch Röthlisberger befürchtet, dass der Verband dem Treiben weiterhin untätig zusieht. «Der Schweizer Fussballverband schützt seine Schiedsrichter zu wenig. Das muss sich endlich ändern». Der Aargauer ist überzeugt: Wäre so etwas in Deutschland geschehen, hätte es am nächsten Tag Sanktionen gegen den betreffenden Verein gehagelt.

Im Gespräch mit «a-z.ch» führt Röthlisberger das zunehmend rauere Klima indes auf die finanzielle Bedeutung des Fussballs zurück. «Wenn ein Investor wie Christian Constantin Jahr für Jahr Millionen in den Verein pumpt und der Erfolg ausbleibt, dann muss das ja passieren.»

Darüber hinaus ist Röthlisberger überzeugt, dass Sion und Xamax nur von der eigenen Misere ablenken wollen. «Xamax ist schliesslich Letzter.»

Schiedsrichter müssen um Gesundheit fürchten

Derweil stellt auch Luigi Ponte - Zentralpräsident des Schweizerischen Schiedsrichterverbandes - seit Jahren ein unangemessenes Verhalten der Spieler gegenüber seinen Schiedsrichtern fest - und geht davon aus, dass dieser Trend anhalten wird. Ponte spricht vor allem von den unteren Ligen. Zur Erinnerung: In zwei Wochen beginnt auch im Kanton Aargau die Meisterschaft im Amateurfussball.

Der oberste Schiedsrichter bestätigt denn auch, dass es bereits letzte Saison zu Übergriffen gekommen ist. «Diese Attacken werden immer brutaler». Ponte erzählt von Faustschlägen und sogar Morddrohungen. Deshalb würden auch immer wieder gute Schiedsrichter ihrer Leidenschaft den Rücken kehren. So beispielsweise ein junger Familienvater, welcher in der vor einem Jahr nach einem Spiel in Neuenhof von einem Spieler mit der Faust ins Gesicht geschlagen wurde. «So etwas darf es nicht geben», sagt Ponte.

Vor allem Junioren machen Probleme

Immerhin: Die Zwischenfälle gingen in den letzten Jahren dank den härteren Strafen zurück, andererseits werden die Attacken brutaler. Die Gewalt gegen Schiris sei vor allem ein Problem bei den A- und B-Junioren. Diese würden sich nichts mehr sagen lassen.

Zwar gäbe es immer noch genügend Schiedsrichter in der Schweiz, doch viele würden nach Pöbeleien und Drohungen abspringen. Der Gewalt könnte man jedoch mit Kleinigkeiten - wie getrennten Duschen und Umkleidekabinen - verhindert werden. «Manchmal braucht es nach einem Spiel eben nur einen Funken und dann ist der Teufel los», so Ponte.

Er ist aber froh, dass es im Aargau eine Zusammenarbeit zwischen den Schiedsrichtern und den Trainern der 2. und 3. Ligen gäbe. «Es ist wichtig, dass wir über dieses Thema reden.»

Nichtsdestotrotz ist das Verhalten von Christian Constantin Gift für den Fussball. Aus diesem Grund ärgert sich Ponte genau wie Röthlisberger besonders über die Aussagen von Christian Constantin und Sylvio Bernasconi.

Die beiden Klubbosse von Sion und Xamax haben vergangene Woche ausländische Schiedsrichter gefordert, weil die Schweizer Schiedsrichter Vorurteile gegen Westschweizer Vereine hätten. «Das ist völlig daneben, die beiden müssen wohl einen Sonnenstich gehabt haben.» Die Fairness werde so mit Füssen getreten und weil die Profifussballer auch Vorbilder seien.