Handball
Die Kadetten scheitern trotz beherzter Vorstellung

Der Traum vom Viertelfinal der Champions League ging für die Schaffhauser Kadetten trotz guter Leistung brutal zu Ende. Montpellier machte die Hinspielniederlage von fünf Toren mit dem 35:27 wett.

Michael Wehrle, Montpellier
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Dabei begann es für die Schweizer Gäste unter den Augen von Tennisprofi Richard Gasquet nicht nur gut, sondern geradezu sensationell. Nach zwei Angriffen führten sie 2:0, bekamen gar die Chance zum 3:0. Doch die nutzen sie nicht, und es begannen die Festspiele des William Accambray. Der Rückraumspieler, den die Franzosen im Hinspiel schmerzlich vermisst hatten, glich mit seinen ersten zwei Toren aus. Sieben Mal traf er bis zur Pause, lediglich einmal scheiterte er an Björgvin Gustavsson aus einem schlechten Winkel.

15 Minuten lang hielten die Kadetten das Geschehen ausgeglichen, blieben auf Viertelfinalkurs. Stark spielte in dieser Phase Kreisläufer Iwan Ursic, dagegen hatten die hart einsteigenden Franzosen dem Kadetten-Rückraum schnell einmal den Schneid abgekauft. Vor allem Mait Patrail, den sie sehr aggressiv deckten, bekam gar nichts auf die Reihe. Drei Fehlschüsse und zwei Fehlpässe waren alles, was er bis zur Pause auf dem Konto hatte. Vom 9:8 über 12:8 bis zum 16:9 zog Montpellier innerhalb von 22 Minuten weg. Aus dem Rückstand war ein Vorsprung geworden. Immerhin stemmte sich Kadetten-Spielmacher Peter Kukucka energisch gegen die Niederlage, so blieb es bis zur Pause bei sieben Toren Rückstand.

Der Druck aus dem Publikum

Und dann bäumten sich die Gäste nochmals auf. Auch weil Montpellier etwas überheblich wirkte, kamen die Schaffhauser auf drei Tore heran. Trotz einiger Möglichkeiten holten die Schweizer aber nicht weiter auf, obwohl der Gegner angeschlagen wirkte. Doch nun griff der Speaker energisch ein: «Pression – Druck» brüllte er in sein Mikrofon und ein gnadenloses Pfeifkonzert von fast 9000 Fans ertönte bei jedem Schaffhauser Angriff. Auf der anderen Seite feuerten die Fans zu lautstarker Musik ihr Team mit einem ohrenbetäubenden Gebrüll an.

Eine Viertelstunde lang hielten die Kadetten dem Stand, lagen nur vier Tore zurück. Doch dann tauchte Accambray, der bis dahin von der Bildfläche verschwunden war, mit seinem achten Tor zum 29:22 wieder auf. Und wenig später stellte Nikola Karabatic mit dem 30:22 die Weichen endgültig Richtung Viertelfinal.

Abschlachten liessen sich die Schaffhauser nicht. Endlich traf Patrail, bei vier gegen sechs gleich zwei Mal. Und Gustavsson wurde immer stärker. Doch nutzte das alles nichts mehr. Montpellier brachte mit viel Routine und Kampf den notwendigen Vorsprung über die Zeit. Der Schweizer Meister verkaufte sich in der Montpellier Arena glänzend, verabschiedete sich mehr als anständig aus der Champions League. Doch muss noch mehr zusammen passen, soll ein Gegner vom Format der Franzosen aus dem Rennen geworfen werden. Vom Rückraum kam ausser von Kukucka zu wenig. Und eine super Halbzeit von Gustavsson war auch zu wenig.

Immerhin darf das Team von Trainer Petr Hrachovec für sich in Anspruch nehmen, den haushohen Favoriten an den Rand des Aus gedrängt zu haben. Was kurze Zeit einmal nach einem Debakel aussah stellte sich nicht ein. Einstellung und Kampf stimmten bei den Kadetten, gar keine Frage.