FC Aarau
Die Trauer des zwölften Mannes

Seit letztem Donnerstagabend ist der Unabsteigbar- Mythos beim Laternenträger der Liga erloschen. Stefan Beck vom FCA-Fanklub Adler 86 blickt zurück und nach vorn.

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Die Trauer des zwölften Mannes

Die Trauer des zwölften Mannes

Michael Hunziker

«Ich war die ganze Saison der Meinung, der Moment des Abstiegs würde emotional nicht so stark einschlagen», sagt Stefan Beck vom Fanklub Adler 86. Der FC Aarau und seine Fans sind schon oft mit dem Rücken zur Wand gestanden. Oft sah er den Abstieg kommen, und noch jedes Mal hat es gereicht, auch schon am «grünen Tisch» statt auf dem Rasen. Diesmal nicht.

Die Hoffnung und die Realität

Stefan Beck geht durch das leere Stadion. Am Tag nach dem Abstieg stehen die Würstchenbuden da wie eine Geisterstadt in einem zweitklassigen Western. Nicht mal Wind fährt in die Abfallhaufen. Das Getose des Donnerstagabends ist verflogen, zusammen mit der letzten Hoffnung. Wobei: «Zu einem halben Prozent besteht die Chance noch, dass Bellinzona die Lizenz nicht erhält», sagt Beck und winkt gleich wieder ab. Das Hoffen macht keinen Sinn mehr.

Schlusspfiff: Eine verkappte Saison zurrt sich zusammen, zu einem schweren Kloss im Hals, die Rufe verstummen. «Als Benito nochmals zu uns kam, als Einziger der Mannschaft, da überkamen mich die Emotionen. Dass es so schwer wird, habe ich nicht gedacht», Beck spricht wohl vielen Aarau-Fans aus der Seele. Lange sind sie noch da gestanden, und aus der Kabine kam kein Lebenszeichen mehr, keine Entschuldigung.

Ein Zeichen kam von den GC-Fans: Sie blieben nach dem Match im Gästesektor stehen und stimmten schadenfrohe Gesänge an. Das gehöre zum Geschäft, meint Beck: «Als Luzern bei uns abgestiegen ist, haben wir auch gelacht.»

Ein gewisses Verständnis bringt er den GC-Fans entgegen: «Beim Fussball kochen nun mal die Emotionen hoch, und verbale Attacken sind Teil des Spiels. Gewalt geht natürlich nicht.» Während die wahren Aarau-Fans noch fassungslos ins Scheinwerferlicht starrten, lieferten sich draussen ein paar Halbstarke
einen Schlagabtausch. Und die Polizei riegelte an Gummischrotflinten.

Letzter Match steht noch bevor

Seit 26 Jahren ist Stefan Beck dabei, wurde Meister, sah Hitzfeld, Fringer, litt mit Egli und Andermatt, und am Sonntag geht er nach Bellinzona an den Abschiedsmatch. Doch die Saison ist dann noch nicht zu Ende: «Der letzte Match findet am 13. Juni an der Urne statt. Das Stadion brauchen wir, sonst können wir gar nicht mehr aufsteigen», sagt Beck, und über ihm bauschen sich schwere Wolken.