Der smarte Problemlöser

Hitzfelds Team testet heute gegen Italien

Hitzfelds Team testet heute gegen Italien

Sieben unterschiedliche Formationen in acht WM-Qualifikationsspielen. Das Schweizer Nationalteam ist unberechenbarer geworden.

François Schmid-Bechtel

Unter Roy Hodgson war die Aufregung vor den Spielen etwa so gross wie beim morgendlichen Zähneputzen. Der Engländer bot kaum Raum für Spekulationen, wem er denn nun das Vertrauen aussprechen würde. Da konnte der linke Aussenverteidiger Quentin noch so umstritten sein - er spielte, ohne Wenn und Aber. Da konnte Thomas Bickel im Klub noch so brillieren - im Nationalteam sass auf der Bank. Die Rollen waren verteilt. Und das war auch gut so. Denn die Schweiz ist in den 90ern unter Hodgson so aufgetreten, wie ein Aussenseiter auftreten muss: perfekt organisiert.

Unterdessen ist die Aufstellung der Schweizer im Vorfeld einer Partie zu einem Diskussionsthema geworden. Weniger, weil Ottmar Hitzfeld ausgesprochen experimentierfreudig ist. Viel eher sind es Sachzwänge, die den Nationaltrainer zu ständigen Rotationen im Kader veranlassen. Einerseits, weil einige Legionäre, die sich im Dunstkreis der Nationalmannschaft aufhalten, in ihren Klubs nicht unbestritten sind. Andererseits, weil Hitzfeld selbst stets die Spielpraxis als oberste Maxime proklamiert.

Das Problem der fehlenden Spielpraxis unserer Söldner ist nicht neu. Auch Köbi Kuhn musste sich damit auseinandersetzen. Doch er hat bei der Problemlösung einen anderen Weg eingeschlagen. Einem Spycher, einem Grichting oder einem Huggel halfen weder Trainingsfleiss noch gute Auftritte im Klub, um sich aufzudrängen. Die Karten waren verteilt. Das Team harmonierte. Jeder Spieler wusste, was er zu tun hatte.

Kuhns Vorgehen war richtig. Zumindest so lange, bis er den Kreis der potenziellen EM-Kandidaten auf 40 Spieler erweiterte. Denn der Konkurrenzkampf war nur theoretischer Natur.

Im Gegensatz zu den Klubs, die ein Mammutprogramm zu bewältigen haben, ist die Rotation bei Nationalteams noch nicht in Mode. Zu gross scheint vielen Nationaltrainern die Gefahr, dass wegen der kurzen Vorbereitungszeit die Automatismen nicht greifen. Also halten sie an Bewährtem fest. Nicht Ottmar Hitzfeld. Er rotiert ohne Nebenfolgen. Er setzte beispielsweise im kapitalen Heimspiel gegen Griechenland auf Alain Nef, der in den letzten zwei Jahren nicht übermässig oft gespielt hat, als rechten Aussenverteidiger. Natürlich aus der Not, weil Stephan Lichtsteiner gesperrt war. Aber Nef hält dicht und entpuppt sich nicht als das befürchtete Sicherheitsrisiko.

Nun, wie schafft es Hitzfeld, sein Team stets ohne Nebenfolgen umzubauen?

Erstens: Er kann auch einem Notnagel wie damals Nef das Gefühl vermitteln, ein wichtiger Faktor zu sein.

Zweitens: Jeder Spieler kennt seinen Auftrag. «Er kommuniziert klar, seine Aufträge sind unmissverständlich», sagt Christoph Spycher.

Drittens: Hitzfeld ist absolut glaubwürdig. Denn er streicht nicht nur die Wichtigkeit der Spielpraxis heraus, sondern handelt auch danach. «Ottmar Hitzfeld verteilt keine Freipässe. Er lebt den Erfolgsgedanken», sagt Spycher. Die Folge ist ein harter, aber fairer Konkurrenzkampf.

Vielleicht wird Hitzfeld ausgerechnet gegen Luxemburg seinen Prinzipien untreu, sollte er Philippe Senderos, der bei Arsenal kein Land mehr sieht, in der Innenverteidigung aufstellen. Aber aussergewöhnliche Situationen erfordern ebensolche Massnahmen. Mit dem gesperrten Grichting, den verletzten Eggimann und Djourou fallen drei Innenverteidiger aus. Ein Problem? Hoffentlich nicht.

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