Ruedi Kuhn

Den heutigen Tag nützt der FC Aarau für den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft. Fürs Zwischenmenschliche. Für die Kameradschaft. Zwecks Teambildung reist die Mannschaft von Trainer Martin Andermatt am Morgen vom Brügglifeld ins Emmental und versucht sein Glück statt auf einem Fussballplatz in einem Klettergarten. Da sollen die Spieler dann lernen, wie sie sich in extremen Situation zu verhalten haben.

Extreme Situationen? Die gabs auch gestern Abend beim 0:3 gegen Sion. Und weil beim FC Aarau in dieser Meisterschaft ein Malheur selten allein kommt gabs gleich mehrere. Aber schön der Reihe nach. Da führt der eine Sion-Franzose Nicolas Marin in der Aarauer Platzhälfte ein Tänzchen auf, lässt drei Gegenspieler aussteigen, wird nicht attackiert und spielt den Ball gekonnt in den Lauf des andern Sion-Franzosen Karim Abdoul Yoda. Yoda dreht sich nahe am Elfmeterpunkt um die eigene Achse, lässt Ivan Benito ins Leere laufen und schiebt das runde Streitobjekt ins Tor. Sions 1:0 nach Ablauf einer halben Stunde ist symptomatisch für die Verfassung des Tabellenletzten der Super League. Die Aarauer scheinen mit ihren Gedanken überall zu sein - nur nicht beim Fussball.

Und als in der zweiten Halbzeit eine Viertelstunde gespielt war, liess erneut Marin die Aarauer Abwehr schlecht aussehen. Sions Techniker setzte sich an der Grundlinie durch und zirkelte den Ball in Richtung Fünfmeterraum. Und wer kam, sah und traf? Nicht ein Sion-Spieler, nein, Unglücksrabe Giuseppe Rapisarda traf per Schienbein ins eigene Tor. Sion also lag mit zwei Treffern in Vorsprung.

Und als der nun von allen guten Geistern verlassene FC Aarau sogar ein Penaltygeschenk von Schiedsrichter Alain Bieri nicht nützen konnte, war der Mist geführt. Umso mehr, als dass Emile Mpenza Sekunden nach Sergio Bastidas vergebener Elfmeterchance kurz darauf der dritte Treffer für die Walliser gelang.

Wo bleibt die Leidenschaft?

Schliesslich blieb es beim 0:3 aus Aarauer Sicht. Es war nicht nur die 19. Niederlage im 26. Spiel, sondern es war wohl die schallendste Ohrfeige, welche die Mannschaft unter der Führung von Coach Andermatt kassierte. Was ist bloss mit den Aarauer Spielern los? Warum wehren sie sich nicht gegen den Abstieg? Wo bleibt die Leidenschaft? Hat man sich bereits mit dem sportlichen Schicksal abgefunden? Ist es eine Kopfsache?

Bleibt zu schlechter Letzt eine Personalie zu vermelden, die nach dem peinlichen 0:3 allerdings zu einer Randnotiz verkam. Dass Linksverteidiger Jonas Elmer nicht zum Aarauer Aufgebot zählte ist auf den Umstand zurückzuführen, dass er in der nächsten Saison aller Voraussicht nach für den FC Sion spielen wird. Ist doch verständlich, oder?

Aktienverkauf läuft nicht gut

Der FC Aarau will sein Aktienkapital um 980 000 Franken aufstocken. Die Frist läuft noch bis Ende April. Bis zur Hälfte der Frist ist aber erst ein Drittel des gewünschten Kapitals zusammengekommen. Das berichtete das Regionaljournal Aargau/Solothurn in seiner Morgenshow. (skh)