Seit dem 1. Januar gilt im Kampf gegen Doping die neuste Liste von verbotenen Substanzen und Methoden. Die Welt-Antidoping-Agentur Wada veröffentlicht jedes Jahr eine aktualisierte Zusammenstellung darüber, was im Leistungssport nicht erlaubt ist. Zehn verschiedene Arten von Substanzklassen (zum Beispiel Anabolika) und drei unterschiedliche Methoden (zum Beispiel Bluttransfusionen) gehören dazu. Die Liste ist im Verlauf der Jahre auf über 300 Substanzen angewachsen.

Viel zu viele, sagen kritische Stimmen. Sie fordern eine einschneidende Reduktion der Stoffe. Bisher kam auf die Liste, was entweder leistungssteigernd, die Gesundheit schädigend oder dem Geist des Sports widersprechend ist. Reformwillige verlangen, dass nicht nur ein Kriterium, sondern mindestens zwei, besser noch alle drei erfüllt sein müssen, bevor eine Substanz verboten wird.

Dass Doping ungesund ist, darüber herrscht in der Öffentlichkeit ein grosser Konsens. Chinesische Wissenschaftler machen dieser Sichtweise nun einen Strich durch die Rechnung. Sie haben soeben in einer Studie herausgefunden, dass Epo die Denkleistung beschleunigt und für grössere Aufmerksamkeit sorgt. Diese positiven Effekte auf die Hirnleistung wurden bei Menschen mit Depressionen und bipolaren Störungen wie Schizophrenie festgestellt.

Im Ausdauersport gilt Epo als eines der meistverbreiteten Dopingmittel, weil es die Bildung von roten Blutkörperchen anregt. Nach neusten Studien soll Epo psychisch gesundheitsfördernd sein. Diese Feststellung schreit förmlich nach einigen Gedankenspielen: Gehört Epo von der Verbotsliste gestrichen? Oder werden Velofahrer dank gesteigertem Epo-Konsum derart klug, dass sie gar aufhören, sich zu dopen? Und was ist mit Ex-Profi Jan Ullrich? Er wurde jüngst wegen einer starken Depression behandelt. Diese soll durch seinen langjährigen Dopingkonsum während der Karriere begünstigt worden sein. Kann man dem früheren Tour-de-France-Sieger jetzt mit Epo helfen, sie zu überwinden?

Auf jeden Fall zeigt sich einmal mehr der Wert von Spitzensportlern als Versuchskaninchen bei der Entwicklung von neuen Medikamenten. Schliesslich hat praktisch jedes Dopingmittel aus dem Sport in der Medizin eine nützliche Wirkung. Und die Rolle als menschliche Testobjekte kennen Athleten schon lange. Gerade in China. Schliesslich wurden drei ihrer Olympiasiegerinnen im Gewichtheben von 2008 in Peking mit einer verbotenen Substanz, die damals noch nicht einmal an Mäusen ausprobiert worden war, erwischt.