CSI Zürich
Emilie Stampfli drängt sich ins Rampenlicht

Der CSI Zürich ist an diesem Wochenende der Treffpunkt der weltbesten Springreiter. Beim höchstdotierten Hallenturnier sorgt aber auch der Nachwuchs für Aufsehen. Zum Beispiel die 20-jährige Solothurnerin Emilie Stampfli.

Daniel Weissenbrunner
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Hürde um Hürde: Emilie Stampfli sammelt am Wochenende am CSI Zürich weitere Erfahrungen auf der grossen Bühne.

Hürde um Hürde: Emilie Stampfli sammelt am Wochenende am CSI Zürich weitere Erfahrungen auf der grossen Bühne.

Katja Stuppia

Sie reagiert nicht genervt, aber mit einem leichten Stirnrunzeln. Emilie Stampfli möchte das Eintrittsticket in die Öffentlichkeit nicht über ihren Urgrossvater lösen. Sie will an ihren Ergebnissen im Parcours gemessen werden und nicht an dem, was die Schweiz Walther Stampfli zu verdanken hat.

Der Alt-Bundesrat gilt als geistiger Vater der AHV. Das Volk stimmte während seiner Amtszeit 1947 dem neu geschaffenen Sozialwerk zu. Das sportliche Lebenswerk der Urenkelin ist demgegenüber erst in Entstehung. Die Erfolgsliste der 20-Jährigen, die sich als betont unpolitisch bezeichnet, kann sich dennoch sehen lassen.

Schweizer Meisterin bei den Junioren und bei den Jungen Reitern, Team-Europameisterin mit den jungen Reitern, ein 3. Rang im vergangenen Jahr am CSIO St. Gallen und schliesslich – besonders wertvoll – der Sieg an der LGT Challenge im vergangenen Jahr am CSI Zürich, als sie die anwesende Weltelite hinter sich liess.

Familiäre Unterstützung

Stampflis Talent ist in Reiterkreisen unbestritten. Andy Kistler ist voll des Lobes über die Solothurnerin. «Nebst ihren reiterischen Fähigkeiten bringt sie den nötigen Ehrgeiz mit.» Der Schweizer Equipenchef weiss allerdings auch, dass Stampfli in absehbarer Zeit ihren Pferdebestand qualitativ erweitern muss, um den wortwörtlichen Sprung an die nationale und in einem weiteren Schritt an die internationale Spitze zu schaffen.

«Ich versuche, sie dabei so gut es geht zu unterstützen», sagt Kistler. Mit ihren beiden TopPferden Alessa und Nikita du Luot ist Stampfli an einem Punkt angelangt, an dem die Möglichkeiten begrenzt sind. «Auf die Dauer wird das nicht ausreichen», macht sie sich nichts vor.

Deshalb ist sie daran, ihr Netzwerk zu verdichten. Und sie versucht, neue Geldquellen zu erschliessen. Den finanziellen Support erhält sie bisher hauptsächlich aus dem familiären Kreis. Was es heisst und vor allem, was es braucht, an der Weltspitze mitzumischen, davon erhält Emilie Stampfli derzeit in Frankreich einen Augenschein.

Hilfe von Pius Schwizer?

Aufgrund ihrer Leistungen ist sie Teil eines Stipendiumprogramms. Bei Kevin Staut, dem Europameister von 2009 und Nummer 6 der aktuellen Weltrangliste, sammelt sie ein halbes Jahr lang auf dessen Anwesen in der Normandie wertvolle Erfahrungen.

Wohin Emilie Stampflis Weg danach führen wird, muss sich zeigen. Sie will, so viel scheint klar, vorläufig voll auf die Karte Sport setzen. Mit ihrer Trainerin, der ehemaligen Spitzenreiterin Heidi Hauri, sollen die Abläufe weiter verfeinert werden.

Und in der Frage nach einem aussichtsreichen Pferd böte sich ein Besuch in der Nachbarschaft an. Der Oensinger Pius Schwizer hat sein Pferdearsenal jüngst um sieben Top-Pferde erweitert. «Ich habe gehört, dass Emilie auf der Suche ist. Bei mir hat sie sich noch nicht gemeldet», sagt P.S. Das klingt schon fast nach einer Einladung.