«Entlassungen sind Teil des Jobs»

Mit dem Pokal: Stéphane Sarni (rechts) bescherte seinem Trainer Didier Tholot, auch durch seinen Ausgleich zum 2:2 im Cupfinal, die Trophäe. (Georges-André Cretton)

Didier Tholot und Stéphane Sarni

Mit dem Pokal: Stéphane Sarni (rechts) bescherte seinem Trainer Didier Tholot, auch durch seinen Ausgleich zum 2:2 im Cupfinal, die Trophäe. (Georges-André Cretton)

Sions Abwehrspieler Stéphane Sarni interviewt Trainer Didier Tholot und fragt ihn, ob er tatsächlich daran glaubt, den Zweijahresvertrag erfüllen zu können und, ob er Angst vor dem Rauswurf hat.

Aufgezeichnet: Ruedi Kuhn

Welches ist der Unterschied zwischen dem Spieler Tholot und dem Trainer Tholot?
Didier Tholot (lächelt): Der Unterschied ist so gross wie die Welt. Als Spieler schaut man nur für sich. Man will zum Einsatz kommen. Das ist alles. Als Trainer arbeite ich rund um die Uhr, habe also keine ruhige Minute. Es zählt nicht nur der sportliche Erfolg, es zählen auch die Sponsoren, die Funktionäre, die Fans und die Medien. Hinzu kommen die Beobachtungen der Gegner. Man muss immer auf der Hut sein.

Sind Sie ein strenger Trainer?
Tholot: Streng? Na ja. Streng wohl nicht, aber gerecht. Es können nur elf Spieler von Beginn an dabei sein. Da muss ich gerecht sein.

Hatten Sie als Spieler ein Idol?
Tholot: Ja. Zinedine Zidane. Einfach deshalb, weil der Franzose sowohl auf als auch neben dem Spielfeld ein Star war. Zidane elektrisierte die Massen. Das hat mich tief beeindruckt.

Und als Trainer?
Tholot: In der Schweiz ist es sicherlich Christian Gross. Seine Führungsqualitäten sind grossartig. Er ist eine Leaderfigur und versteht es wie kaum ein anderer, nahe bei den Spielern zu sein. Ohne aber zum Kumpel oder gar Freund zu werden.

Wie stark ist die aktuelle Ausgabe des FC Sion?
Tholot: Das wird sich zeigen. Eines ist klar: Der FC Sion ist in den letzten Wochen und Monaten zu einer Einheit gewachsen. Ich traue dem Team einiges zu.

Ist es schwierig, eine Mannschaft mit mehr als 25 Kaderspieler zu trainieren?
Tholot: Sehr schwierig. Kurz vor Saisonbeginn werde ich deshalb eine Auswahl treffen müssen. Ich gehe davon aus, dass wir Mitte Juli noch ein Kader von 23 Spielern haben.

Was machen Sie mit den überzähligen Spielern?
Tholot: Ich werde jeden Spieler persönlich informieren und ihm sagen, dass ich in dieser Saison nicht auf ihn zähle. Alles andere wäre unfair und falsch.

Gibts noch Transfers?
Tholot: Ja. Wir holen noch zwei Innenverteidiger.

Tatsächlich, warum?
Tholot (grinst): Nein, das war nur Spass. Ich wollte Sie nur ein wenig ärgern. Wir holen wahrscheinlich noch einen Stürmer und einen Mittelfeldspieler, der auf der linken Seite eingesetzt werden kann.

Wie schwer wiegt der Abgang von Olivier Monterrubio?
Tholot: Vom spielerischen Standpunkt her betrachtet wiegt der Abgang natürlich schwer. Monterrubio wurde von einigen Leuten innerhalb des Vereins kritisiert, weil er sein Leistungspotenzial nicht voll ausschöpfte. Aber nun hat er doch die Chance, sich in der französischen Ligue 1 bei Lorient zu profilieren. Und das ist gut so.

Was erwarten Sie eigentlich von mir?
Tholot: Stéphane, Sie sind ein wichtiger Teil der Gruppe. Als im Wallis Geborener haben Sie für die jungen Spieler eine ganz besondere Vorbildfunktion. Ihre Erfahrung und Routine wirkt sich hoffentlich positiv auf das Kollektiv aus.

Sie haben unlängst einen neuen Zweijahresvertrag unterschrieben: Warum bleiben Sie beim FC Sion?
Tholot: Weil ich hier meine Arbeit noch nicht beendet habe. Ich will die Gruppe weiter bringen. Ich möchte Erfolge feiern. Der Cuspieg ist phantastisch, aber ich will mehr. Und ich spüre, dass in dieser Mannschaft mehr steckt. Sie hat ihr Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft.

Wieviel würden Sie wetten, dass Sie im Juni 2011 noch immer Trainer des FC Sion sind?
Tholot (schmunzelt): Darauf wetten würde ich gar nicht. Ob ich nun diesen Vertrag erfüllen werde oder nicht ist für mich auch nicht entscheidend. Die Hauptsache ist, dass ich mit mir jeden Tag im Reinen bin, dass ich meine Aufgabe also zu hundert Prozent erfülle. Alles andere kann ich sowieso nicht beeinflussen.

Sie haben also keine Angst vor einer Entlassung?
Tholot: Nein, warum auch? Entlassungen sind nun mal Teil des Trainerjobs.

Stéphane, jetzt möchte ich Sie aber mal etwas fragen: Haben Sie sich schon überlegt, was Sie nach Ihrer Karriere als Profi tun? Viele Spieler treten zurück und stehen vor einer ungewissen Zukunft.
Sarni: Grosse Gedanken habe ich mir darüber tatsächlich noch nicht gemacht. Für mich ist wichtig, dass ich auch nach meiner Laufbahn weiterhin in der Welt des Fussball tätig sein kann. Ich wurde vor kurzer Zeit zum ersten Mal Vater und liebe Kinder über alles. Ich kann mir vorstellen, einen Trainerjob im Nachwuchsbereich anzunehmen. Jetzt aber möchte ich noch einige Jahre als Profi tätig sein. Ich bin erst 28 Jahre alt und habe beim FC Sion einen Vertrag bis 2012.

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