Der Letzte löscht das Licht

Ende Saison ist Schluss mit der Allianz zwischen BMW und Sauber. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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Keystone

1. Warum steigt der Automobilhersteller BMW aus der Formel 1 aus?
Vorstandschef Norbert Reithofer betonte, der Ausstieg habe nichts mit dem schwachen sportlichen Abschneiden in dieser Saison oder mit der wirtschaftlichen Gesamtsituation zu tun. Klar ist aber auch: BMW opfert die Wettbewerbsfähigkeit in der Formel 1 zugunsten der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Gelder, die bislang in das Formel-1-Projekt gesteckt wurden, sollen das Unternehmen (unter dem Stichwort Nachhaltigkeit) fit machen für die Zukunft. Die Formel 1 passt nicht mehr ins Konzept.

2. Wie reagieren der Weltverband und die Vereinigung der Teams?
Der Automobil-Weltverband FIA äusserte sein Bedauern, zeigte sich aber «nicht überrascht. Es war schon seit einiger Zeit klar, dass der Motorsport die weltweite Wirtschaftskrise nicht ignorieren kann», schrieb die FIA in einer Mitteilung und behauptete: «Wenn die Regelungen zur Kostenreduzierungen von einigen Teamchefs nicht so stark bekämpft worden wären, hätten der Rückzug von BMW und weitere Ankündigungen dieser Art in der Zukunft verhindert werden können.» Die Teamvereinigung Fota hat dem Rennstall ihre Unterstützung für die weitere Einbindung in die Formel 1 angeboten. Ähnliche Hilfe hatte zu Beginn des Jahres auch Ross
Brawn erhalten, nachdem er nach Hondas Rückzug das Team übernommen hatte. Brawn erhielt unter anderem kurzfristig Motoren von Mercedes.

3. Bestreitet BMW-Sauber die restlichen sieben Rennen dieser Saison?
Ja. «Wir wollen uns erhobenen Hauptes verabschieden», betonte BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Draeger. Motorsportdirektor Theissen sagte: «Alle Entwicklungsschritte und Ideen werden bis zum Saisonende weiterverfolgt.»

4. Warum kündigt BMW den Ausstieg ausgerechnet jetzt an?
In dieser Woche soll das neue Concorde Agreement, der Grundlagenvertrag der Formel 1 zwischen Rennställen, dem Rechteinhaber Formula One Management (FOM) und dem Automobil-Weltverband FIA, für die Jahre 2010 bis 2012 unterschrieben werden. Reithofer erklärte, BMW habe sich für einen solch langen Zeitraum «nicht mehr binden wollen».

5. Wie kann Peter Sauber den Fortbestand des Teams sicherstellen?
Wie das Beispiel Brawn GP zeigt, wo Honda kurzfristig ausgestiegen ist und der Rennstall für den symbolischen Betrag von einem Pfund den Besitzer wechselte, muss der Kaufpreis nicht das Hauptproblem sein. Doch um das Team zu unterhalten brauchte Sauber, der im Moment 20 Prozent der Anteile von BMW-Sauber hält, potente Sponsoren. Brawn hat diesen in Virgin-Besitzer Richard Branson gefunden. Natürlich müsste sich Sauber auch einen neuen Motorenlieferanten suchen.

6. Welche Auswirkungen hat der Ausstieg auf die Formel 1?
BMW war als eines von 13 Teams (bisher 10) für die kommende Saison vorgesehen. Falls das Team nicht aufgekauft wird, kann ein anderes dessen Platz übernehmen. Der Aufkauf des BMW-Teams ist laut Theissen «ein Szenario».

7. Werden auch andere Rennställe der Formel 1 den Rücken kehren?
Nein, behauptet Theissen. Er habe bei einem Treffen am Sonntag beim GP von Ungarn «nicht den Eindruck gewonnen, dass ähnliche Entscheidungen bei anderen Herstellern anstehen».

8. Wie sieht die Zukunft von BMW im Automobilrennsport aus?
Als Motorenhersteller für die Formel 1 wird BMW in der nächsten Saison nicht zur Verfügung stehen. «Wir werden uns aber weiter aktiv im Motorsport engagieren und konzentrieren uns dabei auf den seriennahen Motorsport und die Nachwuchsförderung», sagt Vorstandschef Reithofer. BMW kündigt ausserdem pauschal «Engagements im Tourenwagensport» sowie «in der American Le Mans Serie (ALMS), bei Langstreckenrennen und im seriennahen Kundensport» an. Auch die Aktivitäten im Motorradsport (Superbike-WM) werden fortgeführt. Über einen Einstieg in die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft wird ernsthaft nachgedacht.

9. Was passiert mit den jetzigen Fahrern von BMW-Sauber?
Nick Heidfeld und Robert Kubica müssen hoffen, bei einem anderen Team unterzukommen. Denkbar wäre auch: Beide bleiben, wenn das BMW-Team aufgekauft würde. Der gefragtere Mann an der Transferbörse ist auf jeden Fall Kubica. Der Pole steht seit langem in Kontakt mit Ferrari. (MZ)