Fechten

EM-Titel für Schweizer Fechterin Tiffany Géroudet

Tiffany Géroudet lässt sich als Europameisterin feiern

Tiffany Géroudet lässt sich als Europameisterin feiern

Tiffany Géroudet aus Sion gewinnt an den Fecht-Europameisterschaften im britischen Sheffield die Goldmedaille. Die Walliserin setzte sich im Final gegen Olympiasiegerin Britta Heidemann (De) mit 9:8 nach «sudden death» durch.

Vor Géroudet hat an Fecht-Europameisterschaften Olivier Carrard im Jahre 1982 als bis dato einziger Schweizer einen Einzel-EM-Titel mit dem Degen gewinnen können. Die Bernerin Anja Straub war 1989 bei der ersten Degen-WM der Frauen überhaupt Titelträgerin gewesen. Die Baslerin Gianna Hablützel-Bürki, die das Schweizer Degen-Team 2000 mit Sophie Lamon und Diana Romagnoli zum EM-Team-Titel auf Madeira geführt hatte, gewann insgesamt vier Einzel-EM-Medaillen, aber nie Gold. Géroudets bislang grösster Erfolg auf Elite-Stufe war der Gewinn von EM-Bronze mit dem Schweizer Frauenteam vor zwei Jahren gewesen.

Linkshänderin Tiffany Géroudet sorgte mit dem Titelgewinn für den zweiten Schweizer Exploit innerhalb von 24 Stunden. Mit dem Gewinn von Gold übertraf die aus der Sittener Fechtschule hervorgegangene Géroudet gar noch die Bronze-Vorlage von Max Heinzer. Der Junioren-Weltmeisterin von 2006 gelang dabei mit einem 15:14-Sieg in den Viertelfinals über die erfolgreichste Degenfechterin aller Zeiten, die knapp 40-jährige Französin Laura Flessel-Colovic. Im Vorjahr hatte Géroudet gegen Flessel-Colovic an den EM auf gleicher Höhe noch mit 14:15 verloren. In den Halbfinals setzte sich Géroudet, die zuvor noch keine Einzel-Medaille bei Grossanlässen der Elite gewonnen hatte, gegen die letztjährige WM-Dritte Nathalie Moellhausen (It) mit 15:13 durch. Und zum krönenden Abschluss folgte noch der Erfolg nach Verlängerung über Olympiasiegerin Heidemann.

Géroudet hatte nach einer enttäuschenden letzten Saison ihr Potenzial in der laufenden Saison unter anderem mit Platz am Weltcupturnier von Ende März in Leipzig angedeutet. Ende Juni verlor sie in Sydney gegen die damalige Weltranglisten-Erste Magdalena Piekarska (Pol) in den Viertelfinals nur um einen Treffer.

Handkehrum hatte Nationaltrainer Angelo Mazzoni an der letztjährigen WM in Paris seine aktuelle Nummer 1 noch hart angegriffen. Er sprach nach dem frühzeitigen Ausscheiden trotz eines günstig scheinenden Tableaus von einer "Talentverschwendung" und beanstandete bei Géroudet Mängel mit der Einstellung. Schliesslich prophezeite Mazzoni gar, dass Géroudet mit einem solch unentschlossenen Auftreten wie in Paris "nie eine Medaille bei einem Grossanlass gewinnen wird."

Géroudet gelang nun die erwartete Reaktion. Sie befindet sich damit wie bei den Männern Max Heinzer und Fabian Kauter auf Kurs für eine Olympia-Teilnahme in London 2012. Für eine Direktqualifikation muss sich Géroudet Ende März 2012 unter den zwei besten Fechterinnen des "bereinigten europäischen Qualifikations-Rankings" befinden. Bereinigt bedeutet, dass sämtliche Athletinnen von allen qualifizierten Länderteams (weltweit 8) weggestrichen werden, da sie bereits für das olympische Einzel im Frauendegen gesetzt sind (drei Fechterinnen pro Land; total also 24).

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1