Boxen

Der Kampf des Jahrhunderts: Schlag mich für 150 Millionen

Das Millionen-Duell: Floyd Mayweather gegen Manny Pacquiao.

Das Millionen-Duell: Floyd Mayweather gegen Manny Pacquiao.

Ist es wirklich so einfach? Gut gegen Böse? Man könnte schnell zu diesem Schluss kommen. Am kommenden Wochenende steigt der Kampf des Jahrhunderts in Las Vegas.

Doch fangen wir bei einem anderen Punkt an. Floyd Mayweather junior ist besser als Roger Federer. Zumindest in der Rangliste der Topverdiener im Sport. Mit über 100 Millionen Dollar Jahreseinkommen liess er den Schweizer im vergangenen Jahr deutlich hinter sich. Und 2015 kommt es noch besser. Am 2. Mai wächst Mayweathers Konto um weitere 150 Millionen.

Floyd wer? So geht es wohl vielen in Europa.

Mayweather ist Boxer. Der Beste zurzeit. Da sind sich die Fachleute einig. Für den Kampf am nächsten Samstag in Las Vegas gegen Manny Pacquiao – wohl der einzige Herausforderer, der Mayweather gefährlich werden kann – bekommt der US-Amerikaner ebendiese 150 Millionen. Maximal 12 Runden à drei Minuten – kein schlechter Lohn.

Während andere schlafen:  Floyd Mayweather trainiert. Und trainiert. Und trainiert.

Während andere schlafen: Floyd Mayweather trainiert. Und trainiert. Und trainiert.

Doch Mayweathers Leben ist teuer. Den Beweis liefert er gerne auf Facebook oder Instagram. «Welcome to my world», schreibt er und zeigt ein Foto. Zu sehen ist sein Privatjet und diverse Luxusautos. Seinen Neidern widmet er ein Video. Es zeigt, wie er seine Millionen zählt und natürlich: Autos und Frauen – jung und leicht bekleidet.

Über seinen Gegner sagt er: «Wenn ich den Zwerg eingestampft habe, kann er mir Sushi rollen und Reis kochen.» Mit 1,73 Metern ist Mayweather vier Zentimeter grösser als der Philippine Pacquiao. Doch sein Mundwerk überragt jenes des Gegners um mehrere Stockwerke.

Ex-Freundin geschlagen

2012 wurde Mayweather von einem Gericht schuldig befunden. Er soll seine Ex-Freundin geschlagen haben. Die Gefängnisstrafe sass er ab. Am Tag der Entlassung wurde er von Gangster-Rapper «50 Cent» abgeholt. Image ist Image. Und dieses ist böse.

Mayweathers Gegner ist dagegen ein Heiliger – oder zumindest stellt er sich so dar. Pacquiao sagt: «Ich möchte nichts Schlechtes über Floyd sagen. Ich hoffe, dass wir uns nach dem Kampf hinsetzen und wie ganz normale Menschen miteinander reden.» Auf Facebook zitiert Pacquiao Sprüche aus der Bibel und schreibt: «Thank you Lord.» Seine Fotos zeigen ihn und seine Familie vor dem Besuch des Gottesdienstes. In seiner Heimat, den Philippinen, ist Pacquiao Volksheld. Als Politiker setzt er sich für den Umweltschutz ein – und vor allem gegen Armut.

Floyd Mayweather – Greatest Hits.

Floyd Mayweather – Greatest Hits.

Gut gegen Böse also? Die Meinungen sind schnell gemacht.

Der 38-jährige Mayweather ist ein «Bad Boy» und will es sein. Es ist seine Art, sich zu vermarkten. Sein protziges Auftreten, seine teuren Autos: Das alles ist er. Pacquiao hingegen ist schwieriger zu greifen. Er gibt Bibelstunden, dabei ist er einst aus der Kirche ausgetreten. Der Bischof von Manila sagte: «Darf ein Christ boxen?»

Es ist die einzige kritische Stimme aus seiner Heimat. Wenn Pacquiao boxt, steht das Leben auf den Philippinen still. Die Kriminalitätsrate sinkt erwiesenermassen. Angeblich soll es während den Kämpfen sogar zu keinem einzigen Mord kommen.

Politiker zeigen sich gerne mit dem Boxer. Pacquiao ist auf du und du mit ihnen. Als auskam, dass Pacquiao angeblich ein uneheliches Kind gezeugt hatte, deckten sie ihm den Rücken. Pacquiaos Spielsucht wird zum Tabu. Als bekannt wurde, dass er Steuern nicht korrekt beglich, war schnell geklärt: Es war keine Absicht. Er wusste es nicht besser. Tatsächlich?

Vielleicht sind die beiden Boxer eben doch nicht so verschieden. Nur verkauft sich ein Duell der Gegensätze deutlich besser. 100 Dollar muss ein Amerikaner zahlen, um den Kampf im Fernsehen zu sehen. Im deutschsprachigen Raum verlangt der Bezahlsender «Sky» 30 Euro. Da erwartet das Publikum eine Show. Und die beiden Boxer spielen ihren Part perfekt. Dabei hat ihr Leben viele Paralleln. Mayweather und Pacquiao kommen aus armen Verhältnissen. Sie haben sich aus dem sozialen Milieu zu Superreichen geboxt.

Ironischerweise sind sie im Ring genau anders als in der öffentlichen Selbstdarstellung. Mayweather ist ein Defensivkünstler, Pacquiao ein draufgängerischer Angreifer. Wer gewinnt, ist offen. Sicher ist nur: In der Liste der Topverdiener 2015 werden beide deutlich vor Roger Federer liegen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1