Biathlon
Die verdiente Extrawurst – Benjamin Weger beschreitet als Anführer des Schweizer Weltcupteams neue Wege

Von Benjamin Weger fehlt bei der Teampräsentation vor dem Weltcupstart jede Spur. Weshalb das so ist – und wieso er das verdient hat.

Rainer Sommerhalder
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Der Spitzenbiathlet Benjamin Weger.

Der Spitzenbiathlet Benjamin Weger.

Keystone

Wo nur ist der Walliser? Voller Zuversicht präsentierte sich das Schweizer Biathlonteam zehn Tage vor dem Weltcupstart in Slowenien im nationalen Leistungszentrum Lenzerheide. Selbst Selina Gasparin, die erste und bisher einzige Olympia-Medaillengewinnerin der Schweiz, gab nur fünf Wochen nach der Geburt von Tochter Kiana in aufgekratzter Stimmung Auskunft über ihre Ideen und Ziele. Nur einer fehlte.

Keine Spur vom stärksten Schweizer Biathleten der vergangenen Jahre, vom Obergommer Benjamin Weger. Ausgerechnet der Leithammel hat sich vom Nationalteam abgekapselt und trainiert zusammen mit einem unechten Belgier zwei Wochen lang 2000 Kilometer nördlich im dunklen norwegischen Winter. Dafür blieb der 15. des vergangenen Gesamtweltcups Anfang November in der Schweiz, als seine Teamkollegen in Skandinavien erste Kilometer auf Schnee abspulten.

Etwas mehr investieren

Hat sich Weger mit Trainer oder Athleten verkracht? Will er nichts mehr von der Schweizer Mannschaft wissen? So wie sein aktueller Trainingspartner, der ehemalige deutsche Olympiasieger Michael Rösch, der seit vier Jahren für Belgien startet und den Weger als «guten Typen» bezeichnet. Der Walliser lacht: «Ich habe mir das Recht auf diese Extrawurst erarbeitet». Es sei für ihn schlicht die bestmögliche Vorbereitung auf die Saison. Er wolle ab und zu etwas mehr investieren als nur das, was im Rahmen des Kadertrainings angeboten werde. «Ich will auf ein Aufbautraining zurückblicken, in welchem ich das Maximum herausgeholt habe. Die Trainer unterstützen mich auf diesem Weg voll und ganz.»

Weger glaubt, er könne im Training auf der sehr kurzen Loipe in Lenzerheide nicht den Nutzen ziehen, den er für einen guten Weltcupstart braucht. Eine Saison, die «ohne spezielles Highlight, aber sehr wichtig für mich ist». Für den 29-Jährigen ist klar, dass er nochmals einen Olympiazyklus in Angriff nimmt und eine Medaille an den Olympischen Spielen 2022 in Peking anstrebt. In diesem Winter steht beim zweimaligen Sechsten der Winterspiele von Pyeongchang die Konstanz über die gesamte Saison im Vordergrund. «Ich will dort anknüpfen, wo ich letzte Saison aufgehört habe.» Mit regelmässigen Plätzen in den Top 10. Und selbstverständlich sei auch das Podest «stets irgendwo in meinem Hinterkopf».