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Die Sportwelt auf der Suche nach Alternativen

E-Sport hat sich in den letzten Jahren von einem Nischenprodukt zu einem Massenphänomen entwickelt

E-Sport hat sich in den letzten Jahren von einem Nischenprodukt zu einem Massenphänomen entwickelt

Während Sportveranstaltungen wegen der Coronavirus-Pandemie reihenweise verschoben oder abgesagt werden, sucht die Sport-Welt nach Alternativen. Eine davon heisst E-Sport.

E-Sport hat sich in den letzten Jahren von einem Nischenprodukt zu einem Massenphänomen entwickelt. Die Zeiten, als Computerspiele blosser Zeitvertreib waren, sind längst vorbei. Mittlerweile lässt sich damit richtig viel Geld verdienen. Die Szene, die auch um die Aufnahme ins olympische Programm kämpft, ist zum Millionengeschäft geworden.

So strömen regelmässig tausende Fans in Messehallen oder Indoor-Arenen, um den besten Spielern beim Zocken zuzusehen. Damit ist wegen der vielerorts verhängten Ausgehbeschränkungen zwar vorerst Schluss. Doch der E-Sport hat gegenüber dem traditionellem Sport einen Vorteil: Das Online-Spielen ist auch von Zuhause aus möglich.

Das kann in Zeiten, in denen sich auf dem ganzen Erdball Menschen wegen der Ausbreitung des Coronavirus mehrheitlich in den eigenen vier Wänden aufhalten sollten, eine willkommene Einladung sein. Das dachte sich auch die Formel 1 und lancierte kurzerhand eine virtuelle Rennserie.

Sauber-Trio im Einsatz

Der eigentlich für Sonntag geplante Grand Prix von Bahrain wurde als Videospiel über ein Viertel der Renndistanz ausgetragen, Qualifying inklusive. Mit Lando Norris (McLaren) und Nicholas Latifi (Williams) waren auch zwei Stammfahrer dem Aufruf von Besitzer Liberty Media gefolgt, am "Virtual Bahrain Grand Prix" teilzunehmen.

Zum illustren Starterfeld gehörten mit Nico Hülkenberg, Esteban Gutierrez und Johnny Herbert auch drei frühere Fahrer des Sauber-Rennstalls. Letztlich setzte sich in einem von technischen Problemen begleiteten Rennen der chinesische Formel-2-Fahrer Zhou Guanyu durch.

Weil die Formel 1 noch mindestens bis Mitte Juni ruht, sollen an den gestrichenen Renn-Wochenenden in Vietnam, China, den Niederlanden, Spanien, Monaco und Aserbaidschan weitere virtuelle Grand Prix stattfinden.

FIFA-Turnier und Playoff-Spekulationen

"Keine Europameisterschaft, keine Champions League, keine Premier League - hat irgendjemand einen Plan B?", fragte letzte Woche die Fussballplattform "433" und präsentierte sogleich seine neuste Aktion: Ein E-Sport-Fussballturnier mit dem aktuellen FIFA-Game von EA Sports. So werden sich ab dieser Woche Top-Stars von 32 Nationen auf dem virtuellen Rasen duellieren. Für die Schweiz soll Granit Xhaka zum Controller greifen.

Anders als im Fussball hat man im Eishockey (zumindest in Europa) die Hoffnungen auf eine Fortsetzung der Meisterschaften aufgegeben. Während einige Medien alte Geschichten hochleben lassen, spekulieren andere über den Ausgang der Playoffs. Sogar Trainer werden fiktiv entlassen.

Ein Szenario, das angesichts der wirtschaftlichen Lage einzelner Sportklubs jedoch bald Realität werden könnte - oder schon geworden ist. So trennte sich am Sonntag Belgiens Fussball-Rekordmeister Anderlecht beispielsweise von seinem Co-Trainer Pär Zetterberg. Der Grund: Finanzielle Probleme infolge der Corona-Krise.

Sagan besiegt Sanremo-Fluch

Wie so viele andere Sportarten steht auch die Radsport-Welt derzeit still. So fiel mit Mailand - Sanremo am Samstag auch der Auftakt der Frühjahrsklassiker ins Wasser. Das Online-Portal "cyclingmagazine" liess es sich gleichwohl nicht nehmen, und führte über fast sieben (!) Stunden - so lange dauert das längste der fünf Radsport-Monumente üblicherweise - einen virtuellen Liveticker.

Sie berichteten von Positionskämpfen, Attacken und Stürzen, selbst eine Pyro-Show durfte nicht fehlen. Schliesslich triumphierte in einem furiosen Sprintfinale mit dem dreimaligen Weltmeister Peter Sagan ausgerechnet jener Fahrer, der in den Jahren zuvor den Sieg bei "La Primavera" mehrmals knapp verpasste hatte. Ein Schweizer schaffte es keiner unter die Top 15.

Auch der letzte Fakt ist nicht mehr als eine Randnotiz. Im Grunde geht es nur um eines: Unterhaltung in einer (fast) sport-freien Zeit. Ob sich der Sportliebhaber damit zufriedenstellen lässt, ist zu bezweifeln. Die Sehnsucht nach echten Emotionen im Stadion oder vor dem TV bleibt vorerst ungestillt - virtuell bleibt eben virtuell.

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