Die Jakovljevic: Vier Herzen für den FC Aarau

Gelingt dem FCA heute im Heimspiel gegen den FC St. Gallen sogar der Sprung auf den Barrageplatz? Davon überzeugt ist nur der neue Trainer Ranko Jakovljevic, sondern auch seine ganze Familie. Bei ihr dreht sich sowies alles um den Verein aus dem Brügglifeld.

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Ruedi Kuhn

«Ladies’ Day» beim FC Aarau: Männerpower auf, Frauenpower neben dem Spielfeld. Eine Lady sorgt im Brügglifeld heute Abend sicherlich für Stimmung. Snjezana Jakovljevic, die charmante und temperamentvolle Frau von Aaraus Interimscoach Ranko, wird sich das Spiel gegen St. Gallen mit dem zehnjährigen Sohn Sasa auf der kleinen Zusatztribüne anschauen. Und natürlich mitfiebern.

Ob die frühere Spitzenhandballerin die Nervenanspannung bis zum Schlusspfiff aushalten wird? Wohl kaum. Als sie sich am vergangenen Samstag die Partie der Aarauer gegen den FC Zürich am Fernsehen ansah, hielt sie es kurz vor Schluss vor lauter Hektik nicht mehr aus. Sie musste weg. Raus an die frische Luft. Einfach allein sein.

Zur gleichen Zeit sassen ihre beiden Söhne Dejan und Sasa im Zürcher Letzigrund und fieberten beim Stand von 1:0 für Aarau dem Schlusspfiff entgegen. Der 18-jährige Dejan spielt beim Team Aargau U21, Sasa ist E-Junior des FC Aarau. Seit das Familienoberhaupt für die sportlichen Leistungen der ersten Mannschaft verantwortlich zeichnet, hat sich die kleine Welt von Snjezana, Dejan und Sasa ziemlich verändert.

Bei den Jakovljevics ist in diesen Tagen nichts mehr so wie früher. Vater Ranko hetzt als Trainer des Fanionteams und der U21-Auswahl von einem Termin zum andern. Als wäre der Stress nicht schon gross genug, musste der 43-jährige Serbe aus Bosnien Anfang dieser Woche auch noch einen zweitägigen Kurs in Magglingen besuchen. Klar doch, dass Aaraus neues Trainer-Ass die Prüfungen für die Uefa-Pro-Lizenz im Frühling 2011 mit Bravour bestehen will.

Dejan und Sasa sind stolz auf ihren Vater. Schliesslich hat er beim FC Aarau die Hoffnung auf den Ligaerhalt zurückgebracht. Snjezana freut sich ebenfalls über die Erfolge, sieht das Ganze aber etwas differenzierter als ihre Söhne: «Die aktuelle Entwicklung ist für Ranko sensationell. Dass er kurzzeitig als Aarauer Cheftrainer arbeiten darf, ist der verdiente Lohn für seine sechsjährige Tätigkeit. In dieser Zeit hat er sich im Umfeld des Klubs die nötige Anerkennung und Akzeptanz verschafft.»

Ranko Jakovljevic ist am 17. November 1966 in Banja Luka als Sohn eines Autoliftmonteurs und einer Krankenschwester geboren. Nach einer Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten und einem zweijährigen Wirtschaftsstudium entschied er sich für eine Profikarriere. Als 19-Jähriger unterschrieb er einen Vertrag beim FC Borac. Mit dem jugoslawischen Spitzenklub wurde er 1988 Cupsieger.

Ein Jahr vorher lernte Ranko Snjezana kennen. Natürlich auf einem Fussballplatz. Für sie war es Liebe auf den ersten Blick. Er lächelt schelmisch und sagt: «Na ja, bei mir hat es erst etwas später gefunkt.» Nach der Heirat im Juni 1991 wanderten die beiden in die Schweiz aus und lebten während 13 Jahren im Oberwallis. Ranko spielte als Profi bei Raron, Naters und Visp. Seit 2004 ist er als Juniorentrainer beim FC Aarau tätig. Snjezana arbeitet zurzeit in der kleinen Kaffeestube im Trainingsgelände des Aarauer Schachens.

Den Rummel der vergangenen Tage nehmen die zwei von der lockeren Seite. Ranko lächelt und sagt: «Ich weiss genau, dass ein Trainer schnell oben, aber noch schneller unten ist. Momentan geniesse ich es einfach. Und die Medienpräsenz ist auch wunderbar. Die kann keiner bezahlen.»

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