Wolfgang Rytz, Lausen

«Hauptsache vor den Thürigs» lautete die Devise von Zindel und Gisler im Final. Dazu genügte ein Remis mit jeweils Note 9,00. Dementsprechend zeigten sich beide zumindest ansatzweise offensiv. Doch keiner gelangte während der zwölf Minuten in die Nähe des Sieges. Dies war auch nicht nötig, denn das Kampfgericht schrieb trotzdem die erhoffte Punktzahl. Durch den «Gestellten» schlossen zwar die Aargauer Brüder Mario und Guido Thürig auf. Vier Sieger an einem Kranzschwingfest ist eine Rarität und mutet eher seltsam an. Doch den beiden Solothurnern wars egal. «Wir können mit diesem Co-Sieg leben, denn wir belegen ja innerhalb des Spitzenplatzes die ersten zwei Positionen», erklärte Bruno Gisler dazu. Moralisch seien sie ohnehin Sieger.

Von einem abgesprochenen Gang wollte aber auch Zindel nichts wissen. «Wir kennen uns vom Training her so gut, dass keiner den anderen überraschen kann.»

Wohl wäre eine tiefere Note für beide Schlussgangteilnehmer infrage gekommen. Doch die Kampfrichter liessen in Absprache mit Wettkampfleiter Meinrad Spiess Gnade vor strenger Regelauslegung walten. Ansonsten hätten die beiden Thürigs allein triumphiert.

Diskussionen kamen trotzdem keine auf, und auch im Thürig-Lager herrschte Zufriedenheit. Sehr wohl wussten die beiden Aargauer «Eidgenossen», wer an diesem Tag während fünf Gängen fast nach Belieben dominiert hatte. Zindel wie Gisler besiegten vor der Endausmarchung alle Gegner. Gisler beeindruckte im Anschwingen mit vorzüglicher Bodenarbeit gegen Jürg Mahrer und einer Offensivexplosion gegen Mario Thürig. Der Möriker landete schon nach einer Minute auf einen Hüfter auf dem Rücken. Auch Zindel räumte die schwierigsten Gegner schon zu Beginn aus dem Weg. Guido Thürig war nach fünfeinhalb Minuten so sehr ausgepumpt, dass ihn der Solothurner geradewegs «umblies». Anschliessend landete Thomas Notter innert dreier Sekunden platt auf dem Rücken.

Für Wettkampfleiter Spiess war klar: «Die zwei Solothurner waren so überlegen, dass sie den Sieg auch mit einem solchen Schlussgang verdient haben.»

Drei Neukranzer

Für die Solothurner endete das letzte Kantonalfest in der Nordwestschweiz rundum versöhnlich. Nachdem die Aargauer in der ersten Saisonhälfte besser abgeschnitten hatten, schwangen diesmal die Rotweissen auch in der Kranzbilanz 5:4 obenaus. Den gastgebenden Baselbietern blieben «nur» drei Auszeichnungen. Pech beklagten die zehn Schwinger mit 56,50 Punkten. Weil die Kranzquote mit diesem Rang auf über 18 Prozent angestiegen wäre, blieben sie ungekrönt. Trotzdem feierten drei Sägemehlathleten ihren ersten Kranz: der 18-jährige Henric Thönen, der als Binninger für Baselstadt schwingt, das 22-jährige Leichtgewicht Kornel Arnold (Reidermoos) und der 24-jährige Späteinsteiger André Schumacher (Rohr).