Dudar
Drama um YB-Dudar: «Dudar hatte Glück im Unglück»

Das Spiel YB - Basel wurde überschattet vom schlimmen Unfall von Emiliano Dudar. Nun kann YB-Arzt Cuno Wetzel leichte Entwarnung geben.

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«Dudar hatte Glück im Unglück»

«Dudar hatte Glück im Unglück»

Sebastian Wendel

Cuno Wetzel, wie geht es Emiliano Dudar?

Cuno Wetzel: Den Umständen entsprechend okay, die erste Nacht im künstlichen Koma hat er gut überstanden. Emiliano liegt auf der Intensivstation und wird dort dauernd überwacht. Dabei wurden auch etliche Untersuchungen vorgenommen.

Und was kam dabei heraus?

Wetzel: Dass der Spieler Glück im Unglück hatte. Momentan gehen wir von einer schweren Hirnerschütterung und einem Nasenbeinbruch aus. Völlige Entwarnung kann man aber noch nicht geben. Weitere, auch neurologische Untersuchungen und Emilianos Zustand in den nächsten Tagen werden mehr Aufschluss geben. Auch darüber, wann er wieder nach Hause kann. Am Montag gegen Abend haben wir mit der Aufweckphase begonnen. Je nach Reaktion des Patienten kann eine solche mehrere Stunden dauern.

Was heisst Glück im Unglück?

Wetzel: Anhand der Bilder, die man im Fernsehen sah, konnte man eine Hirnquetschung oder gar ein Schädeltrauma in Betracht ziehen.

Können bleibende Schäden ausgeschlossen werden?

Wetzel: Nach den aktuellsten Befunden schon. Aber wie gesagt, auf Emiliano kommen noch eine ganze Reihe weiterer Untersuchungen zu, bevor alle Fragen beantwortet werden können.

Dudar kam eben aus einer Verletzung heraus. Wie lange schätzen Sie die Dauer des neuerlichen Ausfalls?

Wetzel: Wir reden von Wochen. Eine Hirnerschütterung, auch wenn es nicht so schlimm wie ein Schädeltrauma tönt, darf man nicht bagatellisieren. Ein Boxer, der k.o. geht, muss mindestens vier Wochen ruhen.

Wie kommunizieren Sie mit Dudars Teamkollegen?

Wetzel: Die Spieler und das Trainerteam sind, neben Emilianos Angehörigen, die ersten, die über Neuigkeiten informiert werden. Am Montag konnten wir ihnen leichte Entwarnung geben. Sie sollen sich nun auf die nächsten Aufgaben konzentrieren, das lenkt ab.

Braucht es psychologische Hilfe?

Wetzel: Ich und unser Psychologe bieten Unterstützung an. Einige Spieler nehmen diese auch in Anspruch, sie wollen vor allem beruhigt werden.

Was sagen Sie den Spielern?

Wetzel: Dass Emiliano in guten Händen ist. Alle gehen überraschend gut mit der Situation um, was bei den direkt Beteiligten wie François Affolter und Marco Wölfli nicht selbstverständlich ist.

Sie selber waren am Spiel nicht anwesend, sind aber schon jahrelang Teamarzt von YB. Wie beurteilen Sie die ersten Massnahmen?

Wetzel: Im Vorfeld eines Spiels werden alle möglichen Szenarien besprochen. Am wichtigsten ist die erste Analyse beim Betroffenen. Die Zusammenarbeit zwischen Rettungskräften und Betreuern hat am Sonntag sehr gut geklappt. Leider können wir trotz allen Massnahmen im Voraus nicht alles verhindern.

Können Sie sich an einen ähnlichen Vorfall in ihrer Laufbahn erinnern?

Wetzel: Zusammenstösse mit den Köpfen gibt es im Fussball immer wieder. Aber einen solch langen Bewusstseinsverlust eines Spielers habe ich noch nicht erlebt. An der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland hatte Phili-ppe Senderos nach seinem Tor gegen Südkorea ebenfalls eine leichte Hirnerschütterung und blutete stark. Vergleichbar sind die beiden Fälle aber nicht, Senderos spielte ja sogar noch kurze Zeit weiter.