Langlauf
«Die Tour braucht einen Farbtupfer» – Tour-de-Ski-Urheber Jürg Capol mit neuen Ideen

Er ist der Urheber der Tour de Ski. Jürg Capol war einst selbst Langläufer und hatte nach seiner Karriere die Idee für den Wettkampf. Im Gespräch verrät er, was dem Wettbewerb noch fehlt.

Rainer Sommerhalder
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Jürg Capol

Jürg Capol

Keystone

Die Tour de Ski ist sein Kind. Vor 14 Jahren hat der Bündner Jürg Capol bei einem Sauna-Gang mit der norwegischen Langlauf-Legende Vegard Ulvang die Idee eines Etappenrennens im Langlauf entworfen. Zehn Tage, acht Etappen, eine Million Franken Preisgeld lautete der Slogan der ersten Austragung. Nur das Highlight dieser buchstäblichen Bieridee behielt der frühere Olympiateilnehmer (Lillehammer 1994) bis zuletzt für sich: den Schlussaufstieg auf der Skipiste hoch zur Alpe Cermis.

Zuerst hielt man diese Idee für verrückt. Dieser 3,5 Kilometer lange, mit Passagen von bis zu 28 Steigungsprozenten knapp 500 Höhenmeter überwindende Anstieg. Das habe nichts mehr mit Langlauf zu tun. Die Frauen kämen da ohnehin nicht hoch. Vieles musste sich Capol anhören. Und als er am Vorabend der Premiere per SMS den Trainern verbot, vor dem Aufstieg Felle an die Skis der Langlauf-Stars zu kleben, liefen viele Sturm. «Als ich das Telefon nach einer Stunde wieder einschaltete, hatte ich 64 Anrufe in Abwesenheit», erzählt Capol. Spätestens jetzt kommt zur Geltung, dass Capol als heutiger Marketingchef der FIS ein sehr guter Verkäufer ist. Denn so geht Legendenbildung: In einem Gastbeitrag in der «Südostschweiz» vor vier Jahren schrieb Capol noch von 53 Anrufen . . .

Keine gute Entwicklung

Bei einer aktuellen Story zur Tour ist Capol wortkarger. Offenbar haben er und sein Kumpel Ulvang, der Chef des Langlauf-Komitees der FIS, in den vergangenen Tagen leidenschaftlich auf den norwegischen Jungstar Johannes Klaebo eingewirkt, dass dieser nicht wie andere Athleten mit Blick auf die WM vorzeitig aussteigt. Ein Tour-Leader, der zwei Tage vor Schluss aufgibt, wäre nicht gut für den Ruf des Anlasses, der einen Drittel des Marketing- und Medienwerts des gesamten Langlauf-Winters ausmacht. Über Tätigkeiten hinter den Kulissen gibt es vom wortgewaltigen Bündner wenig zu hören. «Nur so viel: Wenn ich Sponsor der norwegischen Langläufer wäre, würde mir das nicht gefallen.» Das Lächeln in Capols Mundecken verrät einiges.

Mit dem vorübergehenden Ausstieg des verlässlichen Etappenorts Oberstdorf und der verlorenen Volksabstimmung in Liechtenstein zu einem erstmaligen Besuch der Tour im Ländle fehlt der FIS für die nächste Austragung ein Organisator. In Zeiten, in denen die Preisgeldsumme nur noch halb so hoch ist wie zu Beginn und wo Stars die Tour links liegen lassen, ist das keine gute Entwicklung. Denn nächstes Jahr findet kein Grossanlass statt, damit steigt der Wert der Tour de Ski. «Das Produkt braucht einen Farbtupfer», fordert Capol. Der 53-Jährige denkt an eine spezielle Etappe, einen etwas verrückten Startort («Wieso nicht Moskau») oder eine revolutionäre Wettkampfform. Bis im Frühling soll Klarheit herrschen, wohin die Reise geht.