Fabian Hägler

Matteo (10) ist ein begeisterter Fussballer. Seit fünf Jahren trainierte und spielte er beim FC Wohlen. «Es gibt keine schlimmere Strafe für Matteo, als wenn er nicht ins Training darf», sagt Mutter Marianna Trigili.

Der junge Blondschopf, der in Wohlen die Fussballschule besuchte, durfte oft mit an Turniere. «Er kam aber erst zum Einsatz, wenn der Sieg gesichert war», erinnert sich die Mutter.

«Andere Kinder kamen gar nicht zum Einsatz oder durften nicht mitkommen, weil für den Trainer nur das Gewinnen wichtig war», sagt sie. Mehrfach sei Matteo für Turniere aufgeboten worden, «war aber keine Minute auf dem Platz», sagt seine Mutter. Die Folge: Frust und Tränen.

«Kinder sollten Spielzeit haben»

«Matteo Trigili war rund drei Jahre bei mir im Training, ich hatte nie Schwierigkeiten mit ihm», erinnert sich Jacky Sauter, Koordinator der Fussballschule beim FC Wohlen. Turnieraufgebote seien Sache des Trainers, sagt Sauter und ergänzt: «Wenn man ein Kind an ein Turnier mitnimmt, dann sollte es dort auch zum Einsatz kommen.»

Sollte ein junger Fussballer leistungsmässig nicht genügen, «müsste man dies seinen Eltern rechtzeitig ehrlich mitteilen».

Nicht selektioniert für U11

Am 19. Mai stand für Matteo das Sichtungstraining für die U11 an. Zusammen mit vielen anderen jungen Talenten nahm Matteo an der Selektion teil. Dann begann das lange Warten: «Die Verantwortlichen hatten uns gesagt, wir würden innerhalb von zwei Wochen schriftlich Bescheid bekommen, wer in die U11-Auswahl aufgenommen wird», sagt Marianna Trigili.

Als die U10 am 12. Juni ihr letztes Turnier bestritt, wussten Matteos Teamkollegen, wer in der U11 dabei war. Bei den Trigilis war auch in der folgenden Woche keine Nachricht im Briefkasten. «Am 18. Juni hat mein Mann mit Werner Lang, Juniorenleiter E und D, telefoniert und sich erkundigt», sagt Marianna Trigili. Dieser habe ihm gesagt, Matteo sei nicht bei der U11 dabei und ergänzt: «Es gibt jedes Jahr enttäuschte Eltern und Kinder, das ist normal.»

Lang sagte, dass Matteo bei den Junioren Eb eingeteilt sei und vom neuen Trainer über den Betrieb orientiert werde. «Doch wir erhielten keine Informationen, es fanden keine Trainings statt und Matteo war völlig gefrustet», sagt seine Mutter.

Lang: «Eltern sind enttäuscht»

Werner Lang sagt dazu: «Ich habe das Gefühl, die Eltern sind einfach enttäuscht, weil es Matteo nicht für die U11 gereicht hat». Er ergänzt: «Weil der Eb-Trainer beruflich stark belastet war, wurden die Spieler von ihm verspätet orientiert.»

Marianna Trigili betont, sie seien nicht enttäuscht, weil Matteo den Sprung in die U11-Mannschaft nicht geschafft habe. «Wir haben kein Problem, diesen Entscheid zu akzeptieren, aber wir hätten gerne eine Begründung und Informationen gehabt, wie es weitergeht», sagt die Mutter.

Weil beides ausblieb, suchte die Familie Alternativen. «Nach zwei Probetrainings hat Matteo zum FC Villmergen gewechselt, dort fühlt er sich wohl und kann bei den Junioren Ea spielen», sagt Marianna Trigili.

Werner Lang kommentiert: «Die Eltern haben ihren Sohn transferiert, ohne den FC Wohlen zu informieren.» Er sagt, Matteo spiele bei Villmergen in der zweiten Stärkeklasse. «Dasselbe hätte er in Wohlen bei den Junioren Eb haben können.»

Zudem hätte sich die Möglichkeit ergeben, in die U11 nachzurutschen. «Wir hatten in diesem Team zwei Abgänge, deshalb habe ich am 9. August die Familie Trigili angerufen und Matteo zum Training eingeladen», sagt Werner Lang.

Marianna Trigili bestätigt den Anruf. «Ich habe Herrn Lang informiert, dass Matteo den Verein gewechselt habe», sagt sie. «Das ist Pech», antwortete Lang darauf laut Trigili. Das zeige für sie, dass die Wohler Verantwortlichen «ihren Laden nicht im Griff haben, denn Matteos Pass war zu diesem Zeitpunkt schon beim FC Villmergen».

Trigili: «Freude am Fussball»

Lang sagt, sein Verein habe ein gutes Verhältnis mit dem FC Villmergen. «Der Wechsel von Matteo Trigili ist der einzige Transfer eines Wohler Spielers in dieser Situation», hält er fest.

Für Marianna Trigili ist wichtig, dass Matteo wieder Freude am Fussball hat. «Für uns spielt es keine grosse Rolle, in welcher Stärkeklasse er spielt, wir wünschen auch den Wohler Junioren viel Freude am Fussball.»