Dopingvorwürfe: Jetzt wird es für Armstrong brenzlig
Dopingvorwürfe: Jetzt wird es für Armstrong brenzlig

In den USA braut sich über Lance Armstrong ein schweres Unwetter zusammen. Der berühmteste Dopingfahnder des Landes will den siebenfachen Tour de France zur Strecke bringen. Er hat bereits Olympiasiegerin Marion Jons zu Fall gebracht

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Lance Armstrong freut sich auf seine letzte Tour de France

Lance Armstrong freut sich auf seine letzte Tour de France

Keystone

Michael Kunst

Kein geringerer als Jeff Novitzky hat sich auf die Fersen des Sportidols Lance Armstrong geheftet. Und das lässt viele amerikanische Freunde und Anhänger Armstrongs zumindest stutzen.

Novitzky ist als Steuerfahnder mit ausgesprochen spektakulären Gerichtserfolgen schon seit Jahren so etwas wie ein Volksheld. Vor fünf Jahren deckte deckte er die Betrügereien des Dopinglabors Balco auf, welches im ganz grossen Stil Spitzensportler in unterschiedlichen Sportarten mit Dopingmitteln versorgte.

Höhepunkt in diesem Verfahren war schliesslich die Verurteilung der Leichtathletin und mehrfachen Goldmedaillengewinnerin Marion Jones zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe ohne Bewährung, die sie vollständig absitzen musste. Und zwar nicht wegen der Einnahme unerlaubter leistungsfördernder Mittel - was in den USA nur bedingt strafbar ist - sondern wegen Meineids!

Der 43-Jährige, der mittlerweile nicht mehr der Steuerbehörde unterstellt ist, sondern im Auftrag der «US Food and Drug Administration» arbeitet, will ähnlichs nun auch Armstrong nachweisen. Offiziell geht es bei seinen Nachforschungen nämlich nicht um verbotene Substanzen im Spitzenradrennsport, sondern um Vorwürfe wie Betrug und Verschwörung zu Lasten von Sponsoren. Im Fall von nachgewiesenem Doping würden diese ihre ausbezahlten Leistungsprämien in teils zweistelliger Millionenhöhe wieder zurück erhalten.

Betrug und Verschwörung sind wiederum strafrechtlich zu verfolgen, was erneut das Thema Eid bzw. Meineid in den Mittelpunkt rücken dürfte. Denn spätestens der Fall Jones hat den US-Spitzensportlern gezeigt, dass in den USA Meineid alles andere als ein Kavaliersdelikt zum Schutz vermeintlicher Freunde ist.

Novitzky hat bereits mit Floyd Landis Kontakt aufgenommen, der Armstrong mit schweren Anschuldigungen eindeckt. Auch weitere Zeugen, die den Radstar in der Vergangenheit etwa in Büchern belasteten, wollen offenbar als Zeugen der Anklage dienlich sein.

Bleibt also abzuwarten, ob das Gerichtswesen in den USA Anklage wegen Betrugs gegen Lance Armstrong erheben wird und wie weit ein dann offensichtlicher Indizienprozess den Radsport-Superstar in Bedrängnis bringt.

Bei einer Konfrontation vor Gericht würden sich jedenfalls mit Novitzky und Armstrong zwei US-amerikanische Helden gegenübertreten, die beide mit Beharrlichkeit und zähem, teils rücksichtlosem Verhalten zu Ruhm gekommen sind.

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