Tour de France
Endlich im Zentrum der Sportwelt

Fernsehzuschauer in 186 Ländern und Tausende Fans vor Ort sollen das Wallis am Sonntag bei der Tour de France kennen lernen, so hoffen die Organisatoren.

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Tour de France 2009 in Verbier

Tour de France 2009 in Verbier

Keystone

Niklaus Mäder

Vor über 18 Jahren, man schrieb 1990, ging ein Brief der Walliser Gemeinde Verbier nach Frankreich. Adressat des Schreibens: die Organisatoren der Tour de France. Der Inhalt ein Wunsch: Etappenziel beim grössten Radsportevent der Welt zu sein.

Dem Brief folgte ein nettes Antwortschreiben: Man freue sich über das Interesse an der Tour und danke für die Bereitschaft, eine Etappe zu empfangen. Es war ein Nein. Das Prozedere wiederholte sich daraufhin während Jahren. 2006 dann der erste Lichtblick: Verantwortliche der Rundfahrt besuchten den Alpenort nahe Martigny.

Dieses Wochenende hofft das ganze Wallis, dass sich das lange Warten gelohnt hat. Am Sonntag kommt die Tour nach Verbier. Den Montag verbringt der Tross daraufhin als Ruhetag im Wallis, ehe es mit Start in Martigny über den Grossen St. Bernhard weitergeht. Fast drei Tage im Fokus der Sportwelt. «Wir wollen in dieser Zeit unsere Gegend auf der Karte Europas markieren», sagt Pierre-Yves Délèze, Pressesprecher von Verbier Tourismus.

Eigene TV-Werbung entworfen

Hierfür investiert die Region einiges. Wallis Tourismus schaltet eigens Werbung im französischen Fernsehen. 40-mal soll der Spot, der einen vor der Kulisse des Matterhorns pausierenden Freizeitsportler zeigt, während der Übertragungen der Tour de France zu sehen sein. Kostenpunkt 200 000 Franken. Auch sonst ist der Anlass kein billiger Spass. 450 000 bis 500 000 Franken musste das Organisationskomitee allein an die Tourveranstalter Amaury Sport Organisation überweisen.

Der Tourbesuch in Zahlen

Fahrer (zu Tourbeginn) 180
Personen des Tourtrosses 4500
- davon Medienschaffende 1960
Begleitfahrzeuge 2400
Fernsehübertragung 186 Länder
Budget Walliser Komitee 1,3 Mio. Fr.
Walliser Freiwillige >300
Walliser Sicherheitskräfte 500

Quelle: Verbier Tourismus

Doch die Veranstalter sind zuversichtlich, dass sich der Aufwand lohnt. Da sind zum einen die Zuschauer am Strassenrand. Das Komitee geht in seinem Szenario von 100 000 Personen aus. Das sei aber keine Zielgrösse, betont Délèze. «Wir hoffen einfach, dass so viele wie möglich kommen.» Schon mittwochs trafen die ersten Camper ein.

Was für einen grossen Zuschaueraufmarsch spricht: Die Rennsituation ist spannend, eine Vorentscheidung steht noch aus. Bergankünfte - auf den letzten 8,5 Kilometern steigt die Strecke 700 Meter an - locken zudem besonders viele Schaulustige an. Und auch das Wetter soll mitspielen. Doch Tour-Besucher gelten als sparsame Eigenversorger. Ein Zuschauer gibt pro Tag lediglich 3 Franken aus.

Zusätzliches Geld soll der Begleittross in die Kassen spülen. 4500 Sportler, Betreuer, Funktionäre, Journalisten, Techniker und Mitglieder der Werbekarawane wollen untergebracht und verpflegt sein. Die Hotels der Region sind restlos ausgebucht. Dass dabei vergünstigte Übernachtungstarife bezahlt werden, glaubt Délèze nicht. «Wir haben nur die Listen der Hotels weitergegeben.»

Wermutstropfen allerdings: Gestern startete das jährliche Verbier-Festival. Die beiden Veranstaltungen konkurrenzieren sich. Man habe bei den Terminen aber keine Wahl gehabt, betont Délèze.

Gefahr von Reizüberflutung

Vor allem verspricht sich die Region vom Anlass einen Imagegewinn. Die Zuschauer an der Strasse und vor den Fernsehern sollen das Gebiet in positiver Erinnerung behalten. Professor Hansruedi Müller, Direktor des Instituts für Freizeit und Tourismus an der Universität Bern, warnt aber vor übertriebenen Erwartungen in die TV-Bilder: «Bei der Reizüberflutung der Fernsehzuschauer wird dieser vielleicht in Erinnerung behalten, dass die Veranstaltung in die Schweiz gekommen ist.» Viel mehr liege kaum drin.

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