Peter Baer

Ein Aargauer sorgt für Ordnung auf der Sendestrasse

Peter Baer

Peter Baer

Täglich bis zu 20 Stunden überträgt das Schweizer Fernsehen vom 12. bis 28. Februar von den 21. Olympischen Winterspielen in Vancouver. Der Aarauer Peter Baer sorgt als «Live-Handler» dafür, dass in der Schweiz das richtige Bild im Fernsehen kommt.

Marcel Suter

Während 17 Olympia-Tagen sendet das Schweizer Fernsehen (SF) auf dem zweiten Kanal (SF zwei) rund 300 Stunden aus Vancouver. Im Fokus der Berichterstattungen stehen neben den olympischen Highlights insbesondere die wichtigsten Qualifikationen und Entscheidungen mit Schweizer Beteiligung.

Der Aarauer Peter Baer sitzt in der Sendezentrale in Zürich und koordiniert das Zusammenspiel von Live-Sendung, Einspielung von Aufzeichnungen, Wettbewerben und Werbung. «Einfach so, dass immer das Geplante und zusätzlich das Wichtigste zu Hause auf dem Bildschirm zu sehen ist», fasst er zusammen.

Peter Baer ist kein Medienmann oder Schreiberling. Er kennt jedoch den Sport und insbesondere die Informationsbedürfnisse der Fernsehzuschauer. Als ausgebildeter Turn- und Sportlehrer ETH war Baer für zwei Jahre Assistenztrainer im Team der Schweizer Skifahrerinnen. Es folgten neun Jahre bei der Abteilung Sport des Departements für Bildung, Kultur und Sport des Kantons Aargau, wo er als Ausbildungschef den Jugend- und Sport-Bereich abdeckte und als Ski-Experte auf den Pisten stand.
«Schliesslich wollte ich wieder zurück an die Front, zu den Athleten und zum Puls des Leistungssportes», leitet Baer über zu seiner Zeit als Geschäftsführer und Sportchef der Suhrer Handballer. Daraus wurden zwei Wechseljahre der Gefühle: Baer organisierte erfolgreich den Leistungssport und konzeptionierte die Ausbildung im Nachwuchsbereich.

Daneben kämpfte er in der Vereinsführung bei der Mittelbeschaffung mit. Sparmassnahmen führten schliesslich dazu, dass die professionelle Betreuung im sportlichen wie im adminis-trativen Bereich aufgegeben werden mussten.
Peter Baer suchte einen Job und war - seiner Natur getreu - für vieles und Neues offen. «Ich traf in einem Aarauer Restaurant den damaligen Sportmoderator Stefan Wagner vom Schweizer Fernsehen», erinnert sich Baer. «Er fragte: ‹Wie geht es dem TV Suhr?›, und ich sagte: ‹Hast du mir keinen Job?›», erzählt er heute lachend. Stefan Wagner brachte Peter Baer beim Fernsehen ins Spiel und dieser hatte zum Assessment anzutreten.

«Dazu gehörte ein Testlauf mit einer möglichen Szene», erzählt Baer. Im tschechischen Brünn lief ein Motorradrennen und im St.-Jakob-Park stand der Anpfiff im Meisterschaftsfinale zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich auf dem Programm.

Die Entscheidung in Brünn und der Anpfiff in Basel mussten so auf den Sender gebracht werden, dass die Fans beider Lager live dabei sein konnten. «Ich schlug vor, die Entscheidung in Brünn aufzuzeichnen und live ins «Joggeli» zu gehen. Kurz nach Spielbeginn sollte Brünn leicht zeitverschoben, aber für den Fernsehzuschauer live nachgeliefert werden», beschreibt Baer seine Lösung.

Und genau darum geht es bei der Aufgabe von Peter Baer. Vieles läuft nach Plan, oft braucht es aber das Verständnis für das Wichtige und die Affinität im Sport.

Seine grössten Aufgaben waren bislang im Winter 2005, kurz nach seinem Einstieg beim Schweizer Fernsehen, die Olympischen Winterspiele in Turin. Es folgte die Fussball Weltmeisterschaft in Deutschland, die Sommerspiele 2008 in Peking und die EURO 08 in der Schweiz, bei welcher Baer für die Koordination des «Rest-Sports» zuständig war.
Für die Berichterstattung des Schweizer Fernsehens stehen in Vancouver 82 Mitarbeitende im Einsatz, in Zürich rund 50. Aus der Region Aarau sind in Vancouver Peter Minder als Kommentator Ski nordisch, Silvia Exer-Kuhn als SF-Journalistin Ski-Alpin und Chantal Hänggli als Grafik-Produzentin bei den vom Schweizer Fernsehen produzierten Ski-Speed-Disziplinen im Einsatz. Die Hauptsendezeiten sind von abends 18.45 bis morgens 6 Uhr.

Peter Baer wird täglich von 16.30 bis 1 Uhr die Bilder koordinieren und jeweils einem zweiten «Live-Handler» übergeben. «Olympia läuft grundsätzlich auf SF zwei», präzisiert Baer. «In einer ausserordentlichen Lage können wir auf SF info ausweichen.»

Besonders heikel wird es für den «Live-Handler», wenn Programmänderungen nötig sind. «Zum Beispiel wetterbedingte Verschiebungen oder erfreuliche Schweizer Leistungen, die ungeplant und trotzdem live ausgestrahlt werden müssen», sagt Baer.
Als Super-Gau erinnert er sich an den Eichhörnli-Stromausfall im Sommer 2008. «Wir sendeten gleichzeitig auf SF1 und SF zwei live von der Olympia-Schlussfeier in Peking und vom Formel-1-Rennen in Valencia, als es plötzlich im ganzen Leutschenbach dunkel wurde und die Fernseher in den Schweizer Stuben kein Bild mehr hatten.

Der Kommentator der Schlussfeier konnte via Kollegen in Peking informiert werden. Die Leitung zu Michael Stäuble in Valencia blieb aber einfach stumm und er war nicht mehr erreichbar. «Ich rief ihn aufs Handy an, das in der Kabine nebenan lag. Eine Drittperson nahm den Anruf ab und konnte so den fröhlich für sich ganz alleine kommentierenden Stäuble auf die Lage in Zürich aufmerksam machen und ihn stoppen.»
Peter Baer ist mittlerweile routiniert und lässt sich nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen. «Am schönsten ist mein Job vor allem auch dann, wenn es Schweizer Erfolge einzuspielen gibt.»

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