EM-Qualifikation
Ein höchst erfreuliches Lebenszeichen

Fussball Die Schweiz gewinnt gegen Wales mit 4:1 und bleibt vorerst am «Qualifikationsleben»

Felix Bingesser, Basel
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Schweiz gegen Wales in Basel
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Schweiz gegen Wales in Basel

Die Schweiz verhindert den GAU, sie zieht den Kopf vorerst aus der Schlinge und sie bleibt nach dem Erfolg in einer ansprechenden aber von eklatanten Abwehrfehlern geprägten Partie gegen Wales zumindest weiter im EM-Rennen. Dass die zumindest über weite Strecken verunsicherte Equipe von Ottmar Hitzfeld vier Tore erzielte, dass sie den Kopf nicht hängen liess und mit zuletzt so sehnlichst vermisstem Siegeswillen das Glück auf ihre Seite zwang, das gehört zu den positiven Aspekten des gestrigen Abends. Sie hat auf den fatalen Abwärtstrend reagieren können. Und das ist gut so.

Und dass man sich in dieser EM-Qualifikation weiter am Strohhalm klammern kann, das ist vor der der langen Winterpause zumindest tröstlich. Allerdings, und darüber darf dieser Erfolg nicht hinweg täuschen, steht man nach wie vor mit dem Rücken zur Wand. Was diese drei Punkte wert sind, das weiss man erst im nächsten Frühling. Dann steht die Auswärtspartie in Bulgarien auf dem Programm. Und auch da, wie in allen anderen Spielen danach, darf sich die Mannschaft keine Ausrutscher mehr leisten. Die Joker sind weg.

Leistungsmässig bleiben Fragen

Und wer keine Joker mehr hat, das weiss jeder Zuschauer der Quizsendung 1 gegen 100, der muss Antworten haben. Resultatmässig haben die Schweizer gestern eine erste und am Ende eindrückliche Antwort gehabt. Leistungsmässig allerdings hinterliess auch dieser Auftritt noch offene Fragen. Immer wieder spielten sich die Waliser spielerisch durch die Schweizer Hintermannschaft, immer wieder brachten sie mit einfachsten Spielzügen die Schweizer Abwehr in höchste Verlegenheit. Ein kapitaler Ballverlust von Gökhan Inler ermöglichte den Gästen auch den zwischenzeitlichen Ausgleich, nachdem Stocker die Schweiz mittels Kopfball in Führung gebracht hatte. Der schnelle Ausgleich nach dem Führungstreffer ist Beweis dafür, wie fragil dieses Team derzeit ist. Auf der anderen Seite aber war wenigstens das Offensivspiel nicht mehr derart lendenlahm wie gegen Montenegro.

Alex Frei als hemmendes Element

Barnetta, Stocker und Streller nutzten die vielen Räume, die die offensiv mitspielenden Waliser offenbarten, zu einigen beschwingten Angriffen. Das 2:1 von Marco Streller und der verwandelte Elfmeter von Gökhan Inler brachten die Schweizer auf die Siegerstrasse in der Partie der zwei Habenichtse, in der auch Wales glücklicherweise zum Angriff verdammt war. Zumindest die fulminante Schlussphase mit dem herrlich herausgespielten 4:1 mag Indiz dafür sein, dass der Knoten doch gelöst sein könnte.

«Wir müssen das Publikum auf unsere Seite ziehen», hat Ottmar Hitzfeld gesagt. In Ansätzen mag dies gelungen sein und als Kollektiv hat die Nationalmannschaft mit diesem Arbeitssieg einen Schritt nach vorne gemacht. Nicht mithalten konnte bei dieser Entwicklung Captain Alex Frei. Er war, einmal mehr, ein hemmendes Element. Ihm gelang rein gar nichts. Er ist und bleibt die personifizierte Stagnation einer Mannschaft, die wenigstens einmal ein deutliches Lebenszeichen von sich gegeben hat. Ob es der grosse Befreiungsschlag war?