Eishockey

Die neue Welt im Wilden Westen

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Der Aarwangener Sven Bärtschi wandelt in Portland auf den Spuren von Nino Niederreiter. Dank seinen guten Leistungen hat er sich schnell in den Fokus der NHL-Talentspäher gespielt.

Das Eishockeyleben in der Western Hockey League ist anstrengend. Jüngst absolvierten die Portland Winterhawks, eines von 22 Teams der Juniorenliga, einen Roadtrip (Auswärtsreise), der sie quer über den halben nordamerikanischen Kontinent führte und sechs Spiele innert acht Tagen beinhaltete. Erstes Ziel der «Winterfalken», welche im US-Bundestaat Oregon an der Pazifikküste beheimatet sind, war die Kleinstadt Swift Current in der kanadischen Provinz Saskatchewan. Stolze 1600 Kilometer entfernt.

Das wunderbare Tor von Sven Bärtschi gegen Kelowna

Das wunderbare Tor von Sven Bärtschi gegen Kelowna

Der Trip, den Profiteams innert weniger Stunden per Flugzeug erledigen würden, absolvierten die Winterhawks per Mannschaftsbus. 23 Stunden dauerte die zweitägige Reise quer durch die endlosen Prärien Kanadas, die Rückreise sogar noch fünf Stunden länger. Dabei könnten es sich die Portland Winterhawks leisten, mit dem Flieger anzureisen. Die Regeln der WHL verbieten jedoch derartige Privilegien zwecks Wahrung der Chancengleichheit. Denn nicht alle Organisationen könnten diesen Luxus bezahlen.

Die langen Reisen gehören zu den Dingen, an die sich auch Sven Bärtschi erst gewöhnen musste. In der Schweiz war für den Oberaargauer die dreieinhalb Stunden dauernde Reise nach Davos das Maximum. Nun dauert der kürzeste Trip an ein Auswärtsspiel (nach Seattle) zweieinhalb Stunden. Auf ihren «Geschäftsreisen» müssen die Spieler Anzug und Krawatte tragen. Auch hier betrat der 17-Jährige absolutes Neuland. «Als wir an unser erstes Vorbereitungsturnier reisten, fragte mich der Trainer, wo mein Anzug sei», erinnert sich Sven Bärtschi an eine lustige Episode ganz am Anfang seines Nordamerika-Abenteuers. «Da ich keinen besass, musste ich mir schliesslich ein viel zu grosses Set von einem Teamkollegen ausleihen. So, wie ich darin aussah, war ich natürlich die grosse Lachnummer in der Mannschaft.»

Statistisch besser als Niederreiter

Inzwischen lacht niemand mehr über Sven Bärtschi. Im Gegenteil: Der Aarwangener, der auf Empfehlung des Schweizer Supertalents Nino Niederreiter bei den Portland Winterhawks landete, hat im Wilden Westen von der ersten Sekunde an eingeschlagen. In 29 Spielen hat der Flügelstürmer inzwischen 39 Skorerpunkte gesammelt (18Tore/21Assists). Damit ist er der beste Neuling der gesamten WHL und statistisch sogar deutlich besser unterwegs als Niederreiter vor Jahresfrist.

Dass er sich in seinem neuen Umfeld derart gut und schnell zurechtfinden würde, damit durfte man nicht rechnen. Im Vergleich zu Niederreiter, der mit seinem kräftigen Körperbau für die kleinen nordamerikanischen Eisfelder prädestiniert ist, ist Sven Bärtschi mit knapp 1,80 Meter Grösse und 84 Kilogramm Gewicht ein «schmaler Wurf». Was dem Junior des SC Langenthals an Kraft fehlt, macht er jedoch mit seiner Schnelligkeit und seiner Technik wett.

Seit Nino Niederreiters Rückkehr – nach dessen neun Spiele dauernden Stippvisite in der NHL bei den New York Islanders – bilden die beiden Schweizer das offensive Schwungrad der Winterhawks, die zu den meistgenannten Favoriten auf den WHL-Titel zählen. «Wir haben grosses Potenzial, weit zu kommen», unterstreicht Nino Niederreiter die Ambitionen der Mannschaft. Der Churer hilft seinem nur einen Monat jüngeren Landsmann bei der Bewältigung des Alltags.

Durch seine guten Leistungen hat sich Sven Bärtschi schnell in den Fokus der NHL-Talentspäher gespielt. Der Flügelstürmer wird bereits als nächster Schweizer Erstrundendraft gehandelt. «Ich arbeite mit voller Konzentration auf den NHL-Draft hin. Mein Ziel ist es, so lange wie möglich in Nordamerika zu bleiben», unterstreicht Bärtschi. Macht er so weiter, dann werden die langen Busfahrten eher früher als später der Vergangenheit angehören.

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