Doumbia tanzt sie alle schwindlig

Knipser: Seydou Doumbia liess Benito zweimal keine Chance.

Doumbia

Knipser: Seydou Doumbia liess Benito zweimal keine Chance.

Der FC Aarau wird nach allen Regeln der Kunst vorgeführt und verliert das zweite Heimspiel dieser Saison gegen die Young Boys sang- und klanglos 0:3.

Ruedi Kuhn

Die entscheidenden Szenen einer mehrheitlich einseitigen Partie? Bitteschön. Die 42. Minute. Der Aarauer Stürmer Patrick Bengondo, von Sandro Burki mit einem herrlichen Pass in die Tiefe lanciert, läuft allein auf Torhüter Marco Wölfli zu, zögert lange, sehr lange und scheitert am YB-Torhüter. 30 Sekunden später bedient Marco Schneuwly auf der Gegenseite Seydou Doumbia mit einem Flankenball. Schaub kommt zu spät. Doumbia lässt sich nicht zweimal bitten und erzielt per Kopf seinen vierten Saisontreffer.

Bumms, das wars: Die Young Boys führen kurz vor Halbzeit dem Spielverlauf entsprechend 2:0. Die Zweitoreführung ist also verdient. Mehr als verdient. Und zwar deshalb, weil der FC Aarau im dritten Spiel dieser Meisterschaft zum ersten Mal den Eindruck erweckte, dass er mit einem Gegner nicht mithalten kann. Mehr noch. Er war chancenlos. Cheftrainer Jeff Saibene brachte die Sache nach der klaren Niederlage schonungslos auf den Punkt: «Dieses 0:3 widerspiegelt nichts anderes als die Realität. Aarau gegen YB war das Duell zwischen einem Abstiegskandidaten und einem Meisterschaftsanwärter. Nicht mehr und nicht weniger.»

«Eine Nummer zu gross»

Aaraus Sportchef Fritz Hächler sah es ähnlich wie Saibene, fand aber vor allem lobende Worte für den Gegner: «YB ist momentan die beste Mannschaft der Super League und wird Meister. In dieser Form sind die Berner für uns schlicht eine Nummer zu gross.» Wo Hächler recht hat, da hat er recht. YB wirbelte den Heimklub mit seinem äusserst variablen 3-4-3-System vor allem in der Startphase gehörig durcheinander. Der stark spielende David Degen traf nach 13 Minuten zwar noch den Pfosten, kurz darauf machte es Doumbia besser: Der pfeilschnelle Dribbelkünstler von der Elfenbeinkünste liess Frédéric Schaub im Duell Mann gegen Mann schlecht aussehen und erzielte den Führungstreffer. Kurz vor dem Wechsel doppelte Supermann Doumbia nach.

Dass der vor allem in der Offensive harmlose FC Aarau nach dem 0:2 nicht aufgab, ist aller Ehren wert. Das Team von Coach Saibene kämpfte, rackerte und rannte. Vergeblich. Die zweite Halbzeit hätte man sich sparen können. Der Aussenseiter konnte mangels Qualität nicht reagieren, der Favorit ruhte sich im Wissen um die schwierige Aufgabe in der Europa League am Donnerstag auswärts gegen Atletic Bilbao auf den Lorbeeren aus. Degens 3:0 nach Ablauf einer Stunde war nicht mehr als eine Zugabe.

YB kam also zu einem Erfolg im Schongang. Der FC Aarau tut gut daran, die bittere Pille wegzustecken, abzuhaken und sich auf die wegweisende Auswärtspartie am 1. August gegen die AC Bellinzona zu konzentrieren. Gefordert ist vor allem Saibene. Und zwar nicht als Trainer, sondern als Psychologe. Lehrgeld bezahlen mussten vor 6700 Zuschauern im Brügglifeld insbesondere die überforderten Schaub und Emir Sinanovic.

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