Nur das rosa gegarte US-Hohrückensteak ist unschweizerisch. Ein wenig ist es mit ihren englischen Liedern auch noch Tiziana Gulino, die Siegerin von «The Voice of Switzerland». Alles andere bei der dritten Nacht des Schwingsports hat Tradition. Der Jodlerchor aus Eglisau, die grossen Portionen auf den Tellern und die Gäste.

Die Bösen des Landes sind fast ausnahmslos im «Riverside» in Glattfelden und feiern zum Saisonabschluss ihren Sport - und sich selbst. Auch der, der im Mittelpunkt steht, ist der, der die Szene dominiert. Matthias Sempach, der «König» aus dem bernischen Alchenstorf, schafft bei der dritten Austragung des Galaabends den Hattrick – und das gleich in doppeltem Sinne. Neben dem goldenen Kranz als Schwinger des Jahres sichert er sich wie im Vorjahr auch den Preis als Jahrespunktebester. «Das freut mich riesig. Gewöhnen werde ich mich ans Siegen nie. Es ist jedes Mal schön», sagt Sempach.

Die Tradition Sempach und ein Tattoo

Sempach als Sieger hat Tradition. Genauso das Fest nach dem Fest. Als sich die Schwingerfamilie kurz vor Mitternacht aus dem Festsaal in die «Riverside»-Bar verschiebt, geht die Party richtig los. Der rote Teppich, über den alle zu Beginn der Veranstaltung gegangen sind, ist längst eingerollt. Die Krawatten sind genauso weggebunden und die Wein- und Champagnergläser zur Seite gestellt.

Nun wird Gerstensaft aus der Flasche getrunken, die Flaschen mit dem Alpenbitter aus dem Appenzellerland herumgereicht. Christian Stucki, der Hüne aus dem Seeland, der Berner Willy Graber, der Publikumsliebling beim Kilchberger Schwinget, Jörg Abderhalden, der erfolgreichste Schwinger aller Zeiten aus dem Toggenburg – alle sind sie in Festlaune. Es wird diskutiert. Es wird philosophiert. Und es wird sogar geoutet. Das Schweizerkreuz-Tattoo des Berner Nachwuchsschwingers Matthias Aeschbacher auf dessen Allerwertestem ist das grosse Thema. Zu Gesicht bekommt es aber niemand.

«Mättu» steht im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt steht immer König Sempach. Auch das ist Tradition. Immer wieder beschreibt «Mättu» die finale Szene beim «Kilchberger», als er Philipp Laimbacher zwei Wochen zuvor ins Sägemehl legte. Immer wieder erzählt er, dass er die bevorstehende Geburt seines ersten Kindes im Dezember kaum erwarten kann. Mädchen oder Junge, Prinzessin oder Prinz – er behält es für sich. Nichtsdestotrotz stösst er schon einmal darauf an.

Roger Fuchs, Sempachs Manager und zugleich Organisator der Nacht des Schwingsports, gibt gleichzeitig die vierte Austragung der Gala bekannt. Für den 11. September 2015 ist sie vorgesehen. Das freut Sempach. Das freute aber auch seine Konkurrenten. Vielleicht steht in einem Jahr dann ja einer von Ihnen im Mittelpunkt. Das ist möglich, aber unwahrscheinlich. Freiwillig steigt der König bestimmt nicht vom Thron.