FC Aarau

Die kleinen Weltmeister vom Brügglifeld

Entscheidung auf dem Brügglifeld: GC-Goalie Yann Sommer und Davide Calla können dem Ball nach dem Schuss von Sandro Burki nur noch zuschauen.

Aarau - GC 1:0

Entscheidung auf dem Brügglifeld: GC-Goalie Yann Sommer und Davide Calla können dem Ball nach dem Schuss von Sandro Burki nur noch zuschauen.

Der krasse Aussenseiter FC Aarau, von vielen Experten als Abstiegskandidat Nummer 1 gehandelt, setzt eine betörende Duftmarke und überrascht mit einem 1:0 gegen GC.

Von François Schmid-Bechtel

Köbi Kuhns Rhetorik während seiner Zeit als Nationaltrainer war meist holprig, abgedroschen. Häufig zog er Sprüche wie «der Gegner kocht auch nur mit Wasser» aus der Mottenkiste. Medienauftritte gehörten nicht zu seinen herausragenden Qualitäten. Doch einen Satz, den er immer wieder mal wiederholte, hatte Tiefgrund: «Wir werden fussballerisch nie so gut sein wie die Brasilianer. Aber was Teamgeist betrifft, können wir Weltmeister sein.» Es ist die typische Redeart eines Trainers, der einen Aussenseiter coacht. Häufig verflüchtigen sich solche Sätze schneller als der Duft einer Rose. Denn nur wer wirklich mit den Aussenseiter-Füssen auf dem Boden bleibt, wer die Realitäten nicht verkennt, kann die Rolle eines Desperados verinnerlichen.

Jeff Saibene, der neue Trainer des FC Aarau, ist ein smarter, intelligenter und trotzdem ein bodenständiger Typ. Als Spieler war er einst als kleines «Luxemburgerli » nach Aarau gekommen. Für eine Karriere im Rampenlicht fehlte ihm die Konstanz, der Killerinstinkt, aber auch die Robustheit. Er kannte seine Grenzen, aber auch seine Qualitäten. Kurz: Saibene war Realist. Und das ist er auch als Trainer geblieben. Er weiss, dass der bescheidene FC Aarau in der 29. Saison in der höchsten Spielklasse den Abstieg nur verhindern kann, wenn er sich durch einen weltmeisterlichen Teamgeist auszeichnet. Wenn die Mannschaft solidarisch auftritt. Wenn sie realistisch bleibt.

Und so beschreitet er den Weg, den schon sein Vorgänger Ryszard Komornicki eingeschlagen hatte: Die Rolle des Aussenseiters zu kultivieren. Das passt vorzüglich zu einem Klub, dessen Image «die Unabsteigbaren » ist. Der mit einem Rumpfkader in die Saison steigt und der aus wirtschaftlichen Zwängen auf zwei Spieler (Bengondo, Schaub) setzen muss, die wohl in jedem anderen Super-League- Klub auf der Bank sitzen würden. «25 von 36 Spielen in dieser Saison werden wie gegen GC auf Messers Schneide sein», prophezeit Saibene. «Wir werden zwar nur wenig Tore schiessen, aber auch wenig erhalten. Entscheidend ist, dass die Teamleistung stimmt.» Er hat dem Team ein Defensivkorsett verpasst, mit dem es jeden Gegner ärgern kann.

Kommt dazu, dass jeder Gegner gegen Aarau in der Favoritenrolle ist, was Saibene entgegenkommt. «Dass wir als Abstiegskandidat Nummer 1 gehandelt werden, motiviert uns nur zusätzlich», sagt Saibene. Und siehe da: Polverino beeindruckte bei seinem Debüt. Benito war gar herausragend. Aquaro und Stoll bildeten in der Innenverteidigung ein Bollwerk. Und Torschütze Burki leistete ein enormes Laufpensum.

Ciriaco Sforza war vor drei Jahren beim FC Luzern in einer ähnlichen Situation wie Saibene heute. Damals stand ihm nur eine Ansammlung von Desperados zur Verfügung, aus der er eine gut organisierte Equipe formte. Spätestens in der dritten Saison beim FCL zementierte Sforza die These, dass es einfacher ist, einen Aussenseiter mit einem funktionierenden Defensivkonzept über Wasser zu halten, als mit einem aufstrebenden Klub die hohen Erwartungen zu erfüllen. Bei GC gelten nun ganz andere Massstäbe. Dort gilt es, den Rekordmeister wieder dorthin zu führen, wo er einst war - an die Spitze. Deshalb musste der konservative Latour dem forschen Sforza Platz machen. Doch gestern war nicht viel von der Befreiung aus Latours Sicherheitssystem zu erkennen. Zu konfus war der Auftritt. Der FC Aarau indes hat schon, was GC anpeilt: eine gute Organisation und einen weltmeisterlichen Teamgeist.

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