An Samuel Röthlisberger ist im Schweizer Nationalteam kein Vorbeikommen. Sprichwörtlich. Der 1,98 m grosse und 104 kg schwere Abwehrspezialist ist der Chef in der Defensive. Im Innenblock ist der Berner seit der Amtsübernahme von Michael Suter Mitte 2016 gesetzt.

«Ich sage immer: Die Innenblockspieler sind die wichtigsten Akteure», meint der Nationaltrainer. Er selbst hat die Entwicklung Röthlisbergers massgeblich mitgeprägt. Bereits ab der U18 hat er ihn in den Junioren-Nationalteams betreut. «Samuel hat immer 60 Minuten gespielt.»

Die Entwicklung ist beim 22-Jährigen bis heute fortgeschritten. Seit eineinhalb Jahren ist Röthlisberger beim TVB Stuttgart in der Bundesliga unter Vertrag und spielt dort Woche für Woche mit und gegen Handballer von Weltformat. Bei den Süddeutschen hat der Rechtshänder sogleich Fuss gefasst, ist auch dort in der Abwehr unverzichtbar, was der Verein unlängst mit einer Vertragsverlängerung bis 2021 belohnte.

Beim TVB spielt Röthlisberger unter anderen mit dem deutschen Nationalspieler Manuel Späth und der Goalieikone Johannes Bitter, seines Zeichens Weltmeister 2007. «Es macht einfach enorm viel Spass, mit solchen Persönlichkeiten zusammenzuspielen», sagt der Schweizer.

Grosse Ziele

Von Späth, dem Stuttgarter Abwehrchef, könne er noch viel lernen, sagt Röthlisberger. «Vor allem, was die Kommunikation anbelangt. Da kann ich mich durchaus noch steigern.» Dennoch strahlt der Berner in der Defensive eine grosse Ruhe aus, auch ohne viel Geschrei. Sicherheit ausstrahlen sei das eine, als Chef einmal laut werden das andere. «Man muss das Mass finden.»

Die Ausgeglichenheit ist Röthlisbergers grosse Stärke. An ihm können sich die Mitspieler aufrichten, oder wie es Suter formuliert: «Er macht die Spieler links und rechts von ihm besser.» Röthlisberger weiss aber auch: «Allein kann ich sowieso nichts bewirken. Die Defensive funktioniert nur, wenn alle mitmachen.»

Der Kreisläufer verfolgt seine Ziele vehement. Ein erstes hat er mit der Bundesliga bereits erreicht. Doch der Berner will mehr. Irgendwann bei einem Topklub in Deutschland zu spielen, dafür arbeitet er täglich. Und: «Mit der Schweiz will ich endlich wieder einmal an einer Endrunde teilnehmen.» Zu diesem Ziel fehlt nicht mehr viel, denn die Schweiz ist auf bestem Weg, sich für die EM in Österreich, Norwegen und Schweden zu qualifizieren.

Dass sich die Schweizer überhaupt in einer solchen Situation wiederfinden, hat vor allem zwei Gründe. Erstens hat sich Andy Schmid, der beste Spieler der Bundesliga, nach einer Pause in der Nationalmannschaft zu einer Rückkehr entschlossen. Im Sog des Regisseurs fanden auch Bundesliga-Kreisläufer Alen Milosevic und der routinierte Abwehrspezialist Michal Svaijlen von Pfadi Winterthur wieder den Weg in die Landesauswahl.

Doch die neue starke Generation um Röhtlisberger, Lenny Rubin, Lucas Meister und Luka Maros hat diese komfortable Ausgangslage erst möglich gemacht. «Die Jungen haben das aufgebaut», sagt Suter.

Die Schweiz kann morgen einen weiteren Schritt in Richtung Endrunde machen. Das Nationalteam ist wieder en vogue, sowohl bei den Spielern als auch in der Öffentlichkeit. «Es macht Spass. Jeder hat das gleiche Ziel», sagt Röthlisberger.

Der Berner freut sich jeweils, «wieder einmal Schweizerdeutsch zu sprechen». Mit Rubin teilt er sich seit Juniorenzeiten in der Nationalmannschaft das Zimmer. «Der Kitt in der Mannschaft stimmt. Da fällt es einem auch einfacher, füreinander zu kämpfen.»

Um die zweite Begegnung mit Belgien zu gewinnen, muss das Fundament, sprich die Abwehr in Zusammenarbeit mit den Goalies, stehen. Erst dann kann die Offensive unter der Regie Schmids glänzen.