Jüngst veröffentlichte das internationale Sportgericht in Lausanne (CAS) zwei bedeutende Dokumente. In den beiden rund 160 Seiten langen Urteilsbegründungen erfährt die Sportwelt endlich, wieso das CAS kurz vor den Olympischen Spielen in Pyeongchang einerseits 28 russische Athleten überraschend freisprach und andererseits bei elf Sportlern die Beteiligung am organisierten staatlichen Dopingprogramm bestätigte.

Konkret geht es um den Langläufer Alexander Legkow und den Bobfahrer Alexander Zubkow. Vor allem aber geht es um die Unterscheidung von Beweis und Behauptung. Das CAS schreibt zwar, dass kaum Zweifel am organisierten russischen Doping bestehen.

Es betont andererseits, dass trotzdem für jeden angeklagten Athleten die individuelle Schuld durch eine persönliche und wissentliche Beteiligung bewiesen werden muss. Dies gelang bei Zubkow durch manipulierten Urin.

Bei Legkow hingegen reichten die Indizien nicht aus. Konkret sprach das Gericht Aussagen von Kronzeuge Grigori Rodtschenkow zu wenig Beweiskraft zu.

Die Urteilsbegründung hat Auswirkungen auf viele laufende Untersuchungen von Sportverbänden. Gespannt ist man etwa auf die Urteile der Anti-Doping-Einheit der Fifa.

Im McLaren-Report werden 34 Proben russischer Fussballer als verdächtig eingestuft, aus Restbeständen des Moskauer Labors hat der Weltverband weitere 154 Proben erhalten, und letzten Dezember übermittelte die Welt-Antidoping-Agentur (Wada) umfangreiche Fussball-Daten aus der Testdatenbank (LIMS) dieses Labors.

Man darf davon ausgehen, dass die Fifa in naher Zukunft zumindest jene Fälle abschliessen wird, die einen Bezug zur WM haben. Allerdings ist nicht mit spektakulären Verurteilungen zu rechnen. Zwar hat Grigori Rodtschenkow die 59 Fragen des Fussballverbandes inzwischen beantwortet, die Beweislage bleibt jedoch dünn.

Falls es keine Sperren absetzen sollte, wird es in den Medien zum üblichen Fifa-Bashing kommen.

Es ist aber stark zu bezweifeln, dass hier Doping bewusst vertuscht wird. Einerseits begleitet die Wada den Entscheidungsprozess eng und wird im Zweifelsfall Einsprache beim CAS einlegen, andererseits sind Gerüchte über Doping des WM-Teams von 2014 mit Vorsicht zu geniessen.

Weniger als eine Woche, bevor die komplette russische Nati angeblich intern in Moskau positiv getestet wurde, hat die Fifa alle Spieler umfassend kontrolliert – als weltweit erster Verband auch auf das damals in die Doping-Schlagzeilen kommende Edelgas «Xenon».

Alle Proben waren negativ. Nicht nur vor Gericht, auch bei Medien ist der Grat zwischen Beweis und Behauptung bisweilen schmal.