Claudia Landolt

«Arbeit»: Das ist das Lieblingswort von Dany Ryser (52), dem Mann, dem in Nigeria eine kleine Sensation gelungen ist.

Auch am Tag danach, dem Tag, an dem Worte fehl am Platz sind, weil sie keiner Emotion gerecht werden, ja dürten, ist es das. Ist es die Distanz, sind es die Hintergrundgeräusche - Dany Ryser wirkt keineswegs, als hätte er vergangene Nacht durchgemacht (obwohl er das hat). Schwer, sich durch den Äther vorzustellen, dass er aus dem Häuschen war. Oder vielleicht doch? Einzig und allein die Tatsache, dass seine Stimmlage jeweils am Ende eines Satzes ein bisschen höher liegt als zu Beginn, lässt vermuten, dass er es vielleicht doch war. Oder sein kann.

Die Frage der Stunde lautet: Was ist das Erfolgsrezept? Aus einer Gruppe von Teenagern im hormongeplagten Alter , aus einer «juvenile Abenteuergeschichte» (NZZ) eine güldene Winnertruppe von historischem Wert zu formieren? Ein ehemaliger Weggefährte von Ryser, der Geschäsftsleiter des FC Grenchen, Thomas Jorge, glaubt die Antwort zu kennen. Rysers Stärke, vielmehr seine «Waffe», so Jorge, sei seine «ruhige, besonnene, aber konsequente» Art: «Dany ist kein Polteri.» «Das ganze Umfeld ist entzückt», sagt ein enthusmiasierter Jorge zu a-z.ch. «Was Dany da mit diesen Jungs in einem schwierigen Alter geleistet hat, ist der blanke Wahnsinn. Wir haben alle Freudensprünge gemacht«.

Von einem schwierigen Alter will Ryser denn auch nichts wissen. Schützend stellt er sich vor seine Jungs. «Schwierig sind sie nicht», sagt er. «Sie sind die besten Spieler ihren Altes, und sie wissen, um was es geht, und sie wissen, was sie wollen: Profi werden nämlich», erklärt der 52jährige. «Also geht es einzig und allein um Arbeit, Arbeit, Arbeit. Diven haben keine Chance, «jeder kämpft für den andern, gegenseitige Unterstützung steht im Zentrum. Ich habe sie motiviert, und sie haben an sich geglaubt. Was sie geleistet haben, ist einzigartig.»

Im Hintergrund klingelt sein Handy. Ryser brüllt: «Ich rufe Dich gleich zurück, Fredy!» Weiter hinten rufts: «Danyyyyyyy!»

Ryser ist der Mann der Stunde. Trotzdem beantwortet er die letzte Frage. Was er seinen Spielern für die Zukunft wünscht: «Was die Mannschaft erreicht hat, ist sensationell. Jeder hat alles gegegen, um so weit zu kommen. Ich wünsche jedem, dass er Profifussballer werden kann.»

Aber Gefahren lauern überall. Ryser ist klar, dass die Rückkehr in den Alltag nach dem Hochgefühl der letzten Tage etwas schwierig werden könnte: Viele der Weltmeister sind noch keine Stammspieler, sondern Ersatzspieler. Zweite Wahl - als Weltmeister. Aber Ryser ist überzeugt: «Sie sind gross und gescheit genug, um zu wissen, dass sie da durch müssen.»

Der Rest seiner Worte geht unter im lärmigen Chaos des Hotelzimmers. Jetzt hätten sie dann noch ein bisschen Zeit für sich, später würden die Koffer gepackt, und morgen um 9.20 Uhr treffen die Spieler in Zürich Kloten ein. Rysers Wort zum Schluss: «Kommen Sie doch morgen an die Pressekonferenz, dort ist es dann ruhiger.»


Wenn er sich da mal nicht täuscht.