Janka
Die Ski-Schweiz jubelt dank Ausnahmetalenten

Carlo Janka und Simon Ammann schreiben mit ihren Triumphen im Gesamtweltcup Schweizer Sportgeschichte. Leitartikel zum Doppeltriumph für Swiss-Ski von Simon Steiner.

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Lillehammer - Simon Ammann

Lillehammer - Simon Ammann

Keystone

Simon Steiner

Das Werk ist vollbracht: An einem Tag haben gleich zwei Schweizer Ski-Helden mit einem Sieg ihr Heu ins Trockene gebracht und sich die grosse Kristallkugel für den Triumph im Gesamtweltcup gesichert. Keine zwei Wochen nach den goldenen Spielen von Vancouver ist die Schweizer Sportgeschichte damit wieder um einen herausragenden Tag reicher. Die Skifans im ganzen Land fühlen sich in die Blütezeit der Achtzigerjahre zurückversetzt. Die Leistungen von Carlo Janka und Simon Ammann weisen in der Tat historische Dimensionen auf. Janka ist nach Peter Lüscher, Pirmin Zurbriggen und Paul Accola erst der vierte Schweizer, der den Gesamtweltcup der alpinen Männer für sich entscheiden kann – und der erste seit 18 Jahren. Im Fall von Ammann ist es gar eine Premiere: Noch nie in 30 Jahren Skisprung-Weltcupgeschichte hat ein Athlet von Swiss-Ski die grosse Kugel nach Hause gebracht.

Diese Auszeichnungen für die besten Wettkämpfer im ganzen Winter zeigen – wie bereits die sechs Goldmedaillen von Vancouver und wie der erste Schweizer Sieg im Langlauf-Gesamtweltcup durch Dario Cologna in der letzten Saison –, dass bei Swiss-Ski in den vergangenen Jahren viel gute Arbeit geleistet wurde. Die Analyse all dieser Erfolge macht aber noch etwas deutlich: Die Skination Schweiz ist zurzeit mit ungewöhnlich vielen Ausnahmetalenten gesegnet. Sportler wie Ammann, Janka und Cologna sind Glücksfälle für jeden Verband. Alle drei bringen von Natur aus beste Voraussetzungen für ihre jeweilige Disziplin mit. Und alle drei haben es verstanden, dieses Talent mit der Unterstützung ihres Umfeldes und durch konsequente Arbeit in Erfolg umzumünzen.

So sehr sich der zuweilen ausgelassene Ammann und der oft unterkühlte «Iceman» Janka in ihrer äusserlichen Art unterscheiden, so verschieden verlief auch ihr Weg zum Weltcup-Triumph. Simon Ammann war lange Zeit nicht dafür bekannt, sich konstant unter den Allerbesten behaupten zu können. Vielmehr haftete dem 28-jährigen Toggenburger nach seinem Doppel-Olympiasieg von 2002 der Ruf eines «Eintagsfliegers» an, der seinen grössten Triumph danach nie so richtig bestätigen konnte. Dies wurde ihm zusätzlich noch durch die Einführung der Gewichtslimiten mittels Body-Mass-Index erschwert, die das Skispringen athletischer machte. Doch der von Natur aus leichte Ammann meisterte diese Herausforderung, legte mehrere Kilos an Muskelmasse zu.

In der Saison 2006/07 meldete er sich an der Weltspitze zurück, wurde in Sapporo Weltmeister und belegte im Gesamtweltcup den 3. Rang. In den letzten Winter startete Ammann als Seriensieger, bevor er in der zweiten Saisonhälfte leicht abbaute und seinen Rivalen Gregor Schlierenzauer im Weltcupklassement noch vorbeiziehen lassen musste. Diese Saison sprang er dauerhaft auf allerhöchstem Niveau, dominierte die Konkurrenz an den Olympischen Spielen richtiggehend und setzte seiner Karriere nun mit dem Sieg im Gesamtweltcup noch die Krone auf. Zwei Ziele bleiben Ammann, der noch mindestens ein Jahr weitermachen will, allerdings noch: der Gewinn der Vierschanzentournee und der Sieg bei einem Skiflug-Wettbewerb. Ersteres wird er im nächsten Winter anvisieren, Letzteres bereits nächste Woche bei der Skiflug-WM in Planica.

Anders als Ammann denkt Carlo Janka noch längst nicht ans Karriereende. Dabei hat auch der Bündner mit nur 23 Jahren schon fast alles erreicht, was es im Skisport zu erreichen gibt. Im letzten Winter ähnlich wie Dario Cologna als Shootingstar an die Weltspitze vorgestossen, ist Janka ein Jahr später bereits Weltmeister und Olympiasieger im Riesenslalom. Mit dem Sieg im Gesamtweltcup hat er ein Triple vervollständigt, das vor ihm hierzulande erst Pirmin Zurbriggen zustande gebracht hatte. Und dies, nachdem ihn viele nach der dreifachen Pleite von Val d’Isère, die dem Dreifachsieg von Beaver Creek gefolgt war, bereits abgeschrieben hatten.

Bei allen Unterschieden zwischen Ammann und Janka stechen doch auch die Gemeinsamkeiten ins Auge: So ausgeprägt bei Ammann das Gefühl für die Luft und die perfekte Flugposition ist, so beeindruckend ist bei Janka das Sensorium für Gelände, Schnee und Balance. Vor allem aber verfügen beide über die Fähigkeit, im entscheidenden Moment voll auf den Wettkampf zu fokussieren und zur maximalen Konzentration zu finden. Das ist das Holz, aus dem die grossen Ski-Champions geschnitzt sind.

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