Volvo Ocean Race
Ein Abenteuer auf allen Weltmeeren – mittendrin zwei Schweizerinnen

Das Volvo Ocean Race löst den America’s Cup langsam aber sicher als bedeutendsten Segel-Wettkampf der Welt ab. Das 24/7-Rennen verlangt den Seglerinnen und Seglern alles ab, bietet dafür aber auch grossen Teamgeist und spektakuläre Naturerlebnisse.

Irene Müller
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Weltumsegler im Kampf mit den Naturgewalten: Das Ocean Race stellt hohe Anforderungen an Mensch und Material.

Weltumsegler im Kampf mit den Naturgewalten: Das Ocean Race stellt hohe Anforderungen an Mensch und Material.

KEYSTONE

Am Samstagnachmittag um 14 Uhr startet an der Südküste Spaniens das längste Segelrennen der Welt. Das Volvo Ocean Race, wie sich die Regatta seit 2001 offiziell nennt, beinhaltet ein simples Ziel: Es gilt, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen und sämtliche Weltmeere mit dem Segelboot schnellstmöglich zu durchqueren.

Dieses Jahr stellen sich sieben Teams mit Topseglern aus aller Welt der grössten Herausforderung auf Wasser. Und mitten unter ihnen ist auch ein Schwesternpaar aus der Schweiz.

Härteste Bedingungen

Die Rennen, die seit 1973 regelmässig, und seit 2006 alle drei Jahre, stattfinden, forderten bereits einige Todesopfer. Die zum Teil prekären bis katastrophalen Wetterbedingungen sind definitiv nichts für schwache Nerven.

Einer der erfolgreichsten Schweizer Profisegler, sowie Mitglied der Alinghi-Crew beim Sieg des America’s Cup, Christian Scherrer, gehört bereits zu den Ocean-Race-Veteranen und erzählt von den extremen Bedingungen auf der 20 Meter langen Jacht: «Am schlimmsten war es in den Südmeeren nahe dem Südpol. Es war sehr kalt, feucht und der Wind eisig. Da macht man keine Luftsprünge, wenn man nach drei Stunden Schlaf wieder in die nassen Kleider und nach draussen muss.»

Das Rennen läuft rund um die Uhr

Man muss sich vorstellen, dass das Ocean Race ein 24/7-Rennen ist – also der Wettkampf 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche andauert. Dabei bleibt kaum Zeit für Schlaf oder ein bisschen Ruhe. Auf die Frage, ob sich Christian Scherrer manchmal nach Hause ins warme Wohnzimmer gewünscht habe, lacht er und sagt nur: «Immer wieder!»

Christian Scherrer

Christian Scherrer

Keystone

Scherrer erzählt aber auch von den grossen Reizen dieses ganzen Unterfangens. Er nennt vor allem das Zusammensein im Team, den Wettkampf, aber auch die Schönheit der Natur und die eindrückliche Umrundung des Kap Horns. Und natürlich das Gefühl bei der Ankunft nach der langen Reise.

Ruhm in Sicht

Trotz aller Besonderheiten des Rennens bleibt es ein Wettkampf. Und langsam, aber sicher überholt das Ocean Race sogar den America’s Cup als bedeutendstes Segelrennen der Welt. Christian Scherrer hält in diesem Jahr die Mannschaften von «Abu Dhabi Ocean Racing», die holländische Zusammenstellung «Brunel» und Iker Martínez’ spanisches Segel-Team für die Topfavoriten.

Die Chancen des ersten reinen Frauenteams überhaupt beurteilt Scherrer als schwierig, aber nicht unrealistisch. «Die Frauen haben ein klares Handicap gegenüber den Männern, da beim Segeln mit diesen Booten viel Muskelkraft gefragt ist.» Jedoch arbeiten die Frauen im Rotationsverfahren, bei dem gewisse Teammitglieder an den jeweiligen Etappenorten ausgewechselt werden. Sie versuchen so, ihren Nachteil auszugleichen.

Der pure Wettkampf der Athleten

Die Jüngere der Schweizer Schwestern, Elodie Mettraux (mit ihren 28 Jahren das jüngste Mitglied ihres Teams), startet nicht von Alicante aus und wird erst in der zweiten Etappe zum Team stossen. Schwester Justine bedauert den Entscheid, denn die beiden stehen einander sehr nahe. Sie sind froh um die gegenseitige Unterstützung an Bord.

Dieses Jahr verspricht das Rennen noch spannender zu werden als bisher, da zum ersten Mal alle Teams dasselbe Boot und dieselbe Betreuungs-Crew zur Verfügung gestellt bekommen. Dies hat unter anderem zur Folge, dass es nicht ein Messen von Budget, Material und Designern gibt, sondern ausschliesslich einen Wettkampf unter den Athleten.

Die Weltmusegelung in Zahlen

9 Monate dauert das Rennen. Der Start erfolgt am Samstag, 11. Oktober, in Alicante. Ankunft ist im Juni 2015 in Göteborg.

70'000 Kilometer müssen die sieben Boote auf ihrer Weltumsegelung zurücklegen.

11 Etappenorte in elf verschiedenen Ländern gibt es.

7 Teams kämpfen um den prestigeträchtigen Sieg.