Einen besseren Abgang als jenen von Cancellara hat es in der Sportwelt noch nicht oft gegeben. Der Berner krönte seine aussergewöhnliche Karriere in Rio de Janeiro mit dem zweiten Olympiagold im Zeitfahren nach 2008 - ein Rücktritt auf dem absoluten Höhepunkt.

Etwas beweisen hätte Cancellara in seiner letzten Saison als Radprofi niemandem mehr müssen. Zu viel hatte er in den 15 Jahren davor erreicht, zu viele glanzvolle Siege errungen, um nicht als einer der erfolgreichsten Rennfahrer in die Geschichte des Radsports einzugehen. Doch der 35-Jährige Ausnahmeathlet trat mit einem perfekten Auftritt von der grossen Bühne ab.

Nach einer Saison, die für seine Verhältnisse alles andere als optimal gelaufen war und in der er keinen wirklich grossen Sieg mehr hatte feiern dürfen, schrieb Cancellara am Strand von Rio in seinem letzten wichtigen Rennen ein Kapitel Sportgeschichte. In der Disziplin, in der er gross geworden war, zeigte er sich noch einmal unwiderstehlich und dominierte die Prüfung gegen die Uhr "à la Cancellara".

Kaum jemand hatte ihm diesen Coup zugetraut. Cancellara verstand es aber ein letztes Mal, all die Leiden auf sich zu nehmen, um am Tag X die absolute Topform zu erreichen. Der Lohn war ein Triumph, der über allem steht, was er davor erreicht hatte. Und Cancellara gewann immerhin je dreimal die Flandern-Rundfahrt und Paris - Roubaix, vier WM-Titel im Zeitfahren, elf Etappen an der Tour de Suisse und acht Teilstücke an der Tour de France.

In seiner zweiten Karrierehälfte hatte Cancellara nicht mehr derart klar auf die Zeitfahren gesetzt wie zu Beginn. Sein letzter grosser Sieg in einer langen Prüfung gegen die Uhr lag vor Rio drei Jahre zurück (2013 an der Vuelta), der letzte WM-Titel gar sechs. Zum Abschied setzte er aber noch einmal auf seine Spezialdisziplin - und sagte mit der Klasse eines Champions: "Tschou zäme".